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Ganz neue Welten - oder vielleicht doch nicht? Die vierte Star Trek-Serie "VOYAGER" - Staffel 5

Staffel 5- Immer weiter durchs Unbekannte

Vor Beginn der Dreharbeiten zum fünften Voyager-Jahr hätte die Serie beinahe eine wirklich grundsätzliche Wendung vollzogen. Im Bonusmaterial zur neuen DVD-Box erzählen die Produzenten, dass man angesichts des nahenden Endes der Schwesterserie "Deep Space Nine" ernsthaft überlegte, die Voyager vorzeitig nach Hause zurückkehren zu lassen. Die Entscheidung fiel letztendlich aber doch in Richtung der weiteren Erforschung des unbekannten Quadranten. Und das war sicherlich auch gut so, denn mit Abenteuern auf Mutter Erde und Ihrer näheren Umgebung hätte man wohl kaum für einen erhöhten Adrenalinspiegel bei den Zuschauern gesorgt.
Zudem war das vierte Jahr das bis dahin erfolgreichste der jüngsten Trek-Serie gewesen, sowohl von den Einschaltquoten als auch von der durchgehend hohen Qualität der Episoden her. Staffel Fünf führte dann auch fast nahtlos das Konzept des Vorjahres weiter, rückte dabei aber den neuen Star "Seven of Nine" nicht mehr ganz so stark in den Vordergrund. Der obligatorische Midseason-Zweiteiler "Das ungewisse Dunkel" stellte zwar die Borg samt ihrer abhanden gekommene Drohne in den Mittelpunkt des Geschehens und präsentierte uns außerdem auch ein Wiedersehen mit der Borg-Queen aus dem Kinofilm "Der erste Kontakt". Aber davon abgesehen gab es für "Seven" auch nicht mehr auf sie zugeschnittene Einzelfolgen als für andere Charaktere.
Wobei gerade im Rückblick doch auffällt, wie oft die Qualität einer Episode von der im Fokus stehenden Hauptfigur abhängt. Es muss tatsächlich sehr schwer gewesen sein, für Neelix eine Story zu schreiben, in der der Talaxianer mal nicht allzu sehr nervt (in der albernen Märchenstunde "Es war einmal" tut er es leider) oder für Harry Kim einen Handlungsbogen zu entwerfen, in dem er mal nicht von hübschen Alien-Mädchen verführt wird, wie in "Das Generationenschiff" erneut geschehen. Mittelmäßig interessant sind meist die Geschichten mit Tuvok und Chakotay, der sich diesmal "In Fleisch und Blut" dann plötzlich doch auf der heimatlichen Erde wieder findet. Auch die Abenteuer des Holodocs begannen sich langsam zu wiederholen, die "Verborgenen Bilder" sollen dafür als Beispiel dienen.
Die interessantesten Ideen sparte man sich nämlich recht offensichtlich doch für Seven of Nine und Captain Janeway auf, die nicht nur in den Mehrteilern im Mittelpunkt standen. Eine herausragende schauspielerische Leistung bietet Kate Mulgrew dabei in dem packenden Psychoduell mit einem raffinierten Ermittler in der Folge "Kontrapunkt". Für Spaß und Auflockerung sorgten in diesem Jahr die neuen Holodeck-Abenteuer des Captain Photon in "Chaoticas Braut" und die heitere Romanze "Liebe inmitten der Sterne".
Und dann hätten wir da ja noch die unvermeidlichen Variationen des beliebten Themas "Zeitschleife". Auch die gehen nicht immer gut, wie die reichlich absurde Variante vom "Zeitschiff Relativity" belegt, aber sie sorgen auch immer wieder für echte Highlights. Dieses kommt diesmal in Form der Jubiläumsfolge Nummer 100 mit dem schönen Titel "Temporale Paradoxe" daher und präsentiert sich mit seinen dramatischen Szenen im ewigen Eis fast aufwändiger als so mancher Zweiteiler. Eine starke Episode, bei der sich die Macher so richtig ins Zeug gelegt haben. Dagegen wirkt dann der Cliffhanger zum Staffelfinale namens "Equinox Teil Eins" fast ein wenig unspektakulär.

Einen kurzen Überblick über all diese Ereignisse liefert der gewohnte Staffelrückblick auf der DVD mit dem neuen Bonusmaterial, welches uns ansonsten noch zwei "Zeitkapseln" liefert, die näher auf die Beziehung Torres/Paris eingehen. Interessant auch die Hintergründe zum Wechsel der Darstellerin für die Rolle der Borgkönigin im Feature "Die Borg Queen". Und die kleinen, im Menü versteckten Extraschnipsel fehlen auch diesmal nicht, fünfmal entdeckt man durch Anklicken bestimmter Schiffsteile noch einige Hintergrundinfos zu speziellen Episoden.
Insgesamt betrachtet also wieder eine runde Sache, diese Box Nummer Fünf, welche uns ein Jahr "Voyager" nach Hause bringt, das zwar nicht ganz die Klasse des Vorjahres halten konnte, aber allemal bedenkenlos mit dem Prädikat "gut" versehen werden darf.

Volker Robrahn