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Ganz neue Welten - oder vielleicht doch nicht? Die vierte Star Trek-Serie "VOYAGER" - Staffel 2

Staffel 2- Auf der Suche nach einem eigenen Stil (diesmal mit zahlreichen "Easter-Eggs"!)

Das erste Jahr hatte der Frischling im "Star Trek"-Universum 1995 einigermaßen erfolgreich hinter sich gebracht. Die Einschaltquoten waren recht ordentlich und die neue Crew wurde von den Fans auch akzeptiert. Am Wichtigsten aber: Der lähmende Streik der Autoren, hauptverantwortlich für die auf nur 16 Episoden verkürzte erste Staffel, war endlich überwunden. Im zweiten Jahr konnte man also mit den gewohnten 26 Folgen in die Vollen gehen und da die Charaktere nun schon eingeführt waren, sollten die Ideen eigentlich nur so sprudeln.
Dass dem leider nicht immer so war, erläutern Rick Berman und Jeri Taylor im auf der Bonus-DVD enthaltenen Staffelrückblick. Recht offen räumen die beiden Autoren ein, wie schwer es bereits zu diesem Zeitpunkt war, dem Publikum nach mehr als 400 Folgen "Star Trek" noch immer etwas Neues und Frisches zu präsentieren. Mit den Ergebnissen für das zweite Jahr sind die Macher dann auch nur halbwegs zufrieden und Gleiches gilt wohl auch für den Großteil der Trek-Fangemeinde. "Voyager" bot von Anfang an erstklassig produzierte Unterhaltung auf hohem Niveau und besaß auch nicht die Kinderkrankheiten, die z.B. der "Next Generation" zu Beginn noch anhafteten. Doch noch fehlten deren schillernde Charaktere oder ein packender großer Handlungsbogen, wie ihn "Deep Space Nine" gerade gefunden hatte.

Das Leitmotiv "Zurück nach Hause" allein genügte da nicht ganz und spätestens am Ende der zweiten Staffel fragten sich die Zuschauer auch, wieso die "Voyager" immer wieder auf die gleichen Widersacher auf Seiten der Kazon traf, obwohl sie doch eigentlich zielstrebig den Quadranten durchqueren wollte. Dass eben diese Kazon nicht der ganz große Wurf waren, was die Rubrik "faszinierende neue Aliens" betrifft, geht ebenfalls aus der Reflexion der Autoren über ihre eigenen Geschichten hervor. Damals sah man das aber noch anders und dieser Tatsache verdanken wir dann auch einige eher fade Folgen der Staffel wie "Der Namenlose" und "Allianzen". Allerdings spielen die Kazon auch eine bedeutende Rolle beim einzig durchgehenden Handlungsstrang um die Verräterin Seska und Chakotays angeblichen Sohn. Eine durchaus spannende Story, die schließlich auch im finalen Cliffhanger mündet, als die Voyager-Crew schließlich im "Kampf ums Dasein" ihr Schiff verliert und auf einem unwirtlichen Planeten ausgesetzt wird.
Viel interessanter als die Ersatz-Klingonen sind da aber schon die organklauenden Vidiianer, besonders in der gelungenen Holodeck-Folge "Lebenszeichen" mit einer Glanzleistung von "Doc" Robert Picardo. Weitere Highlights sind die interessanten Gedankenspiele in "Gewalt" und "Der Prototyp", zwei Episoden in denen einige Fragen nach dem Sinn und der Moral des menschlichen Lebens diskutiert werden und die einmal mehr beweisen, dass "Star Trek" bei diesem Thema eben oft ganz vorne steht, was intelligente Fernsehunterhaltung betrifft. Solide Spannung bieten Action- und Agentenstorys wie "Der Flugkörper" und "Der Verräter", eher gezwungen und aus der Storynot geboren scheinen die zu zahlreichen Geschichten, in denen es zwei gegensätzliche Charaktere wider Willen nahezu die ganze Episode hindurch zusammen aushalten müssen. Das haben wir hier gleich dreimal mit der Kombination Tom Paris/Neelix in "Der Höllenplanet", dem Team Tuvok/Neelix im passend betitelten "Tuvix" und dem Pärchen Janeway/Chakotay in "Entscheidungen".

Den recht selbstkritischen Staffelrückblick der Autoren hatten wir bereits erwähnt, doch auch bei den weiteren "Special Features" der Bonus-DVD wird diesmal mit Wahrheiten nicht hinter den schöngefärbten Berg gehalten. So gibt ein erst 2003 interviewter Tim Russ im "Zeitkapsel"-Porträit seiner Tuvok-Figur auch zu, dass er sich an Vieles gar nicht mehr so genau erinnern kann, da es für ihn schon eine "Ewigkeit" her ist. Und Brannon Braga streut Asche auf sein Haupt wenn er gesteht, dass "Die Schwelle" wohl die misslungenste und fürchterlichste all der von ihm geschriebenen Trek-Episoden sei. Diese Folge, in der sich Tom Paris in ein echsenartiges Wesen zurückentwickelt, sei aber doch nur einer von sehr wenigen Rohrkrepierern aus seiner Feder, erläutert Braga und fleht die Fans inständig an, ihn deshalb nicht mehr mit bösen Briefen zu bombardieren.
Zu finden ist dieser nette Einspieler in einem der diesmal zahlreich im Menu versteckten "Easter Eggs": Klickt man beim Durchsehen der "Special Features" auf die Abbildung der "Voyager", so blinken vereinzelt bestimmte Segmente des Schiffes auf und belohnen den Betrachter beim Anklicken mit einigen kleinen Filmchen. Wir entdeckten zumindest sechs dieser Kleinode, dabei u.a. auch ein komplettes Musikvideo des Hobbymusikers Tim Russ. Diese Extras heben dann die aktuelle DVD-Box von Paramount auch noch etwas von ihren Vorgängern ab, ansonsten bekommt man natürlich die gewohnte Qualität mit deutschem und englischem 5.1.-Ton und drei weiteren Sprachen.

Alles in allem war das zweite "Voyager"-Jahr kein wirklich Schlechtes, aber irgendwie fehlte noch etwas, so ganz mochte der Funke halt noch nicht überspringen. Ob dies bereits in der nächsten Staffel gelingen würde? Wir werden sehen….

Volker Robrahn