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Filmszene-Special: Interview mit "Dorie"-Sprecherin Anke Engelke

anke 1Die Arbeit im Synchronstudio ist für sie fast schon Routine, leiht sie doch nun schon seit mehreren Jahren "Marge Simpson" im Zeichentrick-Dauerbrenner "Die Simpsons" ihre Stimme. Einfach ist diese Aufgabe aber keineswegs, wie uns Schauspielerin Anke Engelke beim Interview zum neuen Disney/Pixar-Film  "Findet Dorie" erläuterte.

Filmszene: Anke Engelke, herzlichen Glückwunsch – nach dreizehn Jahren sind Sie zur Hauptfigur aufgestiegen!

Anke Engelke: Danke! Tja, nun ist es doch noch passiert. Es war zwar lange unklar, kam dann aber doch nicht so völlig überraschend. In den letzten Jahren habe ich dann und wann in die Show von Dories Originalstimme Ellen De Generes reingeschaut, in der sie gerne mal subtile Andeutungen gemacht hat, dass eine Fortsetzung nach langer Pause ja vielleicht doch nicht sooo undenkbar ist und man die entsprechenden Schauspieler vielleicht doch zusammenbekommen könnte.

Das heißt, Sie haben letztlich immer damit gerechnet, dass es doch noch dazu kommen würde?

Ja, in den letzten Jahren schon. Denn als wir vor drei Jahren nochmal die 3D-Version von „Findet Nemo“ rausgebracht haben, da gab es schon erste Andeutungen. Als dann aber klar war, dass der Film „Findet Dorie“ heißen wird, wurde mir natürlich bewusst, dass dann wohl etwas mehr Arbeit auf mich zukommt, mehr Stress, mehr Tage im Studio. Denn das Synchronsprechen ist und bleibt meiner Auffassung nach die anstrengendste Arbeit im Portfolio eines Schauspielers.

anke 2Was genau macht diese Arbeit so anspruchsvoll?

Es klingt sehr unromantisch, aber Synchronsprechen ist vor allem eine technische Herausforderung. Man merkt sich für die sog. Takes die kurzen Satzfetzen, starrt beim Sprechen auf den Mund der animierten Figur um synchron zu sein und dann muss natürlich auch noch gespielt werden. Und das alles zugleich zu machen ist schon eine Herausforderung. Wie immer ist das hier ein Film der nah an der Sprache der Zeit ist, allerdings eben an der englischen Sprache. Wie überträgt man das, damit es trotzdem passt, trotzdem lustig ist, was macht man mit einem doppeldeutigen Namen wie „Destiny“? Man geht natürlich davon aus, dass diejenigen die das Buch übersetzen ihren Job gut machen und es am Ende passt. Und das sind ja auch immer die Besten, wie in diesem Fall Katrin Fröhlich.

Welche Rolle spielt die Abgeschiedenheit im Studio dabei?

Für mich eigentlich keine, es würde mich auch nicht stören wenn noch zehn Leute dabei wären, ich finde das nicht schlimm, vor Publikum zu stehen. Bei „Findet Nemo“ war das sehr schön, dass ich auch ein paar Szenen mit Christian Tramitz gemeinsam einsprechen konnte, bei denen man sich dann schon ein wenig gegenseitig inspiriert. Das ist aber die Ausnahme, denn wenn nur einer mal seinen Einsatz verpasst oder etwas falsch betont müssen ja dann immer beide alles komplett neu aufnehmen. Deshalb ist die „Einsamkeit“ im Studio technisch absolut in Ordnung und auch sinnvoll. Und dass ich beim „walisch“ sprechen doof aussehe, das ist mir schon klar, macht aber nichts (lacht), das darf ruhig jeder sehen.

