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Filmszene-Special: Interview mit "Walter Mitty"-Hauptdarsteller Ben Stiller

ben stiller 0Filmszene: Mr. Stiller, in Ihrem Film geht es darum, sich Träume zu erfüllen. Da ist es naheliegend zu fragen, was denn in dieser Richtung ihre eigenen Wünsche wären.

Ben Stiller: Diesen Film zu machen gehörte auf jeden Fall dazu und die Art wie wir es getan haben, auf digitale Hintergründe soweit es ging zu verzichten und dafür wirklich rauszufahren, nach Island und nach Afghanistan, das war schon ein ziemliches Abenteuer, denn die Gelegenheit dazu bekommt man heute nicht so oft . Ich bin aber sehr froh, dass wir es so gemacht haben, denn es passt zum Ton des Films und verleiht ihm hoffentlich das Gefühl von Realität. Einen Sonnenaufgang in Island kann man nicht simulieren.

Sie haben sich bei ihrer Fassung nicht sehr an der Erstverfilmung mit Danny Kaye orientiert.

Ich habe die auch nie komplett gesehen. Ich weiß, dass es sich dabei um eine klassische Musikkomödie aus jener Zeit handelt, die aber mit dem was wir erzählen wollten nicht allzu viel zu tun hat. Ich denke, die Tonalität unseres Films ist eine völlig andere, sicherlich etwas ernsthafter. Womit wir uns deutlich stärker an der ursprünglichen Kurzgeschichte orientieren, die auch in Amerika sehr bekannt ist, zumindest bei den Älteren.

ben stiller 1 Ein besonderer und aktueller Aspekt Ihrer Version ist der Blick auf den Niedergang von gedruckten Zeitungen und Magazinen. Beschäftigt Sie das?

Ich finde es ein wenig traurig. Denn ich mag „reale“ Dinge, wie eben schon erwähnt zum Beispiel das Filmen auf echtem Filmmaterial, aber auch eine Zeitung oder ein Buch in der Hand zu halten. Ich finde es wichtig, dass man Dinge zum Anfassen hat und auch dass diese irgendwie konserviert und aufbewahrt werden. So wie wir heute Dinge konsumieren wirkt es auf mich immer, als wenn sich kaum jemand noch wirklich Zeit dafür nimmt, es wird sich stattdessen jede Menge Information nebenbei und gleichzeitig aufgesaugt. Unser Film bezieht da ziemlich klar Stellung in eine andere Richtung. Zudem bin ich wohl grundsätzlich auch ein recht nostalgisch veranlagter Mensch. Vielleicht ist das aber auch eine zwangsläufige  Folge des Älterwerdens.

Letztendlich haben wir es hier mit einem Film zu tun, der uns zeigt wie jede Menge Leute gefeuert werden, was ja grundsätzlich erst mal nicht allzu inspirierend ist.

Das ist ein Punkt den wir nicht aussparen, ja. Die Technologie entwickelt sich weiter und dadurch werden dann bestimmte Berufe überflüssig. Wir zeigen aber, dass das was diese Leute tun oder getan haben schon wichtig ist und eine Bedeutung hat. Im Verlauf geht es dann darum sich dem zu stellen, sich weiterzuentwickeln, neue Aufgaben und Möglichkeiten zu entdecken. Der „Geist“ den Walter dabei zeigt und wie es  ihm gelingt, das finde ich durchaus inspirierend. Aus etwas Schlechten entsteht oft die Chance zu etwas Neuem, Gutem.

Wie persönlich steht die Figur des Walter Mitty ansonsten für den realen Ben Stiller? Sind Sie auch so träumerisch und poetisch veranlagt?

ben stiller 2Fast jedes Mal wenn man eine Filmfigur spielt kommt dabei die Frage auf, wie viel von einem persönlich darin steckt und das ist immer schwierig zu beantworten. Klar, selbst in einer Komödie gibt es immer ein paar Elemente die einem persönlich etwas bedeuten. Bei diesem Film ist es aber vor allem der visuelle Aspekt, der mir selbst sehr wichtig war. Es geht um Bilder und Fotos die etwas bedeuten, um zentrale Werke des 20. Jahrhunderts, die alle im „LIFE“-Magazin abgedruckt wurden. Dass was Walter Mitty zu Beginn ist, wie er sich dann verändert und auch die Welt wie er sie sieht sich wandelt, dass wollte ich vor allem mit Bildern erzählen, denn ich bin selbst auch vor allem ein visuell denkender Mensch. Das hier selbst so umsetzen zu können wie ich es mir vorstellte war dann auch der Hauptgrund dafür, dass ich schließlich selbst die Regie übernommen habe.

Es ist in der Tat ein sehr persönlich wirkender Film, der sich Zeit für die Erzählung nimmt und so vermutlich keine 100 Millionen Dollar an der Kinokasse einspielen wird.

Glauben Sie? Ich sage: Warum denn nicht? Wie das Publikum reagiert ist immer noch unvorhersehbar. Natürlich ist es ein gewisses Risiko, wenn man heute mit einem „kleineren“ Film ohne große Actionsequenzen an den Start geht, aber daran denke ich eher nicht wenn ich mich für ein Projekt entscheide. Eigentlich wird unser Film sogar immer kleiner, denn je mehr Walter zu sich selbst findet umso mehr verschwinden seine Tagträume, die wir ja vorher noch recht aufwändig inszeniert haben. Das ist doch auch mal ein origineller Ansatz, mir gefällt er jedenfalls und vielleicht geht es ja Anderen genauso. Na gut, ich hoffe natürlich, dass es Vielen genauso geht.

Volker Robrahn

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