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Filmszene-Special: Interview mit "Der Marsianer" - Regisseur Ridley Scott

ridley s oSie enthält beileibe nicht nur große Erfolge, aber die Filmographie von Ridley Scott gehört sicher zu den beeindruckendsten eines noch aktiven Regisseurs überhaupt. Seit seinem Durchbruch mit „Alien“ und den erst mit Verzögerung zum Kultfilm aufgestiegenen „Blade Runner“ bewegt sich der Filmemacher in den unterschiedlichsten Genres, mit „Gladiator“, „Königreich der Himmel“ oder zuletzt „Exodus“ widmete er sich dabei aber immer wieder dem historischen Monumentalfilm. Doch auch in die Science-Fiction Welt zieht es ihn immer wieder zurück, nach dem „Alien“-Ableger „Prometheus“ und vor der angekündigten „Blade Runner“-Fortsetzung kommt nun die Buchverfilmung „Der Marsianer“ in die Kinos. Zum Start des Films sprach Filmszene mit dem mittlerweile 77jährigen Regisseur, der noch keinerlei Ermüdungserscheinungen zeigt.

 

Filmszene: Mr. Scott, wenn Sie sich in den Weltraum bewegen, befinden sich dort sonst auch stets ein paar schreckliche Monster. Nicht so in „Der Marsianer“ – was faszinierte sie also an dieser Geschichte?

Ridley Scott: Die Geschichte selbst ist ein Monster! Sie funktioniert auf mehreren Ebenen, hat wundervolle Charaktere, einen wunderbaren Schauplatz und viel Action. Aber am Ende läuft es auf die sehr emotionale Erkenntnis hinaus, dass jeder den anderen braucht, dass wir alleine gar nichts sind – das ist meine heutige Message. In unserem Film arbeiten selbst die großen Weltmächte zusammen zwischen denen sonst eine gewaltige Spannung herrscht. Die Aussage dabei: Pfeif auf die Politik, wir müssen einander helfen!

ridley s 1Wie sehr verändert sich ein Mensch unter extremen Druck, wenn er verzweifelt um sein Leben kämpfen muss?

Das hängt natürlich von der jeweiligen Situation ab. Haben Sie „Everest“ gesehen? Das ist ein Beispiel für „härter kann es nicht werden“ und wenn man so eine Situation überlebt, dann macht das sicher etwas mit der eigenen Persönlichkeit. Bei unserem „Marsianer“ ist es so, dass der vermutlich nie wieder den Drang verspürt noch einmal dorthin zu gehen, aber durch die Erfahrung die er gemacht hat, ist er doch von einem gewissen Wert. Nicht nur für die NASA, auch für das kollektive Gedächtnis der Menschheit. Solche Extremsituationen braucht es leider oft um einem klarzumachen wie wertvoll das Leben ist. Daher sollte man es viel mehr schätzen und glücklich sein wenn man einfach nur gesund ist.

Trotz der eigentlich sehr ernsten Geschichte besitzt der Film eine bemerkenswerte Dosis an Humor und Comedy-Einlagen. Was nicht nur für das SF-Genre allgemein eher ungewöhnlich ist sondern im Grunde auch für Ihre Filme. Warum sind Sie das Thema so angegangen?

Weil der Humor genauso in der Vorlage enthalten ist! Wenn Sie das Buch von Andy Weir lesen werden Sie feststellen: Dieser Typ ist witzig! Und ja, das erwartet man nicht unbedingt vorher und es gibt im Buch auch jede Menge wissenschaftliches Fachvokabular. Aber die Mischung ist es, die den Erfolg ausmacht, einen Erfolg den er selbst kaum fassen konnte, da er dieses Buch ja zuerst nur Kapitel für Kapitel online veröffentlicht hat, da sich kein Verlag dafür fand. Irgendwann kam dann aber eine gewisses Momentum auf und als die 20th Century Fox schließlich mit dem Filmangebot kam, konnte Weir das gar nicht fassen und er lacht sich heute noch tot über die Entwicklung die das Ganze genommen hat. Er ist wirklich ein sehr amüsanter Typ…

ridley s 2Wie kamen Sie dann zu dem Projekt?

Ursprünglich hat Drew Goddard das Drehbuch für sich selbst verfasst, dann wollte er sich aber lieber einer neuen Comicverfilmung widmen. Ich habe daraufhin sofort zugegriffen und ihm versichert, er würde den Film nicht wieder von mir zurückbekommen wenn er ihn jetzt freigibt. Er ist aber mit dem finalen Ergebnis jetzt sehr zufrieden.

Ist es denn nötig oder überhaupt sinnvoll, dass sich Menschen auf den Mars begeben?

Gute Frage. Aber ist es nötig oder sinnvoll, dass Menschen in Formel 1-Rennwagen im Kreis umherfahren? Die behaupten ja immer, das Ganze sei für die technische Entwicklung der Autos von großer Bedeutung. Und so ist es wohl auch bei der Weltraumforschung. Die verschlingt zwar Unsummen an Geld, aber allein die wissenschaftlichen Erkenntnisse die man bereits aus all der vorbereitenden Arbeit zieht, bevor man überhaupt zum Mars geflogen ist die sind offenbar immens. Obwohl eine Landung dort vermutlich erst in Jahrzehnten möglich ist, da einfach noch zu viele Probleme überwunden werden müssen.

