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Filmszene-Special: Interview mit "Trance"-Regisseur Danny Boyle

Er ist ein Mann, der praktisch in allen Genres zuhause ist oder zumindest gerne immer Neue ausprobiert. Vom humorvollen Drogendrama "Trainspotting" über den zombieartigen Thriller  "28 Days Later" oder die SF-Welt von "Sunshine". Danny Boyle wiederholt sich nicht gerne, wurde für seinen "Slumdog Millionaire" mit mehreren Oscars ausgezeichnet und zeichnete zuletzt verantwortlich für die beeindruckende Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in London. Jetzt kommt er uns mit dem verschachtelten Thriller "Trance" und erklärte Filmszene im Interview, warum er im Grunde trotzdem immer die gleiche Geschichte erzählt.


boyle 1Filmszene: Ein neues Genre für Danny Boyle - darf man "Trance" im Bereich des Film Noir verorten?

Danny Boyle: Der Film ist schon ziemlich "noir", das kann man sagen, ja. Jedenfalls was die drei Hauptcharaktere und ihre zunächst nur schwer zu durchschauenden Motive angeht. Allerdings ist Rosario Dawsons Figur dabei nicht die klassische "Femme Fatale" was ihre Beweggründe angeht, sie ist nicht intrigant, zynisch oder "böse" weil es halt in ihrer Natur liegt sondern hat dafür ganz handfeste und konkrete Motive. Ihre Geschichte birgt wesentlich mehr echte Zerstörung und Leidenschaft als man es aus dieser Art Filmen kennt.

Geht es zu weit Rosario Dawsons "Elizabeth" als die eigentliche Hauptfigur des Films zu bezeichnen?

Überhaupt nicht, denn das ist sie definitiv. Nur schält es sich eben erst sehr spät heraus, denn zunächst sieht es nach James McAvoys Geschichte aus, er erzählt sie ja schließlich auch. Ich gebe zu, dass wir damit den Zuschauer ein wenig in die Irre führen, wie wir überhaupt bemüht waren ihn ständig mit allen möglichen kleinen Dingen zu "verführen". Es handelt sich aber tatsächlich um die interessanteste und vielschichtigste Frauenfigur die ich bisher inszeniert habe. Mein Dank geht dabei an die großartige Rosario Dawson, die sich an diese nicht einfache Rolle herangetraut hat und die in den letzten Jahren leider viel zu selten zeigen konnte was in ihr steckt. Rosario ist wunderbar.

Inwieweit sind die Hypnose-Szenen des Films noch in der Realität verankert?

Eigentlich sehr weit. Alles was wir zeigen ist tatsächlich möglich und kann einzelnen Personen passieren. Wir haben es nur auf einen sehr kleinen Kreis verdichtet, denn es sind in der Realität nur rund 5% der Menschen, die für diese Art Hypnose empfänglich sind, so reagieren und fast wie Puppen gesteuert werden können - aber es ist möglich. In den 70er Jahren wurden Ergebnisse aus der Hypnose sogar vor Gericht verwendet, was aber heute nicht mehr möglich ist. Wir haben unsere Hauptdarsteller das auch mal testen lassen, wobei sich vor allem Rosario dafür empfänlich zeigte, während das Ergebnis bei James McAvoy leider recht langweilig war, da ist rein gar nichts passiert was irgendwie für einen Film interessant wäre.

boyle 2Sie haben mit "Trance" begonnen, die Arbeiten am Film dann für die Olympischen Spiele unterbrochen und danach wieder aufgenommen - das ist keine übliche Vorgehensweise, oder?

Nein, das ist sogar höchst ungewöhnlich und wird eigentlich nie so gemacht, schon allein weil es die Verträge und Zeitpläne der Schauspieler gar nicht zulassen. Aber es ging in diesem Fall nicht anders, wobei wir immerhin die Dreharbeiten vor der Pause zum Großteil abgeschlossen hatten, die gesamte Nachbearbeitung des Materials aber erst viel später erfolgte - insgesamt hat die Arbeit an "Trance" somit zweieinhalb Jahre gedauert. Das war im Grunde ein ziemlicher Wahnsinn, aber ich hab mir halt die einzelnen Zeitfenster so zusammengestellt wie es dann irgendwie ging.

Ein paar Worte zur Arbeit an der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele, das war ja doch eine ziemlich gigantische Veranstaltung, wenn auch mit etwas britischem Humor aufgelockert.

Es war wie Disneyland. Ein riesiger Apparat, tausende Regeln und Kleinigkeiten die zu beachten waren und genauso viele Leute die irgendwie mitzureden hatten. Es war eine phantastische und einmalige Erfahrung, zweifellos. Aber auch einmalig in dem Sinne, dass ich so etwas nicht noch einmal machen möchte, so aufregend das auch alles war.

Also weiterhin lieber ganz neue und unterschiedliche Dinge ausprobieren?

Diesen Ruf habe ich ja und wenn man sich nur die äußeren Themen meiner Filme anschaut trifft es sicherlich zu, dass ich ständig die Genres wechsle. Aber neulich meinte mal jemand zu mir, dass ich im Grunde doch immer dasselbe zeigen würde, ob nun im Weltraum oder in Indien, in einer einsamen Höhle oder als globale Apokalypse: Alle meine Filme würden doch von jemandem handeln, der auf eine Aufgabe oder ein Hindernis trifft, dass praktisch unüberwindlich ist und es dennoch irgendwie schafft. Das muss dann nicht immer mit einer "feel good"- Auflösung enden, aber im Prinzip stimmt es wohl. Das ist eine ganz klassische Ausgangssituation und auch ich bin in der Hinsicht also gar nicht mal so originell wie ich vielleicht selbst immer dachte.

Ist es richtig, dass Sie etwas zum 20jährigen Jubiläum von "Trainspotting" planen?

Ja, der Film wird "T 2" heißen, so wir uns da mit James Cameron einigen. Aber im Ernst, ich spiele tatsächlich mit dem Gedanken noch einmal zu den Jungs zurückzukehren und zu schauen wie die zwanzig Jahre später aussehen. Meine erste Fortsetzung eines Films? Wer weiß...

Volker Robrahn

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