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Filmszene-Special: Interview mit "Immer Ärger mit 40" - Regisseur Judd Apatow

Über die letzte Dekade hat Judd Apatow mit seinen stets etwas rüden, aber auch meist sehr originellen Filmen das Genre der Komödie für Erwachsene zu einem guten Teil neu definiert. Ob aus Männersicht einer „40jährigen Jungfrau“, den Schwierigkeiten eines Paares „Beim ersten Mal“ oder auch als Produzent einer  weiblichen Variante des Partyfilms in Form von „Brautalarm“. In seinem neuen Film „Immer Ärger mit 40“ widmet sich Apatow nun den Freuden und Leiden eines Paares im mittleren Lebensabschnitt. Im Interview mit Filmszene erzählt der Filmemacher auch von den persönlichen und realen Hintergründen seiner Geschichte.

apatow 1Filmszene: Judd, Sie sind an vielen Filmen in der einen oder anderen Form beteiligt, führen ja aber nur selten selbst Regie. Was hat Sie also an „This is 40“ so gereizt um auch wieder selbst zu inszenieren?

Judd Apatow: Es ist ja recht offensichtlich, dass in diesem Film und seiner Geschichte sehr viel eigenes Herzblut von mir drinsteckt. Und schließlich greife ich darin ja Figuren wieder auf, mit denen ich mich in meinem Film „Beim ersten Mal“ schon beschäftigt hatte – die wollte ich also ungern aus der Hand geben. Das worum es mir bei „This is 40“ ging, war aber eigentlich weniger die Handlung selbst als vielmehr die Beschreibung des Gefühls und der Emotionen, die man an diesem Zeitpunkt seines Lebens hat. Darum wie schnell die Zeit vergeht, wie man oft das Gefühl hat sie nicht für die richtigen und wichtigen Dinge zu nutzen. Und natürlich auch die Angst Dinge gegen die Wand zu fahren.

Und wie ist s dann einen Paul Rudd als einzigen „Fremdkörper“ mit ihrer gesamten eigenen Familie agieren zu lassen?

Nicht so ungewöhnlich, da Paul auch im realen Leben praktisch schon eine Art Familienmitglied ist. Die Kinder kennen ihn sehr gut und es gibt da keine merkwürdigen Gefühle bei. Ich war zwar früher auch mal selbst als Schauspieler aktiv, aber es war keine ernsthafte Alternative mehr deshalb diese Rolle selbst zu spielen, obwohl mich das auch schon Einige gefragt haben.

Warum eigentlich die Rückkehr zu diesen Nebenfiguren aus „Beim ersten Mal“, anstatt einfach völlig neue Charaktere zu nehmen?

Weil mir die Idee gefällt, bestimmte Figuren weiter zu verfolgen, auch oder gerade wenn dazwischen ein Abstand von fünf Jahren liegt und man sie in der Zwischenzeit nicht gesehen hat. Das finde ich sehr reizvoll, mal zu schauen wie haben die sich weiterentwickelt, wo stehen sie jetzt? Und um es ganz klar zu sagen: Eine Charakterstudie wie diese wäre mir vor fünf Jahren noch nicht möglich gewesen, da spielt schon stark die eigene Erfahrung und Entwicklung mit rein. Es kann also gut sein, dass wir Debbie und Pete in ein paar Jahren erneut irgendwo begegnen. Das Einspielergebnis, das für eine doch eher ernsthafte Komödie über erwachsene Leute recht gut war, würde mir jedenfalls schon erlauben damit weiterzumachen.

apatow 2Was ist denn Ihrer Meinung nach der Schlüssel für einen „erfolgreichen“ Film?

Ich bin der Überzeugung, es sind weniger die Schauspieler oder genauer gesagt, die Namen bekannter Stars, sondern eindeutig die Charaktere die man entwickelt. Also das Drehbuch und wie man aus tausenden von Einfällen dann etwas vernünftig Funktionierendes und interessantes zustande bringt. Wenn das Buch stimmt, dann sollte ein Regisseur anschließend eigentlich nicht mehr allzu viel in den Sand setzen können. Daher siedele ich die Kunst des Drehbuchschreibens für mich auch ein Stück höher an als die des Regieführens.

Wobei Ihre Filme ja grundsätzlich – jedenfalls für Komödienverhältnisse – immer recht lang geraten und nicht selten die Schallmauer von zwei Stunden durchbrechen. Warum ist das so, fällt es Ihnen schwer sich zu beschränken?

Das merkt man, was? Es gibt da ja dann bei den DVD-Veröffentlichungen auch oft von mir einen noch längeren „Director’s Cut“ und ja, es fällt mir nach wie vor schwer mich von Material zu trennen und lediglich die Überlegung wie viel man dem Zuschauer im Kinositz zumuten kann hält mich davon ab, noch längere Filme zu machen. Wobei ich aber eben auch der Meinung bin, dass schon eine gewisse Laufzeit nötig ist, um dafür zu sorgen, dass das Publikum die Figuren auch besser kennenlernen kann. Und dafür braucht man halt auch einige Szenen, die die Geschichte nicht unbedingt voran bringen, aber für die Charakterzeichnung wichtig sind.

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Filmszene-Redakteur Volker Robrahn beim Interview mit Judd Apatow

Wie kam es zu den fortwährenden „Lost"-Referenzen im Film?

Ich wollte auf jeden Fall eine TV-Serie einbauen mit der sich Sadie geradezu suchtmäßig beschäftigt, und da lag es nahe „Lost“ zu nehmen, weil meine Tochter Maude sich wie Sadie im Film die tatsächlich komplett innerhalb weniger Wochen reingezogen hat – was mich ziemlich sprachlos macht. Alternativen wären sonst meine persönlichen aktuellen Favoriten wie „Downton Abbey“ oder „Mad Men“ gewesen.

Sie spoilern im Film dann doch tatsächlich das Ende von „Lost“.

Und darüber haben sich in der Tat einige Leute beschwert, inklusive J.J. Abrams selbst, der mich deshalb angerufen hat. Aber ich konnte das nicht nachvollziehen und hab geantwortet „Come On, Mann, das ist doch lächerlich, worüber reden wir hier, das passierte vor mehreren Jahren.“ J.J. meinte aber „Das ist komplizierter, Judd“ und irgendwie scheint „Lost“ ja tatsächlich etwas Heiliges zu sein…

Was folgt als Nächstes, speziell an komplett eigenen Filmen?

Was das Regieführen betrifft kann ich dazu noch nichts Konkretes sagen, aber ich arbeite – wie eigentlich immer – ansonsten an einer Handvoll Projekte gleichzeitig. Großen Raum nimmt dabei zurzeit die Arbeit für „Girls“ ein, die TV-Serie, die Lena Dunham erfunden und mit mir zusammen weiterentwickelt hat. Dafür haben wir ja auch schon einige Preise gewonnen und ich möchte mich in der nächsten Staffel noch mehr einbringen und nicht nur Produzieren, sondern auch noch ein paar weitere Episoden schreiben.

Volker Robrahn

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