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Filmszene-Special: Interview mit "Dating Queen" -Regisseur Judd Apatow und Hauptdarstellerin Amy Schumer

dating plakatFilmszene: Amy, wie haben Sie es denn geschafft, Judd Apatow von Ihrem Drehbuch derart zu überzeugen, dass er es dann auch gleich selbst inszenieren wollte?

Amy Schumer: Es war nicht so, dass ich ihm ein fertiges Skript vorgelegt habe. Wir haben uns  getroffen, nachdem Judd mich in der Radioshow von Howard Stern gehört hatte, er war offen für meine Ideen und anschließend haben wir ausführlich darüber gesprochen wie der Film werden soll. Dann habe ich das Drehbuch zwar selbst geschrieben, aber das war schon eine echte Gemeinschaftsarbeit.

Judd Apatow: Ich bin einfach zu dem Schluss gekommen, dass Amy diese Geschichte viel besser als ich in all ihren Facetten und Details entwerfen kann. Es gab da nämlich schon die eine oder andere Situation in der mir nicht so völlig klar war, warum unsere Hauptfigur dies oder jenes tut und was sie damit erreichen will. Da kann Amy – naturgemäß – doch besser in deren Kopf blicken. Und sie hat es dann eben auch wirklich getan – Sie glauben gar nicht wie viele Leute einem ständig erzählen sie hätten da „einen tolle Filmidee im Kopf“, aber dann nie bis zu dem Punkt kommen die auch tatsächlich als Drehbuch niederzuschreiben, denn das erfordert viel Ausdauer und harte Arbeit.

Genau wie Ihre Bühnenprogramme ist auch die Geschichte von „Dating Queen“-Amy recht deutlich von autobiographischen Erlebnissen durchsetzt und wirkt wie ein sehr persönliches Projekt. Ist Ihnen der Gedanke denn angenehm, dass viele Zuschauer denken werden, das dort im Film sind praktisch Sie im wirklichen Leben?

dating int 1Amy Schumer: Nun, ich liebe Amy in diesem Film, daher kann mir diese Vorstellung eigentlich nicht unangenehm sein. Das bin schon irgendwo ich, allerdings eher zu einer Zeit als ich so 19-20 Jahre alt war.  Damals habe ich sehr viel getrunken, viel Party gemacht und auch einige Männerbekanntschaften gehabt.  Aber nein, es stört mich nicht wenn mich das Publikum mit meiner Filmfigur identifiziert. Denn im Grunde war das ja vorher klar und ansonsten hätte ich den Charakter nicht so geschrieben.

Wenn die eigene Kindheit mitunter hart und nicht immer glücklich war – hilft diese Erfahrung dann dabei ein guter Comedian zu werden, weil sie das Auge schärft für all die Merkwürdigkeiten und Mängel um einen herum?

Amy Schumer: Mit Sicherheit! Es ist schon was dran an dem Satz, dass die schmerzlichsten Erfahrungen  manchmal zugleich auch die komischsten sein können.  Meine Familie hatte schwere Zeiten zu durchleben (aber welche hatte das nicht?) und ab und zu über das Erlebte lachen zu können  hat uns sicher oft geholfen. Mein eigener Vater litt ebenfalls an Multipler Sklerose und ich habe das in den Film eingebaut um ihm einerseits die Ehre zu erweisen und diese Krankheit, über die viele noch immer sehr wenig wissen, nebenbei auch ein wenig in den Fokus zu rücken.

Judd, wenn es diesen Jahr einen Trend zu beobachten gibt in Hollywood dann den, dass es vor allem die Komödien mit weiblichen Hauptfiguren sind die sehr gut laufen, von den Mädels aus „Pitch Perfect“ über Melissa McCarthy und jetzt auch Ihren Film. Ist das wirklich nur Zufall oder vielleicht sogar  die Spätfolge eines Urknalls, den Sie mit „Briautalarm“ vor ein paar Jahren selbst mit gestartet haben?

