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Filmszene-Special: Interview mit "Jurassic World"- Regisseur Colin Trevorrow

trevorrow 0Filmszene: Mr. Trevorrow, wie fühlt man sich, nachdem man einen 200 Millionen Dollar – Film gestemmt hat?

Im Moment freue ich mich darüber, einen Film fertiggestellt zu haben den ich  von ganzem Herzen liebe. Das ist wirklich wahr, ich liebe diese Reihe und es war mein Wunsch sie frisch und originell zu halten. Denn das ist nicht so einfach bei einer Marke wie dem „Jurassic Park“, hier kann man nicht wie etwa bei einer Marvel-Superheldenserie endlos ein neues Abenteuer an das Andere hängen. Denn im Grunde ist ja bei allen „Jurassic“-Filmen die Ausgangslage die Gleiche: Normale Menschen geraten in Kontakt mit diesen außergewöhnlichen Lebewesen und sie geraten dabei in Lebensgefahr.  Diese vorgegebene Prämisse muss man dann wieder neu mit Leben füllen.

Ist diesen Film gemacht zu haben denn so etwas wie die Erfüllung eines Jugendtraums für Sie?

Absolut, und es ist sehr aufregend zu erleben wie die Leute nun darauf reagieren. Überhaupt Filme machen zu können ist ja schon die Erfüllung eines Traumes, noch viel mehr dann natürlich einen wie „Jurassic World“ zu realisieren. Ich bin an die Sache allerdings weniger mit Kinderaugen als doch sehr ernsthaft herangegangen, denn die Größe der Aufgabe war mir jederzeit bewusst. Ich wollte dabei natürlich etwas Eigenes schaffen und nicht einfach Steven Spielberg kopieren. Was wahrscheinlich der Grund dafür ist, dass der Film nun ein wenig „verrückt“ geraten ist. Aber wir mussten einfach bis an die Klippe gehen und schauen was möglich ist.

trevorrow 1Hat Ihnen der große Schatten Spielberg denn bei der Arbeit über die Schulter geschaut?

Zumindest in der frühen Phase der Drehbucharbeit hat er das Projekt intensiv begleitet, ja. Wir haben ihm unsere Ideen vorgetragen, wie die eines Mannes der eine Beziehung zu Raptoren aufbaut oder die eines neuartigen Dinosauriers, der ausbricht. Anschließend haben wir  dann nächtelang die Details diskutiert und das ging über Monate. Bemerkenswert ist dabei, dass unser Ergebnis dann schon sehr genau den fertigen Film widerspiegelt, daran wurde anschließend kaum noch etwas geändert. Man sieht das auch daran, dass die Rohfassung des Films lediglich zehn Minuten länger ist als diejenige die nun in die Kinos kommt – wir wussten also sehr genau was wir wollten. Was eventuell eine schlechte Nachricht für alle diejenigen ist, die auf so etwas wie einen dreistündigen Director’s Cut hoffen.

Haben sie auch gemeinsam beschlossen, die Ereignisse der bisherigen Fortsetzungen, vor allem die des dritten Teils zu ignorieren?

Wir ignorieren sie zwar, aber wir negieren sie nicht. Es ist nur so, dass das was in Teil Zwei und Drei passierte keine besondere Relevanz für unsere Geschichte hat, da es eben auf einer anderen Insel geschah. Außerdem geht es in unserer Story um die Verwirklichung des ursprünglichen Traums von John Hammond in Teil Eins. Daher ergab es sich ganz natürlich, dass wir uns in erster Linie auf den ersten Film beziehen. Ein bisschen Fan-Service gibt es ja trotzdem zu sehen. Für die, die sich gut auskennen und daran Freude haben gibt es schon ein paar Anspielungen zu entdecken – und zwar zu jedem der drei Vorgängerfilme.       

trevorrow 2Wie groß war dabei Ihr Anspruch in dieses Fantasy-Abenteuer auch etwas Realismus einzubringen?

Machen wir uns nichts vor: Wissenschaftlich akkurat sind die von uns gezeigten Tiere natürlich in vielen Fällen nicht, weil es sich in erster Linie um einen Unterhaltungsfilm handelt. Aber es gibt schon Punkte bei denen wir das ursprüngliche Skript abgeändert haben. So sollte es zuerst gleich zwei Exemplare des „Indominus Rex“ geben, wir kamen aber zu dem Ergebnis, dass einer als Bedrohung völlig ausreicht. Ein synthetischer Saurier – alle anderen sind organisch.  Und was die Beziehung die die Figur von Chris Pratt zu den Raptoren aufbaut angeht, haben wir das Ganze soweit zurückgefahren, dass es im Rahmen des Glaubwürdigen bleibt.  Diese human-animalische Beziehung spiegelt in etwa das wieder, was echte Militärexperten aktuell auch gerade an Ergebnissen erzielen können – nur halt mit anderen Tieren. Es gab aber noch mehr Sachen, die im ursprünglichen, noch nicht von uns verfassten Drehbuch sehr weit hergeholt waren und die  wir komplett gestrichen haben.

Hatten Sie auch Phasen von schlaflosen Nächten oder gar Alpträumen während der Produktion?

Nur während der Drehbuchphase, da haben wir schon manchmal unsere Köpfe gegen die Wand geschlagen aus lauter Verzweiflung, danach nicht mehr. Das war in der Tat der schwierigste Part, die größte Herausforderung. Von dem Augenblick an, als wir das Skript fertig hatten lief eigentlich alles sehr glatt. Das Budget wurde eingehalten, wir hatten nur sehr wenige Nachdrehs und auch die ganze technische Umsetzung war letztlich nicht mit großen Schwierigkeiten verbunden, da wir eben genau wussten was wir haben wollten.

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Colin Trevorrow beim Interview mit Filmszene-Redakteur Volker Robrahn

Wobei man nicht sagen kann, dass entweder die mechanischen oder aber die digitalen Effekte schwieriger zu bewerkstelligen sind – das hängt immer davon ab, wie ausführlich man die jeweiligen Kreaturen zeigen und was für Geschichten man mit ihnen erzählen will.

Wenn der Film erfolgreich läuft werden unzweifelhaft Fragen nach einer weiteren Fortsetzung aufkommen. Doch wie kann man sich noch steigern, wie den „Indominus Rex“ noch einmal toppen?

Wir legen ja schon in diesem Film nicht unbedingt den Fokus darauf, dass unser Monster noch größer ist als alles bisher gesehene sondern eher auf dessen außergewöhnliche Intelligenz.  In der Tat wäre es schwierig dem Kreislauf von „immer größer und stärker“ zu folgen.  Wir werden uns also etwas Anderes einfallen lassen müssen und einen kleinen Hinweis zu einer möglichen Fortsetzung haben wir ja bereits in „Jurassic World“ gegeben – Stichwort „Embryos“.  

Volker Robrahn

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