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Interview mit Justin Timberlake und Mila Kunis

Filmszene: Ost- oder Westküste, New York oder Los Angeles, das ist eine der großen Fragen in eurem Film. Wo positioniert ihr beide euch denn persönlich?

Justin Timberlake: Ich wähle NYC, da ist alles irgendwie kreativer. Aber Mila ist mehr der L.A.-Typ.

Mila Kunis: Nun ja, ich bin da aufgewachsen und hab ja auch meine Familie und Freunde da. Und ich bin der Meinung, dass L.A. oft viel zu schlecht wegkommt. Es ist natürlich immer das was du draus machst. New York ist toll, aber länger als ein paar Monate könnte ich es nicht ertragen.

Timberlake: Da wir beide in unserem Job sehr viel reisen und unterwegs sind besteht diese Gefahr aber eh weniger. Wir sind eigentlich nie so lange irgendwo, als dass es einen schnell nerven oder langweilen könnte.

Was ihr ebenfalls beide gemeinsam habt, ist ein sehr erfolgreicher und mit Preisen überschütteter Film im letzten Jahr, Justin mit „The Social Network“ und Mila mit „Black Swan“. Wobei die große Aufmerksamkeit dafür ja erst kam, nachdem ihr „Freunde mit gewissen Vorzügen“ bereits abgedreht hattet. Hat sich seitdem eure Position in Hollywood schon spürbar verändert? Bekommt ihr mehr oder einfach ganz andere Angebote?

Kunis: Ich rede mir ein, dass das nichts verändert hat und dass ich auch viel zu wenig Zeit habe um mir darüber überhaupt Gedanken zu machen. Aber wahrscheinlich hat es das doch, muss es im Prinzip ja. Über alles, was nach „Black Swan“ über uns hereingebrochen ist, bin ich genauso dankbar wie überrascht, denn damit hatten wir alle nicht gerechnet.

Timberlake: Ich sage: Ja, es hat sicher meine Position etwas verändert und verbessert. Was aber nicht heißt, dass ich in Zukunft nur noch diese Art Rollen spielen möchte. Ich hab jetzt mehrmals für Sony gearbeitet und alle Filme waren sehr unterschiedlich, zuletzt „Bad Teacher“ und nun die „Freunde“ für die wir heute hier sind. Das soll auch bitte gerne so bleiben. Und im Grunde ist mein Ziel immer das gleiche und furchtbar simpel: Ich möchte nach einem abgedrehten Film einfach nur die Gelegenheit haben noch einen weiteren zu machen.

Zweifelst Du etwa ernsthaft daran?

Timberlake: Ja, ständig. Das hört sich im Moment vielleicht albern an, ist aber tatsächlich so. Und liegt vermutlich an meiner großen Unsicherheit. Ich glaube ja, dass gute und interessante Rollen zu bekommen auch sehr viel mit Glück zu tun hat. Und da fürchte ich halt ständig, dass mit diesem Glück auch bald mal Schluss sein könnte.

Obwohl im Kern eine Komödie, behandelt euer neuer Film auch ein das sehr ernste Thema Alzheimer und es gibt ein paar berührende Szenen mit dir, Justin und mit Richard Jenkins in der Rolle deines erkrankten Vaters. Hast Du dich vorher mit dem Thema beschäftigt und hast du vielleicht sogar eigene Erfahrungen damit in deinem persönlichen Umfeld gemacht?

Timberlake: Ohne jetzt zu persönlich werden zu wollen, beantworte ich beide Fragen mit „Ja“. Ja, ich habe mich vor dem Dreh über Alzheimer informiert und es gibt auch einen Fall davon in meinem familiären Umkreis. Was nicht bedeutet, dass ich deshalb Antworten darauf hätte, wie man damit am Besten umgeht.

Eure beiden Figuren im Film sind sehr um „Kontrolle“ bemüht. Inwieweit versucht und gelingt es euch, euer Leben stets zu kontrollieren?

Timberlake: Darauf muss ich jetzt versuchen eine möglichst „kontrollierte“ Antwort zu geben.

Kunis: Dann übernehme ich das, denn ich hab dazu eine sehr einfache und klare Antwort: Ich kann mein Leben leider nicht kontrollieren, Null, das klappt nie. Ich würde das ja wahnsinnig gerne, aber ich hab weder die meisten Entwicklungen noch meine Emotionen so unter Kontrolle wie ich es mir wünsche. Mag sein, dass das anderen gelingt, mir jedenfalls nicht, damit hab ich mich bereits abgefunden.

Timberlake: Es ist für mich einer der Gründe, warum ich gerne Filme mache: Die Kontrolle abzugeben und lediglich eine bestimmte Aufgabe zu erfüllen, das Scheinwerferlicht mit anderen zu teilen. Das war da, wo ich herkomme, im Musikbusiness anders, denn da hing eigentlich alles nur von dir selbst ab. Und im Moment genieße ich es doch lieber zu „kooperieren“.

Hattet Ihr angesichts der doch recht zahlreichen Sexszenen irgendwelche Bedenken den Film zu machen?

Timberlake: Wir hatten in der Tat beide Bedenken, aber nicht wegen der Sexszenen. Was wir auf keinen Fall machen wollten, ist so eine stereotype romantische Komödie, das war das Entscheidende. Klar, mittlerweile weiß ich, dass Will Gluck so etwas sowieso nicht macht, aber das war mir noch nicht klar, als ich das Skript bekam. Und wenn Du das liest achtest Du mehr auf die Story, den Witz und die Originalität und denkst nicht darüber nach, wie und mit wie viel oder wenig Klamotten du dann eine bestimmte Szene spielen musst.

Kunis: Nein, diese „pikanten“ Szenen waren wirklich nicht das Problem. Alles was lustig und komisch ist wird einfach gemacht, da muss man sein eigenes Befinden dann zurücknehmen. Außerdem ist dafür auch überhaupt gar keine Zeit, denn es geht vielmehr um Vorbereitung, Timing, Exaktheit. Auch die beiden „Flashmob“-Szenen sind ein Beispiel dafür, die waren sehr kompliziert und aufwändig.

Konntet Ihr es denn wenigstens genießen, zu den wenigen Menschen überhaupt zu gehören, die sich in die echten „Hollywood“-Buchstaben in den Bergen von L.A. setzen durften?

Beide: Ja, das konnten wir!!

Timberlake: Aber, der Tag, an dem wir das gedreht haben, war der kälteste Tag des Jahres.

Kunis: Wir haben unglaublich gefroren und die beiden Helikopter haben es noch schlimmer gemacht und uns mit Staub zugewirbelt.

Timberlake: Aber es war eben auch unglaublich cool! Wir saßen da mitten auf dem Hollywood- Zeichen wo eigentlich sonst keiner drauf darf, und dann tauchte dieser Hubschrauber direkt vor uns auf und filmte den „Establishing Shot“ für die Szene. Das hat so noch keiner vorher gemacht.

Volker Robrahn