Kann man nicht sogar sagen, dass es in diesem Film im Kern darum geht, wie man mit einem behinderten Kind umgeht? Und wie man es schafft, ein solch ernstes Thema trotzdem so zu verpacken, dass es weiterhin ein Unterhaltungsfilm für die ganze Familie bleibt?

anke 3Ja, das stimmt schon und im Prinzip kann man das auch für den ersten Film sagen, denn darin ging es ja um den alleinerziehenden Vater eines Einzelkindes. In „Findet Dorie“ kommt jetzt die Frage hinzu, wie wir überhaupt „Famile“ definieren. Denn da lebt der Vater mit seinem Kind und nebenan lebt die Freundin – wessen Freundin und was ist das für ein Konstrukt? Ich sage dann immer: Es ist nicht wichtig, wie wir das Ganze benennen, sondern dass alles in Ordnung ist, was sich gut anfühlt. Dazu so überraschende neue Figuren wie die Krake Hank: Erkennen wir, was diese Figuren möchten und warum sie so denken und handeln wie sie es tun? Wer kann wie helfen? Das sind für mich die entscheidenden Fragen und da geht der zweite Film in der Tat nochmal ein Stück weiter.

Ist diese zweite Ebene bzw. das grundsätzlich hohe Niveau einer Geschichte für Sie mitentscheidend bei der Rollenauswahl?

Klar, das ist eine schöne Zugabe und erhöht natürlich das Vergnügen mitzumachen. Aber ich wurde tatsächlich schon gefragt, ob ich den Film denn abgelehnt hätte, wenn das neue Drehbuch mir nicht so gut gefallen hätte. Häh? Abgesagen? Ich? Ich habe nach „Findet Nemo“ unglaublich viel Lob und Anerkennung eingesackt, dabei bin ich gerade mal die deutsche Stimme. Ich hab nur gesprochen, bin also null für die Qualität des Films verantwortlich. Nein, ich hätte natürlich nicht abgesagt und habe mich außerdem darauf verlassen, dass diese Leute wissen was sie tun. Erst recht, nachdem ich John Lasseter und Andrew Stanton bei der Premiere des ersten Teils persönlich kennengelernt habe.

Aber führen solche „Rosinen“ – selbst wenn man nur die Stimme ist - nicht auch dazu, dass man selbst anspruchsvoller wird, wenn man sieht welch hohe Qualität grundsätzlich möglich ist?

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Filmszrene-Redakteur Volker Robrahn beim Interview mit Anke Engelke

Es gibt nunmal nicht nur Rosinen. Aber letztlich definiert die auch jeder anders. Wenn ich mit Leuten unter Dreißig oder Zwanzig spreche, dann begegnet mir da oft eine andere Welt, da dreht sich viel um Social Media und vor allem: Tempo! Da merke ich dann: nix für mich, ich möchte einen Film nicht auf einem Smartphone gucken, ich möchte dafür ins Kino gehen, denn abgesehen davon, dass Filmemachen ein Kunst ist, werden Filme für die Leinwand gemacht, nicht für die Hosentasche. Das ist ein Luxus, wenn ich Dinge absage, für die mir meine Lebenszeit einfach zu schade wäre.

Zum Abschluss noch die Frage, was für Sie ansonsten an aktuellen Projekten ansteht?

Ich drehe Ende des Jahres den zweiten Teil eines Polit-Thrillers unter der Regie von Sherry Hormann, in dem ich eine Journalistin spiele. Das ist ein sehr aktueller Film, in dem es um das Thema TTIP-Wirtschaftsabkommen und einen fragwürdig agierenden Düngemittelkonzern geht. Interessant, wie bei „Findet Dory“ sind mir Thema und Rolle wichtiger als meine Wirkung. Im Anschluss an eine Szene schaue ich nie auf den Monitor, weil ich gar nicht wissen möchte, wie das aussieht, was ich da gemacht habe. Das fänd ich schwierig, denn dann würde ich mich ja ständig damit auseinandersetzen, wie ich zb ein Gefühl darstelle und herstelle. Hilfe! Da ist mir das Vertrauen in die Regie und das Buch viel wichtiger.

Volker Robrahn

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