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Filmszene-Special: Exklusiv-Interview mit "Kingsman" -Regisseur Matthew Vaughn

vaughn 1Er hat sich zu einem echten Spezialisten für Comic-Verfilmungen entwickelt, denn schon das Fantasy-Abenteuer „Der Sternwanderer“ basierte auf einer Graphic Novel von Neil Gaiman und sein „X-Men: Erste Entscheidung“ brachte die Mutanten-Reihe wieder erfolgreich auf Kurs. Nach „Kick-Ass“ kümmert sich Matthew Vaughn nun zum zweiten Mal um die Adaption eines Comics von Mark Millar und ist mit diesem Projekt sogar noch ein wenig enger verbunden. Während er gerade in den bayrischen Alpen an einem Film über den britischen Skispringer „Eddie the Eagle“ arbeitet, nahm sich der Regisseur (und Ehemann von Claudia Schiffer) in einer Drehpause Zeit für ein exklusives Gespräch mit der ebenfalls stets comic-affinen Filmszene.

 

Filmszene: Mr. Vaughn, die Credits von „Kingsman“ verweisen auf die Vorlage von Mark Millar und Zeichner Dave Gibbons („Watchmen“), aber genau genommen sind Sie ja selbst auch Co-Autor des Comics „Secret Service“.

Matthew Vaughn: Das stimmt, wobei ich in erster Linie einige spezielle Ideen und Figuren beigesteuert habe, der Hauptautor der Geschichte war schon Mark Millar.  Kurze Zeit nach „Kick-Ass“ saßen wir zusammen in einem Pub und philosophierten über die alten, klassischen britischen Agentenfilme und dass so etwas ja heute gar nicht mehr gemacht wird. Mark beschloss dann sofort aus unseren Ideen einen neuen Comic zu machen. Den schrieb er dann auch und schickte mir eine Kopie seines Skripts. Und da ich meinte ihn auf einige Fehler hinweisen und Verbesserungsvorschläge machen zu müssen, hing ich dann also plötzlich als Co-Autor mit drin.

Gab es dann auch sofort den Plan aus der Geschichte einen Kinofilm zu machen?

Nicht von Anfang an, aber zunächst war ja nicht mal der Comic geplant, wir hatten wirklich einfach nur ein wenig rumgesponnen, wie typische Fanboys das tun. Dann machte er aber tatsächlich den Comic, ich beteiligte mich daran und so lag irgendwann auch eine Verfilmung nahe und natürlich hatte ich große Lust die dann auch selbst zu übernehmen – denn „Kingsman“ ist schon so eine Art wahr gewordener Kindertraum für mich.

vaughn 2Man erkennt dabei auch durchaus eine ähnliche Tonart wie in „Kick-Ass“.

Wobei das dann aber schon  meine spezielle Tonart ist. Bei beiden Filmen suchte ich nach einem frischen Ansatz für das jeweilige Genre. Was „Kick-Ass“ für den Superhelden-Film war soll „Kingsman“ für den Agenten-Film sein.

Diese spezielle Tonart ist ein recht einmaliger Mix aus emotionalen Momenten mit Figuren an deren Schicksal man durchaus teilnimmt und auf der anderen Seite eine recht extreme, aber in ihrer Übertreibung fast schon cartoonartige Darstellung der Gewalt. Ist es nicht schwer, da die richtige Balance zu finden?

Das ist sogar sehr schwer und man muss eine Menge Zeit für den Schnitt, die Musik und die Choreographie aufwenden damit der Rhythmus stimmt und das Ganze nicht zu übertrieben oder gar albern wirkt. Mein Vorbild für diese Szenen ist dabei immer die klassische „Tom und Jerry“-Zeichentrickserie. Die war zwar unglaublich komisch, aber gleichzeitig auch sehr explizit und deutlich in Sachen Gewaltdarstellung. Auch da sind den Figuren die schlimmsten und brutalsten Sachen passiert mit dem einzigen Unterschied, dass sie in meinen Filmen nicht in der nächsten Szene wieder aufstehen. Aber trotzdem kommt die Gewaltdarstellung bei mir eigentlich immer mit einem Augenzwinkern. Ganz abgesehen davon mussten wir schon deshalb die Actionszenen auf unsere eigene, individuelle Art choreographieren, weil wir schließlich nur knapp ein Drittel vom Budget eines Bond-Films zur Verfügung hatten.

