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Filmszene-Special: Interview mit "Die Entdeckung der Unendlichkeit" - Drehbuchautor Anthony McCarten

 

a mc plakatEr ist derjenige, der das Projekt anstieß und es schließlich mit großer Ausdauer Wirklichkeit werden ließ. Es brauchte mehrere Jahre und viele Gespräche, bis sowohl Stephen Hawking selbst, als auch vor allem seine Exfrau ihr Einverständnis zur Verfilmung von Jane Hawkings autobiographischem Buch gaben. Filmszene sprach mit Anthony Mcarten, dem Drehbuchautor und Mitproduzenten von „Die Entdeckung der Unendlichkeit“ in einem exklusiven Interview über den Film und sein besonderes Verhältnis zu den beiden Hawkings.

 

Vielen Dank für die Aufklärung, Mr. McCarten! Wie vermutlich viele andere Leute auch, war mir zwar der Name „Stephen Hawking“ seit langem bekannt, doch nach dem Anschauen von „Die Entdeckung der Unendlichkeit“ wurde mir erst bewusst, wie wenig ich bisher über seine Geschichte und Entwicklung wusste.

Anthony McCarten: Es ist tatsächlich so, dass die meisten Menschen gar nicht wissen, dass Stephen Hawking drei Kinder hat. Und viele glauben auch, dass er schon sein ganzes Leben lang im Rollstuhl sitztt, weil sie ihn stets nur so gesehen haben. Und  zudem halten ihn die allermeisten auch noch für einen Amerikaner!

a mc 1Dann war es vielleicht wirklich Zeit seine Geschichte etwas bekannter zu machen. Eine Erfahrung, die ich vermutlich auch mit vielen anderen teile, ist der gescheiterte Versuch sein berühmtes Standardwerk „Eine kurze Geschichte der Zeit“ nicht nur zu lesen sondern auch zu verstehen. Obwohl dafür mit dem Satz „Die Geschichte des Universums, jetzt auch für Laien verständlich erklärt“ geworben wurde, habe ich damals nach rund fünfzig Seiten kapituliert und kam einfach nicht mehr mit.

Oh, das verdient dann durchaus ein Lob, bis Seite Fünfzig zu kommen spricht sogar für einen ganz ordentlichen IQ.  Ich habe es zwar komplett gelesen, aber das bedeutet keinesfalls dass ich es deshalb auch wirklich verstanden hätte. „Eine kurze Geschichte der Zeit“ gehört vermutlich zu den  meistgekauften ungelesenen Büchern aller Zeiten. Es behandelt allerdings sehr zeitlose Themen und mit dem Besitz dieses Buches zeigt man wohl auch gerne, dass man sich für diese interessiert – was ja an sich nichts Schlechtes ist.

Sie haben ja in Ihrem Drehbuch größtenteils darauf  verzichtet, allzu komplexe wissenschaftliche Theorien zu präsentieren sondern legen den Fokus eindeutig auf die persönliche Geschichte des Ehepaars Hawking. War das von vornherein eine bewusste Entscheidung um das Publikum nicht zu überfordern oder gar zu verschrecken?

Nun, viele von Stephens Entdeckungen und Theorien sind halt eher obskur und für den Laien kaum nachvollziehbar. Ich habe mich daher an der einen oder anderen Stelle um eine Art filmische Metapher bemüht, zum Beispiel bei den Ausführungen zur Beschaffenheit eines „Schwarzen Lochs“.  Aber das war natürlich eine der Herausforderungen bei diesem Stoff, anhand von Erbsen und Kartoffeln etwa den Unterschied zwischen Quantenmechanik und der Relativitätstheorie von Einstein zu verdeutlichen.  Oder den Blick aufs Kaminfeuer als Initialzündung für eine entscheidende physikalische Idee zu verwenden. Ziel war es dabei natürlich immer, das Ganze für den interessierten, aber wissenschaftlich vermutlich eher unbedarften Zuschauer unterhaltsam und verständlich zu gestalten.

a mc 2Der Film konzentriert sich auf die erste Lebenshälfte von Hawking und endet mit der Trennung von seiner Frau. War ein noch größerer Zeitrahmen angesichts der Laufzeit eines Kinofilms nicht zu bewältigen?