Es gab schon öfter mal einen sehr bemerkenswerten „Director´s Cut“ von Ihren Filmen, zuletzt allerdings seltener. Wird es vom „Marsianer“ denn noch eine verlängerte Fassung zu sehen geben?

Das würde sich fürs Kino kaum lohnen, denn die „Langfassung“ ist gerade mal zwanzig Minuten länger als die jetzige Kinoversion. Auf der DVD wird es dieses Material dann aber zu sehen geben. Es handelt sich dabei vor allem um Szenen von Marks Weg zum weit entfernten Krater, für den er ja Monate braucht. Das wollte ich eigentlich länger zeigen, aber es hat den Film dann doch zu sehr verlangsamt und trägt nicht unbedingt viel zur Geschichte bei.

Sie haben auch keinerlei Scheu oder Bedenken mehr gegenüber der digitalen und der 3D-Technik?

Nein, ich weiß, dass es immer noch prominente Kollegen wie Chris Nolan oder Steven Spielberg gibt die davon nicht viel wissen wollen, aber ich gehöre nicht dazu. Bei "Prometheus" habe ich endgültig aufgehört klassisches Filmmaterial zu benutzen und bin zum rein digitalen Arbeiten gewechselt. Und ich möchte auch nicht mehr zurück. Wenn Du heutzutage die Kinos mit einem Print aus Zelluloid bestücken müsst, brauchst Du ja bei einem großen Film 15.000 Exemplare davon und jeder Einzelne davon ist leicht unterschiedlich. 15.000 Stück, im Ernst? ridley s 3Meine digitale Version dagegen sieht immer gleich aus und zwar ganz genau so wie sie sein soll, ohne äußere "physische" Einflüsse. Ich sehe da also ausschließlich Vorteile. Und die 3D-Technik bot sich beim "Marsianer" doch allein schon für die prächtigen Landschaften an, die wir zeigen wollten.

An was für eine Art Zukunft glauben Sie den eher, an eine fortschrittlich-positive oder eher an die negative Dystopie?

An die Dystopie, fürchte ich. Weil es das ist was bereits passiert, oder? Sicher geht es nicht komplett in die Richtung die wir in „Blade Runner“ gesehen haben, aber was die Herrschaft durch einige wenige Konzerne angeht lagen wir da nicht so verkehrt. Technologisch sind wir allerdings weiter als gedacht und meine Hoffnung ist, das uns die Technik vielleicht den Arsch retten kann.

Sie sind an der kommenden „Blade Runner“-Fortsetzung beteiligt, aber Sie werden dabei nicht selbst Regie führen?

Nein, aber ich habe mich ziemlich intensiv mit dem Thema beschäftigt in den letzten 1-2 Jahren. Und meine Antwort auf die Frage, ob ich denn überhaupt eine Idee für eine Fortsetzung hätte lautete irgendwann „ja, die habe ich“. Was das Drehbuch angeht bin ich aber der Auffassung, dass niemand Anderes als mein alter Kollege Hampton Fancher es schreiben sollte, von dem auch das Buch zum alten Film stammt. Ich selbst habe eine Art „Novelle“ von 110 Seiten Länge verfasst und gemeinsam haben wir das Ganze dann zu dem entwickelt was jetzt das Drehbuch werden soll. Das beinhaltet dann die Rückkehr von Harrison Ford und als weiteren Hauptdarsteller Ryan Gosling.

ridley s 4Mögen Sie denn gerne Fortsetzungen drehen?

Nicht wirklich, nein. Normalerweise reizt es mich nur wenig eine Straße ein weiteres Mal runter zu fahren. Die eine Ausnahme ist das „Alien/Prometheus“-Thema, weil wir einfach noch erklären wollen, was die Aliens sind und warum das Original-Schiff das wir in „Prometheus“ gesehen haben ein reines Kriegsschiff war, gebaut zum Zwecke der Zerstörung. Und ja, es wird irgendwann einen direkten Anschluss an den ersten „Alien“-Film geben, aber das könnte eventuell auch noch ein bis zwei weitere Filme benötigen. Der zweite Fall ist dann eben „Blade Runner“, weil wir wirklich überzeugt sind, eine tolle Idee für eine neue Geschichte zu haben. Und auch Harrison meint, es sei das beste Buch das er je gelesen hat.

Denken Sie denn grundsätzlich viel über den weiteren Verlauf Ihrer Karriere nach?

Nein, überhaupt nicht. Schauen Sie, ich wurde damals gegrillt für Filme wie "Legende" oder sogar "Blade Runner". Wie kann man denn für "Blade Runner" fertig gemacht werden? Wenn ich mich damals so sehr gegrämt und aufgehört hätte.... Nein, ich denke über die öffentliche Rezeption nicht mehr groß nach. Ich mache einfach immer weiter und halte mich dabei an den wohl besten Slogan den die Werbeindustrie je erfunden hat: „Just do it!“

Volker Robrahn

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