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Filmszene-Special: Interview mit "Flight"-Regisseur Robert Zemeckis

Wir verdanken ihm einige der prägendsten Filme der 80er und 90er Jahre. Von der „Zurück in die Zukunft“-Trilogie über „Roger  Rabbit“ bis zu „Forrest Gump“ und „Cast Away –Verschollen“  war Roger Zemeckis lange bekannt für spektakuläres Kino, bevor er ganz neue Wege beschritt und sich für eine Dekade der „Motion Capture“–Technik verschrieb. Nach Werken wie dem „Polarexpress“ und seiner Version der „Weihnachtsgeschichte“, kehrt Zemeckis nun mit „Flight“ zum Realfilm zurück und konnte in den USA auch sofort wieder einen Publikumserfolg sowie diverse Filmpreisnominierungen verzeichnen. Anlässlich der  Deutschlandpremiere des Films sprach Filmszene mit dem passionierten Filmemacher.

zemeckis 1Filmszene: Mr. Zemeckis, hatten Sie denn irgendwelche Schwierigkeiten sich wieder an diese andere, „altmodische“ Art des Filmemachens zu gewöhnen?

Robert Zemeckis: Du kannst mich einfach Bob nennen. Nein, überhaupt keine Probleme. Man muss halt nur wissen, wo die Beschränkungen liegen wenn man nicht mit digitalen Verfremdungen oder der dritten Dimension arbeiten kann. Aber die kann ich akzeptieren und den Umgang mit Schauspielern war ich ja schließlich auch die letzten Jahre gewohnt. Gut, das Wetter und die äußeren Bedingungen spielen natürlich eine viel größere Rolle.

Wie wichtig war oder ist für Sie denn die 3D-Technik?

3D kann einen Film deutlich aufwerten, aber eben nur wenn die Technik von vornherein zum Konzept gehört. Ein gutes aktuelles Beispiel dafür ist „Life of Pi“. Aber wenn jemand nach den Dreharbeiten einfach sagt „lasst uns den Film doch lieber in 3D konvertieren“, dann fragt man sich zurecht, warum man sich das ansehen soll, denn es hat keinen Wert.

Sie haben den Film weitgehend in chronologischer Reihenfolge der Szenen gedreht, was ja eher ungewöhnlich ist.

Ja, das war glücklicherweise möglich und so möchte man es eigentlich immer gerne machen, denn das ist einfach die beste und ergiebigste Art zu drehen. Nur meistens geht es halt nicht, aufgrund von Sets oder Schauspielern, die nicht durchgehend zur Verfügung stehen. Ein Problem, dass bei rein digitalen Filmen dann in der Tat nicht besteht.

zemeckis 2Was ist für Sie der schönste Teil des Filmemachens?

Das ist der finale Schnitt am Ende. Der ist sehr wichtig, entscheidend sogar. Erst da bekommt ein Film seine Form, seinen Rhythmus. Ich betrachte den Schnitt immer als eine Art Neufassung des Drehbuchs. Der Film wird dann noch einmal geschrieben, aber diesmal mit Bildern. Dabei muss man offen sein für neue Sichtweisen, aber auch bereit einiges an schönem Material zu opfern.

Eine der wichtigsten Szenen ist die, in der Whip Witaker schließlich im Hotelzimmer doch wieder zur Flasche greift. Ich habe gelesen, dass Sie die eigentlich als eine Art Collage drehen wollten, die mehrere Stunden der Nacht zusammenfasst. Wie kamen Sie dann aber auf die Idee, stattdessen nur diesen einen, entscheidenden Moment zu zeigen, der trotzdem so wirkungsvoll ist?

Ich muss bei jeder größeren Szene immer wissen wo ihr Anfang, ihr Zentrum und wo ihr Ende ist. Denn jede Szene ist ein Mini-Film für sich. Als es darum ging zu zeigen wie Whip seinen Rückfall erleidet, musste ich entscheiden, wie ich es inszenieren möchte. Wie viele der Drinks, die er in sich reinkippt zeigen wir, fünf oder zehn? Das wäre aber willkürlich gewesen und so hatte die Sequenz für mich keine logische Form, ich wusste nicht wie und wo ich sie beenden sollte. Es einfach trotzdem so zu machen, weil es halt am Naheliegensten ist, wäre aber schlechtes Filmemachen. Also kam ich zu dem Ergebnis: Wir müssen es dem Zuschauer gar nicht zeigen, es reicht wenn er das Ergebnis sieht.

Was ist für Sie demnach „gutes Erzählen“?

Gutes Erzählen bedeutet für mich eine, mindestens eine interessante Figur zu haben, an deren Schicksal und Entwicklung man als Zuschauer teilhaben kann. Eine gute Geschichte hat dabei stets Elemente der Tragödie in sich, meist aber zumindest auch einen Hoffnungsschimmer am Ende. Da lautet meine Philosophie „Solange man noch atmet, gibt es auch Hoffnung“.

zemeckis 3Auch der Musik kommt im Film eine große Rolle zu. Wenn es wild wird und die einzig halbwegs komische Figur in Gestalt von John Goodman auftaucht, ertönen zum Beispiel die „Rolling Stones“.

Mit den Stones kann man doch eigentlich nie etwas falsch machen, oder? Aber da hole ich mir meine Inspiration immer aus dem Drehbuch. Zur extrovertierten und lauten Figur von Goodman passten da nunmal die Stones perfekt. Whip dagegen hat kein eigenes Musikthema, er ist emotional viel zu leer und ausgelaugt dafür. Die Musik kommt nur von den Anderen.

Wie sieht es für die Zukunft aus, werden Sie versuchen zwischen der Inszenierung von realen und animierten Filmen zu wechseln?

Das würde mir gefallen, aber ob es so kommt ist völlig offen. Ich mache zwar gerne Beides, aber für viele Leute sind das leider immer noch zwei nicht vereinbare Welten, für viele gelten animierte Filme eben nicht als „echte Filme“. Das macht mich traurig und diese Unterscheidung macht auch wenig Sinn. Einen Film wie „Amazing Spider-Man“ betrachtet man als Realfilm, obwohl er zu 75% aus Animation besteht. Bilder sind einfach Bilder, die gut und wirkungsvoll sein müssen, völlig unabhängig in welche Kategorie man sie packt. Die Geschichte und die Charaktere sollten in der Realität verankert sein, aber für die Bilder ist das nicht zwingend nötig.    

Vielen Dank für das Gespräch, Bob.

Volker Robrahn

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