Es handelt sich immerhin um eine Periode von gut 25 Jahren und beinhaltet die Zeit, in der Hawking seine wichtigsten Entdeckungen machte. Ich wollte mich auch auf eine große Liebesgeschichte konzentrieren und nicht gleich noch eine weitere mit unterbringen. Und schlussendlich handelt es sich ja auch um eine Art Adaption der Biographie von Jane Hawking und die setzt dann fast zwangsläufig diesen zeitlichen Rahmen.

Welchen Einfluss hatten sie auf die Wahl der Darsteller und wie haben Sie reagiert, als Sie dann das erste Mal Eddie Redmayne in seiner Rolle gesehen haben?

Als Mitproduzent des Films war ich schon in alle wichtigen Entscheidungen eingebunden. Als Eddie mit seinen ersten Szenen anfing wussten wir zwar, dass er wohl ziemlich gut sein würde, denn deshalb hatten wir ihn ausgewählt. Aber was und nicht  klar war, war wie spektakulär gut er tatsächlich sein würde. Denn das ist er und umso bemerkenswerter ist es, dass Felicity Jones in ihrer Rolle als Jane dagegen keinesfalls verblasst. Die hatte die schwere Aufgabe, eine Frau zu verkörpern die sowohl verletzlich, als aber auch gleichzeitig sehr stark ist – stärker als es ihr selbst bewusst ist. Eddie hat hier naturgemäß die Rolle, welche die große öffentliche Aufmerksamkeit erhalten wird, aber man sollte die Leistung von Felicity dabei bitte nicht übersehen.

Was ja im Grunde die reale Geschichte widerspiegelt, in der auch stets Stephen im Scheinwerferlicht der Öffentlichkeit stand, während man über Jane nicht viel wusste.

Das stimmt und deshalb handelt es sich hier auch nicht um ein typisches Biopic sondern eher um das Beschäftigen mit den großen, universellen Themen der Liebe und des Lebens. Beides verläuft nämlich nicht gerade und planbar sondern meist sehr chaotisch und genauso ist es eben mit dem Universum an sich – das war die Metapher die mir dabei immer vorschwebte. Daher ist unser Film auch eher von Janes Buch inspiriert und weniger eine direkt Verfilmung.

a mc 3Sie haben vor allem mit Jane oft gesprochen und es hat einige Jahre gedauert, bis der Film konkrete Gestalt annahm. Aber das Interesse haben sie zwischendurch nie verloren?

Nein, auch wenn es eine lange Reise von zehn Jahren war seit ich Janes Buch gelesen habe. Sie wollte mir die Filmrechte zunächst nicht geben, erlaubte mir aber ein Drehbuch zu verfassen, mit der Zusage es zu lesen und dann erneut mit mir zu sprechen. Sie hatte dann wohl den Eindruck, dass ich es wirklich ernst meinte und mich bemühte etwas mit Seele und Poesie zu verfassen. Aber sie musste dann auch noch ihr Okay für das gesamte Team geben – was sie schließlich getan hat, aber das brauchte halt seine Zeit.

Dann interessiert mich jetzt natürlich auch die Reaktion von Stephen Hawking auf den fertigen Film.

Er hatihn gesehen, wir haben eine Sonderführung in einem kleinen Kino gemacht. Ich habe Stephen vorgewarnt, dass es sich nicht um eine exakte, dokumentarische Wiedergabe seines Lebens handelt sondern um eine filmische Aufbereitung. Er meinte nur, „Mir ist schon klar, wie das fürs Kino gemacht werden muss“ und dann schaute er den Film und hatte als danach das Licht wieder anging tatsächlich ein paar Tränen in den Augen. Und sprach in seinen Computer „größtenteils wahr“. Das empfinde ich als Kompliment.

Volker Robrahn

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