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Filmszene-Special: Interview mit den Darstellerinnen aus "7 Göttinnen"

7 g 0Der genauso unterhaltsame wie gesellschaftskritische indische Film „7 Göttinnen“, der unter Anderem auf dem Festival von Toronto für Furore sorgte, kommt nun auch in die deutschen Kinos und ein Großteil der Hauptdarstellerinnen reist dafür sogar quer durch Deutschland um ihn zu präsentieren. In Hamburg sprach Filmszene-Redakteur Volker Robrahn mit fünf der laut Filmtitel „wütenden Göttinnen“, die sich aber erwartungsgemäß sehr friedlich und freundlich gaben.

 

Bei der Reise in mehr als ein Dutzend deutsche Städte sind sie überall warm empfangen worden erzählt Anushka Manchanda, trotzdem hat der Hamburger Hafen nochmal einen besonders bleibenden Eindruck hinterlassen, vor allem bei Amrit Magheera, die als halb-Britin eine natürliche Verbundenheit zum Wasser aufweist. Dass sie auch im Film mit britischem Akzent spricht ist wenig überraschend, doch unterhalten sich auch alle anderen dort in einem ständigen Mix aus englischer und der in Indien am weitesten verbreiteteten Sprache Hindi. „Dafür gibt es sogar einen speziellen Namen, nämlich „Hinglish“ meint Amrit. „Es hängt natürlich davon ab, wo man hingeht, aber grundsätzlich ist die englische Sprache schon noch sehr verbreitet und wird von den Meisten in Indien gesprochen, auch von den einfacheren Leuten.

7 g in 1Viele Schulen lehren auch zum Teil in Englisch und je nachdem in welcher Region man sich befindet gibt es dort dann noch den jeweiligen Mix aus regionaler und englischer Sprache“, ergänzt Sarah-Jane Dias, die als „Freida“ die Rolle im Film spielt, die man wohl am Ehesten als Hauptfigur bezeichnen kann. Sarah ist auch eine der Beiden, die bereits etwas größere Filmerfahrung vorweisen kann, vor allem Amrit betont aber noch einmal, wie sehr sich „7 Göttinnen“ doch von der gängigen Bollywood-Ware unterscheidet. „Unser Film ist weit vom indischen Mainstream entfernt, er stößt an verschiedene Grenzen vor im Hinblick auf das was man sich zu erzählen traut. Ich bin sehr stolz Teil dieses Projektes sein zu dürfen, denn wir repräsentieren damit den anderen Teil der Filmindustrie, nicht die typische Sing- und Tanznummer sondern eine etwas realistischere Sicht auf die Dinge. Und das ist schon sehr fortschrittlich, für Bollywood-Verhältnisse.“ Was „7 Göttinnen“ aber noch mehr abhebt vom Rest sei die Tatsache, dass man beim unserem Film eben überhaupt nicht sagen kann, ob er nun eine Komödie, ein Drama oder sonst was sein soll – denn er ist ja ein wenig von Allem“ meint Pavleen Gujral. Ihre Kollegin Anushka Manchanda ergänzt: „Und genau so ist es doch auch im echten Leben – man ist weder nur traurig oder ständig gut gelaunt, alles ist im Wechsel und vieles passiert gleichzeitig und das war auch die Herangehensweise an diesen Film, ein gewisse Art von Anarchie.“

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Filmszene-Redakteur Volker Robrahn mit 5 Göttinnen beim Interview

