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Ganz neue Welten - oder vielleicht doch nicht? Die vierte Star Trek-Serie "VOYAGER" - Staffel 3

Staffel 3 - Wie man auf hohem Niveau auf der Stelle tritt

Routine! Dies ist wohl das Wort welches am besten die Situation des "Star Trek"-Ablegers "Voyager" in seinen Anfangsjahren kennzeichnet. Die Franchise hatte sich zu einer allgegenwärtigen Marke entwickelt, von der in den 90er Jahren wie selbstverständlich ständig neue Produkte erschienen. Die Basis für all diese Begleitprodukte bildeten dabei natürlich die beiden TV-Serien, und so waren eben jährlich 52 neue Folgen zu produzieren. Während aber "Deep Space Nine" zu dieser Zeit seinen ganz eigenen - durchaus riskanten - Weg eines durchgehenden epischen Handlungsbogens ging, gab sich "Voyager" eher unverfänglich und präsentierte mal mehr oder weniger interessante Einzelabenteuer. Die in den vorhergehenden Jahren gewonnene Erfahrung verhinderte dabei allzu grobe Aussetzer und Fehlgriffe, wirkliche Innovationen waren aber auch im dritten Jahr der Serie noch nicht zu finden.
Der Cliffhanger aus der zweiten Staffel wurde in der Fortsetzung von "Kampf ums Dasein" schnell aufgelöst und die Crew erhielt ein wenig zu schnell ihr Schiff zurück - auch wenn man dafür auf originelle Weise die Figur des psychopathischen Killers aus einer früheren Folge mit einband. Den Fans des fast allmächtigen Unruhestifters machte man mit der heiteren "Q-Krise" eine Freude und "Herkunft aus der Ferne" bot mal wieder eine interessante Gesellschaftsutopie.
Aber eine große Neuerung gab es dann doch noch, denn mit "Vor dem Ende der Zukunft" wurde der von da an obligatorische große Zweiteiler inmitten einer Staffel erfolgreich eingeführt. Ein Versuch, der den Produzenten offensichtlich recht schwer gefallen war, und laut den Äußerungen im Bonusmaterial nur der "Leidenschaft" von Autor Brannon Braga zu verdanken ist.
Diesen Highlights standen viele durchschnittlich spannende Episoden gegenüber und auch einige wenige Gurken, wie die erneute "Stirb langsam"-Kopie "Makrokosmos" oder die x-te Zeitschleifenvariante "Der Wille". Immerhin, eine neue "Schwelle" (siehe Staffel 2) wurde dem Publikum nicht vorgesetzt. :

Das in der aktuellen Box enthaltene Bonusmaterial bietet diesmal viel Gewohntes/Bekanntes/Beliebtes, wie den allgemeinen Rückblick auf die dritte Staffel und eine neue "Zeitkapsel", diesmal mit Neelix und Kes. Sehr speziell geht man auf die Episode "Tuvoks Flashback" ein, in der auch der gute alte Captain Sulu einen Auftritt hatte, und dann gibt es einen eher unergiebigen Bericht über das damalige Jubiläum "30 Jahre Star Trek", welcher hauptsächlich aus Kommentaren der Stars auf dem roten Teppich besteht. Auch die versteckten kleinen Ostereier sind wieder über die blinkenden Raumschiffteile in der Menüführung zu entdecken, bieten diesmal mit einem Blick auf die "Kampfamazone Janeway" oder die verschiedenen Affären des Holodocs allerdings nicht ganz so interessante Schmankerl wie noch beim letzten Mal. Aber gut, ein As wie den singenden Tuvok hat man schließlich nicht jedes Mal im Ärmel.

Irgendwie war wohl allen Beteiligten am Ende dieser Staffel klar, dass es so nicht noch ein Jahr weitergehen konnte und man jetzt endlich mal den entscheidenden großen Kick brauchte. Die aus diesen Überlegungen resultierende Entscheidung, dann ausgerechnet wieder auf die Borg zurückzugreifen, beruhte auf dem erstaunlichen Erfolg des aktuellen Kinofilms "Der erste Kontakt" und sorgte zunächst für eher skeptische Mienen, denn allzu einfallsreich schien diese Maßnahme ja nun nicht gerade. Das Staffelfinale "Skorpion Teil 1" bot dann allerdings neben den bekannten Borg auch noch die wirklich neue und höllisch gefährliche "Spezies 8472" und an Bord des in der Handlung auftauchenden Borgschiffes befand sich ja auch noch eine Person, die das Bild der Serie in den Folgejahren sehr stark prägen sollte. Doch darüber mehr beim nächsten Mal.

Volker Robrahn