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Interview mit "Bad Teacher"-Hauptdarstellerin Cameron Diaz

Erst vor einem halben Jahr sprach Filmszene mit Cameron Diaz als Teil des Ensembles von "Green Hornet". Jetzt aber steht mit "Bad Teacher" eine Komödie an, die ihr praktisch alleine gehört und komplett auf den Star zugeschnitten ist. Ganz andere Voraussetzungen also und die Gelegenheit für ein neues Interview, denn Cameron Diaz stellte auch diesen neuen Film persönlich in Berlin vor.

Filmszene: Cameron, wie "böse" darf man denn überhaupt sein in so einer Hollywood-Produktion?

Cameron Diaz: Na, wir haben uns jedenfalls bemüht die Leute ein bisschen zu schocken. Der Film ist ja in den USA R-Rated, das heißt, dass es deutlich weniger Restriktionen gibt, was man machen und sagen darf und natürlich haben wir versucht daraus die entsprechenden Vorteile zu ziehen. Wobei ich den Verdacht habe, dass die Studio-Verantwortlichen wohl zum Teil gar nicht wussten, was für einen Film wir da machen (grinst). Vielleicht hätten sie sonst ja eingegriffen, aber man hat uns machen lassen und dann sogar das fertige Ergebnis durch gewunken.

Es ist schon einige Zeit her, dass Du in dieser Art der etwas "heftigeren" Komödien mitgewirkt hast. War es einfach mal wieder Zeit dafür oder lag es an der interessanten Frauenrolle, denn so etwas wird einem ja vermutlich doch eher selten angeboten?

Es gibt überhaupt nicht viele Geschichten und Rollen wie diese, weder für Frauen noch für Männer, denke ich. Wenn sowas dann im Angebot ist, gibt es daher sicher viele die zugreifen und dabei sein möchten. Das konnte ich dann diesmal und es hat mir natürlich eine Menge Spaß gemacht. Wobei ich da zuerst meine Zweifel hatte, denn nachdem ich ungefähr die ersten 40 Seiten des Drehbuchs gelesen hatte dachte ich: Das funktioniert nicht, für diese Frau gibt es keine Läuterung oder Erlösung. Aber hey, das muss in diesem Fall auch gar nicht so sein. Denn obwohl meine Figur im Film natürlich ein paar kleine Korrekturen vornimmt, entschuldigt sie sich im Prinzip doch nie für all die anderen unmöglichen Dinge und kommt damit auch durch. Elizabeth verändert sich eigentlich nicht groß und das ist eher ungewöhnlich in Hollywood-Geschichten. Ich finde es aber sehr erfrischend.

Sie hat aber zumindest eingesehen, dass sie nicht unbedingt größere Brüste braucht um Erfolg zu haben.

Wobei die für Elizabeth doch einfach nur eine Art Marketing-Instrument darstellen. Denn sie ist ja im "Ich-suche-einen-Mann"-Geschäft und meint entsprechende Dinger würden einfach ihre Chancen verbessern auf dem schrumpfenden Markt der Millionäre. Schließlich möchte sie möglichst bald in Rente gehen, aber dabei ein gutes Auskommen haben.

Und wie ist Deine persönliche Meinung zum Thema?

Die gibt es nicht, denn das ist etwas, was wirklich jeder für sich selbst entscheiden muss.

Aber teilst Du denn diesen etwas sachlicheren und rechnerischen Blick auf das Thema "Liebe" oder bist Du zumindest ein wenig romantischer?

Ja, ich bin schon romantisch, klar. Aber doch auch realistisch. Gehört auch beides dazu, wie ich finde, denn manchmal passieren einem solche Dinge und dann wieder andere. Das Leben ist eine lange Reise, weißt Du.

Nur bedingt romantisch oder gar erotisch ist dagegen Deine Sexszene mit Justin Timberlake, in welcher er unbedingt die Hosen anbehalten möchte. Was war das denn, bitte?

Ganz einfach: Wir haben da versucht die un-sexieste Sexszene aller Zeiten zu drehen. Sex ohne Sex sozusagen. Und ich denke, das Ziel haben wir erreicht. Na ja, und es sollte eben deutlich machen, dass die Chemie zwischen diesen beiden vielleicht doch nicht so stark vorhanden ist. Nein, dass sie eigentlich überhaupt nicht vorhanden ist. Aber da Justin und ich uns gut kennen und wissen wie der andere so drauf ist, war das völlig unproblematisch und sehr lustig. Aber einen ganzen Drehtag hat es dann doch gedauert.

Sind denn generell Komödien oder Dramen einfacher zu drehen?

Komödien sind schon schwerer, das ist tatsächlich so. Weil Humor immer relativ ist und verschiedene Leute ganz unterschiedliche Sachen lustig finden. Weil vieles sehr genau aufeinander abgestimmt werden muss und man dabei oft Gags vorbereitet, die erst in späteren Szenen für den Witz sorgen. Wenn dagegen in einem Drama jemand traurig ist, kann sich da praktisch jeder hineinversetzen und daran teilnehmen. Komödie ist kniffliger, auf jeden Fall.

Macht Dir, speziell als Schauspielerin in Hollywood, das Älterwerden Sorgen?

Nö, ich liebe es älter zu werden. Das wird nämlich allgemein sehr unterschätzt. Ich fühle mich zum Beispiel heute wesentlich sicherer als früher, viel stärker geerdet. Ich kann mein Leben auch viel mehr genießen, denn es hat sich bereits vieles erfüllt, ich selbst kann auch viel mehr geben. Nein, ich möchte wirklich nicht zurück gehen und wieder 25 Jahre alt sein. 25 hat nicht so wahnsinnig viel zu bieten.

Zu den neuen Erfahrungen gehört dann auch "Gambit", ein Film an dem die Coen-Brüder beteiligt sind und in dem Du ebenfalls mitwirkst. Wie gefällt Dir das?

Die Coens haben ihn geschrieben, führen aber nicht Regie. Das ist eine vertrackte Gangstergeschichte, dafür färbe ich meine Haare und drehe in London - kurz gesagt: Es ist großartig!

Interview: V. Robrahn