Entsprechend lief dann auch der Besetzungsprozess, berichtet Rajshri Deshpande. „Das war eigentlich gar kein richtiges, klassisches Casting in dem wir eine Rolle spielen sollten sondern mehr eine Unterhaltung über das Leben an sich. Wir hatten dann zu vielen Szenen im Film auch kein fest vorgegebenes Skript sondern durften viel improvisieren.“ Das erstaunt schon deshalb nicht, weil im Grunde drei der fünf hier versammelten Darstellerinnen zuvor keine professionelle Schauspielkarriere betrieben haben. „Unser Regisseur wusste natürlich genau worauf die Geschichte hinausläuft, wir selbst hatten aber keine Schimmer“ ergänzt Sarah und lacht herzhaft. Auch auf die kritische Anmerkung, dass bei der Menge an Handlungssträngen nicht jeder davon auch wirklich auserzählt wird verweisen die „Göttinnen“ auf das reale Leben. „So ist das nun mal wenn sieben Frauen mit so unterschiedlichem Background zusammenkommen. Jede hat natürlich ihre eigene Geschichte, ihre eigenen Nöte und Probleme, aber nicht allen davon wird von den Anderen gleich viel Aufmerksamkeit geschenkt. Einige treten in den Vordergrund, anderes bleibt eher unter dem Teppich“, meint Amrit. „Man kann ja schließlich keine sieben Stunden-Film daraus machen, sagt Pavleen und erklärt: „Es ist einfach so, dass das größte Problem dem sich die Frauen zur Zeit gegenübersehen die sexuelle Gewalt ist. Wenn das passiert, dann gerät alles andere in den Hintergrund, dann spricht keiner mehr über seinen nervigen Job oder sonst was. Denn dieses Thema überlagert alles, wenn es einen trifft. Gerade diese Problematik ist ja auch durchaus in vielen deutschen Medien Thema gewesen und man kann sich vorstellen, dass es da im Heimatland vielleicht nicht nur positive Reaktionen auf einen Film gab, der genau dieses Thema noch weiter in die Welt hinausträgt.

7 g in 2 „Es gab vor allem eine Institution, die uns Probleme bereitet hat“, berichtet Sarah „und zwar die Zensurbehörde. Die wollte den Film zuerst komplett verbieten, dann wurden unsere Produzenten angewiesen exakt 18 Schnitte vorzunehmen, aber am Ende und nach vielen Gesprächen einigte man sich darauf, nur einige anzügliche Worte zu entfernen und es gibt genau eine Szene, die auf Anweisung herausgeschnitten wurde. Dabei ging es dann darum, dass die Frauen sich nicht in betrunkenem und rauchendem Zustand mit der Göttin Kali vergleichen sollten, das sei nicht akzeptabel. Eine Beschränkung aus religiösen Bedenken also, nicht aus gesellschaftspolitischen.“ Vom Publikum gab es zu all den heiklen Punkten aber ausschließlich positive Reaktionen weiß Pavleen. „Da kam sehr viel Feedback in der Form, dass das alles schon sehr realistisch sei. Und der Film hat auch Wirkung gezeigt, er ist natürlich nicht allein dafür verantwortlich, aber doch mit ein Grund dafür, dass immer mehr Frauen aufstehen und die sexuelle Gewalt zum Thema in den Nachrichten wird.“

Aber eine Sache sollte man dabei auf keinen Fall vergessen, meint Sarah: „Diese Dinge passieren ja nicht nur in Indien, sie kommen auf der ganzen Welt vor.7 g me 2Das ist auch die Erfahrung, die wir bei unseren Reisen gemacht haben, wenn wir mit anderen Menschen sprechen. Nicht nur was dieses eine Thema angeht sondern auch andere Probleme, wie die Schwierigkeit sich ohne Makel scheiden zu lassen, Homosexualität oder die Benachteiligung von Frauen im Berufsleben. Und das dies eben oft unterschwellig geschieht, vieles wird ja nicht offen ausgesprochen, so wie zum Beispiel bei dem Polizisten in unserem Film". Wobei es vor allem Anushka wichtig ist auf einen anderen Aspekt hinzuweisen: „Auch wenn es bei uns in Indien wirklich massive Probleme gibt, so kann man doch auch viele andere positive Entwicklungen feststellen. Es gibt zum Beispiel nirgendwo so viele Frauen in Führungspositionen größerer Unternehmen. Bei uns gab es schon vor Jahrzehnten eine Frau als Premierministerin, während das in den meisten anderen Staaten noch undenkbar war. Auch das ist Indien und das sollte man nicht vergessen, auch wenn zurzeit vielleicht andere Themen diese Dinge überlagern“. Mit dieser Ermahnung beschließen wir das Gespräch und die fünf Göttinnen machen sich auf um noch ein wenig die Welt rund um das Hamburger Vergnügungsviertel St. Pauli zu erkunden. Der Kulturaustausch ist also beidseitig 

Volker Robrahn

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