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Filmszene-Special: Interview mit Synchronsprecherin Franziska van Almsick

franzi 1Sie ist der wohl bekannteste deutsche Schwimm-Star der letzten Jahrzehnte und auch nach ihrer aktiven Karriere weiterhin regelmäßig im Fernsehen zu sehen. Desweiteren engagiert sich Franziska van Almsick sowohl in Sportverbänden als auch in sozialen Projekten. Was das konkret mit ihrer Arbeit als Synchronsprecherin im neuen Disney/Pixar-Film "Findet Dorie" zu tun hat erläuterte sie uns im Interview.

Filmszene: Franziska, ist die Lautsprecherstimme in „Findet Dorie“ Ihr erster Ausflug in die Synchronisation?

Franziska van Almsick: Nicht ganz, ich hab bei dem Film „Cars“ schon mal etwas für Disney gemacht. Das war aber nur eine sehr kleine Rolle als Journalistin. Es war also für mich keine komplett neue Erfahrung, ich wusste schon so ungefähr was mich erwartet.

Es ist aber eine sehr ungewöhnliche Rolle, denn während man sonst ja meist nur darauf spekuliert, dass die Zuschauer die bekannte Stimme auch erkennen, ist das hier keine Frage – Ihr Name wird mehrfach im Film genannt.

Ja, da hab ich mich zuerst selbst etwas erschrocken (lacht). Im Nachhinein fand ich es aber doch sehr lustig, auch weil ich den Film zusammen mit meinen Kindern angeschaut habe. Mir war dabei nicht klar, dass der Name tatsächlich so oft im Film erwähnt wird, selbst Dorie meint ja an einer Stelle „das hat die Franziska van Almsick gesagt“. Da bin ich dann schon ein wenig stolz und auch dankbar, dass mir die Chance gegeben wurde da auf diese Art mitzuwirken.

franzi 2Sie sind ja jemand, der im Wasser praktisch zuhause ist. Wie sehr beeindruckt Sie das was heutzutage bei der tricktechnischen Darstellung von Wasser alles möglich ist?

Das ist schon Wahnsinn, in der Tat. Man hat an vielen Stellen tatsächlich das Gefühl mitten drin zu sein oder das halt ein Korallenriff wirklich so aussieht. Das ist schon atemberaubend und macht den Film dann noch liebenswerter und spannender. Und es war natürlich ein Faktor dafür, dass ich schnell zugesagt habe als das Angebot kam. Wäre es um den Zoologischen Garten oder ein Vogelhaus gegangen, dann hätte ich da nicht so wirklich reingepasst. So mit der Wasserwelt ist es aber einfach eine schöne Idee, das passt zu mir und fühlt sich authentisch an.

Diese Synchronarbeit fällt dabei zusammen mit der Aktion „Deutschland schwimmt“, bei der Sie auch stark involviert sind.

Inspiriert von „Findet Dorie“ engagiert sich Disney mit der Kampagne „Deutschland schwimmt“ und will etwas bewegen und es lag wohl nahe, mich da dann mit einzubauen. Das Ganze passt ja auch wunderbar zu meinem Verein „für Kinder e.V.“, mit dem ich mich schon seit vielen Jahren für das Thema engagiere. Denn wer nicht Schwimmen lernt, der kann es halt auch nicht - was aber gefährlicher ist als etwa nicht Fahrradfahren zu können. Oft verlässt sich da aber einer auf den Anderen und am Ende des Tages wird dann leider versäumt, den Kindern richtig Schwimmen beizubringen.

Auch die Schule scheint da kein absolut verlässlicher Partner mehr zu sein.

Das ist leider so, ja. „Schwimmen“ war früher ein fester Bestandteil des Schulsports, aber dann hat man es Stück für Stück abgeschafft oder es würde zumindest sehr stiefmütterlich behandelt. Weil man der Meinung war, dass es nicht so wichtig ist wie etwa Deutsch und Mathe und auch Fremdsprachen lernen bekam einen höheren Stellenwert. Ich finde es aber wichtig, dass man möglichst schon im Kindergarten oder in den ersten Schuljahren Schwimmen lernt. Denn es ist ja eine recht anspruchsvolle Sache, bei der es sehr auf die Koordination von Armen, Beinen und Atmen ankommt. Schwimmen ist aber auch eine tolle Sportart, die man eben auch im fortgeschrittenen Alter noch gut betreiben kann – wenn man es denn mal gelernt hat.

Damit sprechen Sie die „Basics“ an, während Sie ja aber aus dem Leistungssport kommen. Wirkt sich die mangelhafte Grundausbildung denn nicht auch stark auf diesen aus, was ja zuletzt dazu führte, dass Sie bei den Olympischen Spielen in Rio praktisch jeden Tag die schwachen Leistungen der deutschen Schwimmer erklären mussten?

franzi 3Ja, das hängt schon zusammen, denn es werden halt immer weniger, die bereit sind den Weg in Richtung Leistungssport zu gehen. Es ist ja auch eine knallharte Sportart, sehr trainingsintensiv und ohne große Aussichten damit auch Geld zu verdienen. Du trainierst dann praktisch jahrelang täglich auf ein paar wenige Highlights hin. Im Tennis oder Fußball kannst Du auch mal ein Spiel vergeigen und das dann schnell wieder korrigieren. Beim Schwimmen aber gibt es nur wenige Höhepunkte und wenn Du dann einen schlechten Tag hast, war der ganze Aufwand umsonst. Da muss man schon eine gewisse Leidenschaft entwickeln und so war es halt bei mir der Fall, denn ich hatte nie den Plan damit meinen Lebensunterhalt zu verdienen oder gar eine Karriere darauf aufzubauen. Aber selbst das einfache Schwimmen steht ja in vielen modernen „Spaß“-Bädern oft gar nicht mehr im Mittelpunkt, da sind der Sprungturm und eine lange Rutsche viel wichtiger.

Das ist dann immerhin schon mal etwas, es gibt ja auch viele Kinder die in jungen Jahren praktisch gar nicht mit Wasser in Berührung kommen.

Und dabei helfen dann eben solche Aktionen wie diese in Verbindung mit Disney. Wenn so ein Konzern seine „Sympathieträger“ wie Dorie oder Nemo mit einbindet und dafür zur Verfügung stellt, dann motivieren diese Identifikationsfiguren ja vielleicht den Einen oder Anderen dazu, sich auch mal ins Wasser zu begeben. Und wer tatsächlich mal ein echtes, schönes Korallenriff sehen möchte, der muss halt Schwimmen lernen.

Volker Robrahn

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