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| filmszene special: Interview mit "28 days later"-Regisseur Danny Boyle und Autor Alex Garland |
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Ein neues "Dream Team"? - Interview mit Danny Boyle & Alex Garland zu "28 Days Later" Mit "The Beach" schrieb Alex Garland den Kultroman für eine ganze Generation. Fürs Kino adaptiert wurde das Buch dann vom britischen Regisseur Danny Boyle, der zuvor mit "Kleine Morde unter Freunden" und "Trainspotting" ebenfalls international für Aufsehen gesorgt hatte. Jetzt haben sich die Beiden erneut zusammengetan und schufen mit "28 Days later" einen apokalyptischen Endzeit-Thriller, den man so vielleicht nicht unbedingt von ihnen erwartet hätte. In Hamburg traf sich die Filmszene zum Interview mit zwei sehr begeisterungsfähigen Kreativen. Filmszene: Was war denn zuerst da: Die Idee zu "28 Days Later" oder der Wille nach "The Beach" gleich noch einmal zusammen zu arbeiten? Alex Garland: Zuerst kam schon das Skript. Das war eine Geschichte die ich gern erzählen wollte und die habe ich Danny dann einfach mal vorgelegt. Wir haben dann noch monatelang daran herumgefeilt und vieles verändert, aber er wollte den Film doch auch gerne selbst machen. Und das war mir nur recht - denn erstens können wir gut miteinander arbeiten und außerdem ist es gar nicht so leicht eine Idee auch tatsächlich auf die Leinwand zu bringen, da muss schon vieles zusammenspielen und Verbindungen müssen genutzt werden. Mr. Boyle, sie arbeiten ja sowieso sehr gerne immer wieder mit den selben Leuten, seien es Schauspieler wie Ewan McGregor oder Produzent Andrew MacDonald, mit dem Sie jetzt bereits den sechsten Film gemacht haben. Danny Boyle: Ja, das fällt schon auf, nicht? Aber es ist eben einfach eine geradezu ideale Arbeitsweise und auch sehr angenehm. Es spart unglaublich viel Zeit, wenn alle wissen wie der Andere arbeitet und außerdem bekommt man noch ein wenig "Familienatmosphäre" dazu. Und ich bin der festen Überzeugung, dass auch das Endergebnis dadurch besser wird, mehr als nur die "Summe seiner Teile" sozusagen. Ist diese eher kleine Produktion nicht aber auch ein Schritt zurück, nachdem Sie doch zuletzt in Hollywood gearbeitet haben? DB: Auch bei einer großen Produktion wie "The Beach" haben wir ja schon versucht immer einen gewissen britischen Touch beizubehalten. Insofern sehe ich "28 Days later" jetzt nicht als eine Art "Heimkehr" an. Aber natürlich war das Budget kleiner, der Druck geringer und die Arbeit daher auch entspannter.
Trotz des geringeren Budgets war es Ihnen aber immerhin möglich ein menschenleeres London zu zeigen und dies ganz real, ohne Tricksereien mit dem Computer. AG: Das war sehr spannend. Wir konnten tatsächlich kurz nach Sonnenaufgang für eine Stunde den Verkehr aufhalten, und diese Stille ist schon faszinierend. Und mit ein paar geschickten Kameraeinstellungen wirkt dann wohl alles etwas größer und weiträumiger als es tatsächlich ist. Aber einen Science-Fiction Genre Film mit Zombies hätte man trotzdem nicht unbedingt von Ihnen Beiden erwartet. DB: Aber warum denn nicht? Ich vertrete schließlich absolut die
Auffassung, dass das Kino in erster Linie Unterhaltung ist und zwar Unterhaltung
für die Masse und nicht nur für wenige Intellektuelle. Dafür
wurde es jedenfalls mal erfunden und die so genannte "Intelligenz"
versucht ab und zu es für andere Zwecke zu entführen. Kommen wir zum Thema der Gewalt in diesem Film. Die ist ja nichts für allzu empfindliche Gemüter. DB: Das ist zwar richtig, aber trotzdem gibt es im Film gar nicht so viel Brutalitäten zu sehen, vieles wird auch nur angedeutet. Und das was wir zeigen, ist dann bewusst so eklig inszeniert, dass das Publikum wohl eher wegsehen möchte. Den massiven Einsatz der Musik könnte man bei einigen gewalttätigen Szenen aber auch durchaus als "stimulierend" empfinden. AG: Moment, da muss ich widersprechen, denn das ist auf keinen Fall so gedacht. Unsere Gewaltdarstellung und auch die dazugehörige Musik soll bestimmt nichts glorifizieren oder gar verführerisch wirken und diese Ansicht habe ich bisher eigentlich auch nicht gehört. Das ist auch ein bewusster Gegenentwurf zu vielen anderen Filmen in denen die Gewalt so farbenprächtig und blutarm daher kommt. Aber man kann natürlich nie eine Garantie dafür abgeben, wie es auf den Einzelnen wirkt oder interpretiert wird. Und was könnte man dann als das zentrale Thema und Anliegen von "28 Days later" bezeichnen? DB: Dass alle Versuche der Wissenschaftler so etwas wie die Wut und Aggressionen der Menschen unter Kontrolle zu bringen zum Scheitern verurteilt sind, weil sich diese Urinstinkte eben nicht eliminieren lassen, jedenfalls nicht ohne einen anderen furchtbaren Preis zu zahlen. Also eine ähnliche Aussage wie z.B. Stanley Kubricks ""Uhrwerk Orange"? DB: Das kann man durchaus so sehen. Letztendlich ist es wie der Colonel im Film sagt: "Was ist daran so ungewöhnlich? Menschen töten andere Menschen und das haben sie schon immer getan". Und genau das zeigen wir. Wir überspitzen nur eine Entwicklung die man in Großbritannien als "Social Rage" bezeichnet. Das ist eine immer niedriger werdende Grenze der Toleranz und das Ausrasten über Kleinigkeiten, wie z.B. einen belegten Parkplatz. Das ist wohl hier in Deutschland noch nicht ganz so schlimm. Oh doch, das erlebt man auch bei uns. Tätliche Auseinandersetzungen in der Warteschlange im Supermarkt und einfach ein Mangel an Geduld. DB: Sehen Sie. Das liegt aber auch daran, dass z.B. die Werbung den Leuten eine Welt vorgaukelt die es so nicht gibt. Da werden jedermann Traumreisen und ein sorgenfreies Leben versprochen und in der Realität hat der Flieger dann mehrere Stunden Verspätung und nichts sieht so aus wie im Prospekt. Die Menschen fühlen sich dann betrogen und werden aggressiv. Eine schlimme Entwicklung. Mr. Garland, sie haben ja mal mit dem Schreiben von Comics angefangen. Ist diese Zeit eigentlich komplett für Sie vorbei? AG: Nein, überhaupt nicht. Es wird leider öfter behauptet ich hätte mich mit meinen Romanen davon weg entwickelt und würde Comics heute als minderwertig ansehen. Das möchte ich gerne richtig stellen, denn ich liebe dieses Medium immer noch und werde auch wieder darin arbeiten. Demnächst erscheint eine "Batman"-Geschichte von mir, die ich gemeinsam mit Scott Lobdell (Autor von "X-Men" und "Wildcats") entwickelt habe. Mr. Boyle, Mr. Garland, vielen Dank für das Gespräch und
wir warten gespannt auf weitere gemeinsame Projekte von Ihnen. Interview: V. Robrahn |