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Interview mit "Paul"-Synchronsprecher Bela B.

Bela B. bei den Synchronarbeiten

Filmszene: Bela, Du sprichst in der deutschen Fassung den "Paul", ein Alien mit ziemlich frechem Mundwerk. Was war das für eine Erfahrung im Vergleich zu dem was Du sonst so machst?

Bela B.: Interessant, lustig und überraschenderweise weit weniger schwierig als ich vorher gedacht hatte. Ich habe dabei nämlich gemerkt, dass das für jemanden der wie ich auch sonst viel mit seiner Stimme arbeitet eigentlich ganz gut zu bewältigen ist. Für einen Schlagzeuger sogar noch besser, da das Ganze eben auch sehr viel mit Sprachrhythmus zu tun hat. Und wenn man da so bewusst und professionell ran geht, dann nimmt man auch was mit von dieser Art Arbeit.

War es schwer Dich von diesem "Job" zu überzeugen?

Nein, denn ich wähle die Projekte die ich außerhalb meiner Hauptarbeit als Musiker mache ja danach aus ob sie mir etwas bringen und Spaß machen. Und ich bin ein großer Fan der Sachen, die Simon Pegg und Nick Frost machen, nicht nur der Kinofilme sondern auch von dem was sie vorher fürs Fernsehen gemacht haben. Das Thema war mir auch nicht fremd, vor allem die "Nerd"-Thematik und dass die beiden dann tatsächlich dem Objekt ihrer Begierde begegnen. Auch die enthaltene Kritik an speziell amerikanischen Gepflogenheiten finde ich sehr gelungen und das war dann schon genug um zu sagen "Ja, da will ich mitmachen".

Bist Du denn auch ein "Nerd" und wie definiert sich der eigentlich?

Ja, bin ich natürlich. Heute sehe ich zwar dem Dresscode entsprechend nicht so aus, aber "don't judge a Nerd by it's Cover", sag ich mal. Ein Nerd zeichnet sich meiner Meinung nach vor allem dadurch aus, dass er jede Menge unnützes Wissen sammelt. Bei Dingen wo es doch eigentlich reicht die Oberfläche gesehen zu haben, gräbt der Nerd tiefer und will mehr wissen. Etwa wie denn Perry Rhodan aufgewachsen ist oder wie sich die Kultur auf Vulkan entwickelt hat und er kann Dir sicher auch den Begriff "Scream Queen" erklären. Das unterscheidet ihn zumindest schon mal vom normalen Kinogänger.

Ist es denn nicht aber mittlerweile so, dass diese Fangruppen einen ziemlich großen, vielleicht sogar zu großen Einfluss ausüben? Wenn die Fans im Internet nach den ersten gezeigten Filmbildern aufschreien ist eine Comicverfilmung ganz schnell schon mal unten durch. Und spürt man da auch bei Euch im Musikbereich ebenfalls den Druck eine gewisse Erwartungshaltung erfüllen zu müssen?

Ja, das kann passieren. Wenn da ein Regisseur kommt und sagt ich mache jetzt mal meine Version von "Star Trek" oder "Superman" und die Fans sagen "Tja, das ist aber leider nicht unsere Version" und senken den Daumen. Ist für die künstlerische Freiheit nicht ungefährlich, aber andererseits muss man eben auch wissen worauf man sich einlässt, wenn man sich in einem bereits bestehenden Universum bewegt. Die "Ärzte" sind allerdings schon noch ihr eigener Herr und wir haben uns auch eine Position erarbeitet, in der wir doch sehr unabhängig und frei entscheiden können wann und vor allem wie wir etwas machen. Klar, man kann der Fan-Meinung in Zeiten des Internets kaum entgehen, aber wir wären sicher nicht da wo wir sind, wenn wir immer versucht hätten der Masse zu gefallen. Wir erfüllen dann die Erwartungshaltung, indem wir halt nicht bereits nach 60 Minuten von der Bühne gehen. Aber das ist es eigentlich auch schon.

Was natürlich umgehend die Frage erfordert, wann denn mit einem neuen "Ärzte"-Album zu rechnen ist? Das letzte ist ja doch immerhin auch bereits wieder vier Jahre her.

Sorry, aber das ist so ziemlich das einzige Thema zu dem ich heute noch nichts sagen darf und möchte.

Mal abgesehen vom Internet: Wie mächtig sind denn heute bestimmte Medienkonzerne wie etwa der Axel Springer-Verlag, den Du bzw. ihr ja auch teilweise boykottiert?

Ja, aber das gilt nicht für den ganzen Verlag sondern wirklich nur für die BILD-Zeitung. War früher mal anders, aber da mache ich mittlerweile schon Unterschiede. Wir haben aus unserer Meinung über die BILD-Zeitung nie einen Hehl gemacht, vor kurzem ja auch noch mal recht deutlich in einem bestimmten Song. Ich empfinde die aber nicht als mächtig. Natürlich können sie mir hin und wieder mit dem was sie schreiben weh tun, aber sie werden eben nie mitbekommen wann das dann der Fall ist. Ich muss aber nicht in einer Kampagne meine Meinung zu BILD sagen und dabei so tun als wäre ich kritisch und in Wirklichkeit mache ich nur Werbung für die. Ich verstehe auch nicht, dass Einige die mal Opfer der Zeitung waren, das dann trotzdem mitmachen. Ich und viele meiner Freunde machen das nicht und deshalb haben die dann eben auch keine Macht über uns.


Wie deprimierend ist es denn für einen Punk-Musiker, dass diese Art Meinungsmache und gewisse rechte Tendenzen doch immer wieder Erfolg haben?

Im Moment sehe ich das alles gar nicht mal so negativ. Zum Sarrazin-Buch etwa habe ich sicher meine Meinung, aber ich finde es grundsätzlich gut wenn solche Themen öffentlich diskutiert werden. In der Demokratie muss man eben auch Meinungen, die einem nicht besonders gefallen aushalten können. Ich hab da jedenfalls keine Angst vor und aktuell sogar eher das Gefühl alles findet seinen Weg, man schaue zum Beispiel auf die wohl nicht mehr so rosige Zukunft der Atomindustrie. Die Stimme der Vernunft ist immer die stärkste, sie braucht halt nur manchmal ihre Zeit.

Volker Robrahn

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