Judd Apatow: Das ist schwer zu sagen, woran es genau liegt, dass es sich in dieser Richtung gerade im Moment so ballt. Aber für mich sind es einfach in erster Linie die beteiligten Leute selbst, die dafür sorgen. Man findet aktuell überall, ob im Fernsehen oder im Netz so viele großartige neue Talente. Und es sollte ja eigentlich nicht überraschend sein, dass darunter auch viele weibliche Comedians sind, schließlich macht dieses Geschlecht über die Hälfte der Erdbevölkerung aus. Aber ja, es gibt jetzt mehr Filme und Komödien von Frauen über Frauen und das wurde auch höchste Zeit. Durch „Brautalarm“ hat man gespürt, dass ein regelrechter Hunger danach vorhanden ist und natürlich hat es dieser Erfolg einfacher gemacht solche Produktionen jetzt auch finanziert zu bekommen.

Wer kam denn auf die Idee all die bekannten Sportler in den Film einzubauen? Oder war das vielleicht sogar  eine Markting-Überlegung um auch mehr männliche Zuschauer anzulocken?

dating int 2Judd Apatow: Nein, das weniger. Wir hatten einfach überlegt: Was wäre ein guter, interessanter Job für Amy, was einer für Bill Hader? Welche Welt wäre spannend und ist im Kino noch nicht so abgegrast worden? Und ich denke, eine Frau, die für ein Männermagazin schreibt und ein Sportarzt, der Prominente behandelt, dass hab ich so zuvor in der Kombination nicht gesehen. Dass das dann auch gleich die Tür für ein paar schöne Cameo-Auftritte öffnet, war natürlich ein willkommener Nebeneffekt.

Also denkt die reale Amy nicht, dass „Sport“ nur was für Dummköpfe sei?

Amy Schumer: Nein, ich denke nicht es ist für Dummköpfe. Aber ich schau es mir trotzdem nicht an!

Wie sehr unterscheidet sich die Arbeit an einem Kinofilm von der an einer TV-Show? Waren Sie bei „Dating Queen“ nervöser und aufgeregter?

Amy Schumer: Nein, ich war sogar deutlich weniger aufgeregt. Aus dem einfachen Grund, dass man beim Filmemachen ja nicht „live“ sendet und jeden Take problemlos wiederholen kann, wenn er nicht so gut gelungen ist. Man hat außerdem mehr Zeit und auch mehr Geld. Das ist bei der Live-Atmosphäre von Bühnenauftritten oder Fernsehshows natürlich ganz anders, da muss alles beim ersten Mal sitzen. Da sollte zumindest alles gleich sitzen.

Nicht zuletzt die Filme von Judd Apatow haben ja dafür gesorgt, dass das Thema „Sex“ mittlerweile etwas direkter und offensiver angegangen werden darf in amerikanischen Komödien. Und Sie Amy, haben das für Ihre Geschichte auch entsprechend ausgenutzt. Wie beurteilen Sie den leichten Wandel den es da über die letzten Jahre gegeben hat?

Amy Schumer: War das eine subtile Art mir mitzuteilen, dass ich ziemlich viel Sex habe in diesem Film? – Vielen Dank! Aber es stimmt ja, ich mag Sex in Filmen und ich mag sexy Szenen in Filmen.

Judd Apatow: Und diese Szenen sind mit die schwersten überhaupt, was den Dreh angeht. Denn es ist nicht einfach zugleich sexy und komisch zu sein! Da genau den richtigen Grad zu finden, ohne dass es ins Lächerliche oder Alberne kippt ist stets ein Balanceakt.

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Filmszene-Redakteur Volker Robrahn beim Interview.

Amy Schumer: Aber hier bei Euch in Europa dürfte das doch sowieso niemanden schocken, hier gibt es doch grundsätzlich viel mehr Sex im Kino, oder?

Es gibt vor allem mehr Nacktheit und man behält nicht beim Geschlechtsverkehr seine Klamotten an.

Judd Apatow: Ja, das stimmt, daran müssen wir Amerikaner immer noch arbeiten, selbst die bei uns mit einem „R“ bewerteten Filme enthalten zwar viel Sex-Talk aber wenig nackte Haut. Aber ich bleibe auch in diesem Punkt am Ball, versprochen!

Volker Robrahn

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