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Interview mit "Dickste Freunde"-Hauptdarstellerin Winona Ryder

Winona Ryder war in den 90er Jahren sicher eine der populärsten Schauspielerinnen ihrer Generation, bevor der unangenehme Skandal um einen Ladendiebstahl für einen Karriereknick sorgte und Ryder sich daraufhin jahrelang zurückzog. Jetzt ist sie aber gleich in zwei neuen Filmen zu sehen, mit einer Nebenrolle als aus dem Rampenlicht gedrängte Primaballerina in Darren Aronofskys "Black Swan" und als untreue Ehefrau in der Komödie "Dickste Freunde". Bei der Vorstellung dieses Films in Deutschland sprach Filmszene mit der Künstlerin, die sich dabei sehr offen und ausführlich zu ihrer persönlichen Situation äußerte.

Filmszene: Winona, Sie haben einige Auf und Abs in ihrem Leben und ihrer Karriere erlebt. Würden Sie im Nachhinein sagen, dass Hollywood immer fair zu Ihnen war?

Winona Ryder: Ich denke, dass ich im Laufe meiner nun auch schon zwanzigjährigen Karriere auf jeden Fall einiges an wundervollen Momenten und Zeiten erleben durfte, und klar, das verdanke ich zu einem großen Teil Hollywood. Ich habe meine Auszeiten genommen, das ist richtig. Aber ein gewisses Auf und Ab hat auch jeder meiner Kollegen mal erlebt. Was sich verändert hat und was mir nicht gefällt: Als ich anfing, da war man "cool" und genoss Respekt wenn man einfach in einem guten Film mitgewirkt hat. Es ging dabei nicht darum wie das Kasseneinspiel war. Und es gab, zumindest nach meinem Empfinden, auch nicht diesen übertriebenen Umgang mit Prominenten wie er heute veranstaltet wird. Dazu kommen noch all die Sachen die übers Internet laufen oder gar die Probleme die einige mit "Stalkern" haben. Und das betrifft auch die Filme selbst, denn früher warteten wir monatelang auf einen Film ohne schon vorher jedes Detail zu wissen, weil es bereits bis ins Kleinste online ausdiskutiert wird. Mir fehlt diese Aufregung und Spannung von damals, denn das habe ich geliebt. Alles Gründe warum ich z.B. vom Internet soweit wie möglich weg bleibe, dort wird sehr viel Meinung gemacht und das Meiste davon gefällt mir nicht, auch wenn ich persönlich ja gar nicht mehr so im Mittelpunkt stehe. Weil ich ja auch ein ganz normales Leben in San Francisco führe, wo ich jeden Tag die Wäsche mache. Und das brauche ich auch, denn das gibt mir Bodenhaftung. Aber, um die Frage zu beantworten: Das, was da von außen veranstaltet wird, ist es, was mich am Ehesten stört, während ich wenig Grund habe mich über die Kollegen oder das Filmbusiness zu beklagen. Mein zwischenzeitlicher Rückzug war ja doch in erster Linie meine eigene Entscheidung. Jetzt bin ich wieder da und gewillt wieder einzusteigen und natürlich ist nicht mehr alles genauso wie ich es kenne und auch mein Standing nicht mehr das Gleiche. Auch diejenigen, die mit mir aufgewachsen sind und mich natürlich sehr jung in Erinnerung haben, müssen vielleicht erst mal realisieren, dass da jetzt eine Frau auf der Leinwand zu sehen ist, die deutlich älter geworden ist. Ist nicht ganz einfach, aber es gibt doch einige die mich jetzt unterstützen, und außerdem kann ich nun ja auch Rollen spielen, die früher für mich nicht in Frage kamen. Denn glücklicherweise bin ich im richtigen Leben keine Balletttänzerin.

Ja, man kann es kaum glauben, aber Sie werden dieses Jahr 40.

Ja, ist das nicht verrückt? Ich gehöre also ab sofort zu den älteren Leuten, denen man mit Respekt begegnen muss. Zumindest habe ich das mal so gelernt und ich bin auch tatsächlich der Meinung, dass man mit dem Alter weiser wird. Und ruhiger, viel ruhiger. Wobei ich eigentlich nie so extrem ehrgeizig war, ich hab damals auch einfach viel Glück gehabt.

Das heißt, Sie fühlen sich heute auch wohler als früher?

Ja, so gut und angenehm wie noch nie in meinem Leben. Ich bin ja auch durch einige wirklich furchtbare Zeiten gegangen, in denen die eigene Unsicherheit sehr groß war.

Wie weit würden Sie denn heute gehen um in diesem Business bleiben zu können, auch was das Äußere betrifft?

Ja, es gibt da schon die eine oder andere Schauspielerin, die ich früher wunderschön fand und heute leider nicht mehr, was nicht am natürlichen Alterungsprozess liegt. Ich kann mir das nicht vorstellen, nicht nur weil ich sowieso panische Angst vor Nadeln habe. Und das Gesicht ist es doch, womit wir Schauspieler uns hauptsächlich ausdrücken, das kann man doch nicht bewusst unbeweglicher gestalten. Früher wollte mir mal jemand eine Nasenoperation einreden, aber schon das hielt ich für verrückt. Klar, ich habe auch das Buch von Jane Fonda gelesen, in dem sie sagt, "ich habe mir damit ein paar mehr Jahre gekauft, in denen ich noch in diesem Geschäft arbeiten kann". Ich finde das schockierend und kann es mir, wie gesagt, nicht vorstellen.

Wie wichtig ist absolute Wahrheit für Sie?

In einer Freundschaft fast noch wichtiger als in einer Beziehung. Allerdings war ich noch nie in einer ähnlichen Situation wie wir sie jetzt im Film haben. Aber deshalb war es ja auch so interessant das zu spielen.

Stimmt es, dass Sie ursprünglich die Rolle von Jennifer Connelly spielen sollten?

Nicht ganz. Es war eher so, dass ich mich zwar erst mal auf die Rolle "Beth" fürs Casting vorbereitet hatte, dann aber sehr schnell und spontan entschieden wurde, dass ich doch lieber Geneva probieren sollte. Das kam ohne Warnung und ich hatte auch keinerlei Vorbereitung mehr, aber es hat dann trotzdem wunderbar geklappt und ich bin auch sehr froh über diese Entwicklung.

Volker Robrahn

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