Einen Colin Firth hat man allerdings in so einer Art Film bisher noch nicht gesehen. War es denn schwer den Oscarpreisträger und eigentlich für britische Charakterrollen bekannten Schauspieler für dieses Projekt zu gewinnen?

Nein, Colin war von Anfang an sehr interessiert und geradezu begeistert von der Idee den Superagenten zu spielen. Es war sogar so, dass er erst einmal mich davon überzeugen musste, dass er genau der Richtige für diese Rolle war und auch die Actionszenen bewältigen konnte. Dafür musste er nämlich schon ein wenig trainieren, der Colin.

vaughn 3Er ist andererseits aber natürlich auch prädestiniert für die Rolle des englischen Gentlemen-Agenten und erinnert da in seiner Ausstattung mit dem Regenschirm sicher nicht zufällig an John Steed aus „Mit Schirm, Charme und Melone“.

Exakt, aber der komplette Film ist sowieso voller Hinweise und Anspielungen auf diverse alte britische Agentenfilme und Serien von „Simon Templar“ bis zu „James Bond“ wird so ziemlich jeder berücksichtigt. Jeder Spion aus jedem Film, Buch oder Comic den ich als Kind verschlungen habe ist dabei. Natürlich muss man - vor allem als junger Zuschauer - diese Referenzen nicht alle erkennen um seinen Spaß zu haben, aber für mich machte das einen Großteil des Reizes aus.

Und es scheint zu funktionieren, denn die bisherigen Einspielergebnisse der „Kingsman“ sind doch recht bemerkenswert, vor allem auch in den USA.

Die Box Office-Zahlen sind sogar grandios, wenn ich das sagen darf. Wir sind ein in den USA ein R-Rated Movie - den also längst nicht jeder sehen darf - und steuern dort gerade auf ein Kasseneinspiel von 120 Milionen Dollar zu. Und dann gibt es Länder wie Südkorea, wo  „Kingsman“ gerade zum zweiterfolgreichsten Film aller Zeiten nach „Avatar“ geworden ist und auch in China läuft es toll. Am Ende werden wir wohl insgesamt noch mehr einspielen als „X-Men: Erste Entscheidung“ was einfach der Wahnsinn ist, wenn man bedenkt wie viel kleiner unser Budget war und das es sich bei „Kingsman“ ja nicht um eine bereits bekannte und eingeführte Marke handelt.

Was dann natürlich nach den Gesetzen des Marktes auch bereits ein Sequel bedeuten könnte…

Nicht „könnte“ sondern „wird“. Denn es wird definitiv eine Fortsetzung geben. Allerdings stehen wir dabei nun etwas mehr im Fokus der Öffentlichkeit, also ist jetzt etwas mehr Geheimhaltung angesagt was den Inhalt angeht.

vaughn 4Sie haben ja bereits eine ganze Reihe von Filmen nach Comicvorlagen inszeniert. Gerade die Superhelden erobern dabei aktuell auch immer mehr die TV-Schirme, allein die Firma Netflix produziert gleich vier neue Serien die auf Charakteren von Marvel-Comics basieren. Wäre das nicht ein weiteres interessantes Betätigungsfeld um sich vielleicht mal etwas länger und ausführlicher mit einer Figur zu beschäftigen?

Ich habe in dieser Richtung aktuell keine Pläne, nein. Und wissen Sie warum? Weil mir keine einzige TV-Serie zu einer Comicreihe einfällt die mir gefallen hat. Abgesehen von der alten „Batman“-Serie aus den 60ern vielleicht, aber das hat eher nostalgische Gründe. Kennen Sie denn eine, die wirklich gut war?

Zumindest keine der bisherigen Superhelden-Serien, da stimme ich zu. Allerdings konnte ich bereits eine Handvoll Episoden von Netflix „Daredevil“ sehen und die sind doch recht viel versprechend.

Wobei man da aber eher den Ansatz einer Krimiserie mit nur leicht übernatürlichem Touch verfolgt. Ich habe jedenfalls schon einige Drehbücher zu Pilotfolgen von Serien zugeschickt bekommen und da war bisher noch nichts dabei was mich wirklich überzeugt hätte und von dem ich das Gefühl hatte, dass es funktionieren würde. Und ich habe auch ein wenig die Befürchtung, dass es langsam doch etwas zu viel wird mit den ganzen Superhelden-Produktionen und man den bisherigen Qualitätsstandard auf Dauer nicht wird halten können. Was natürlich nicht für „Kingsman“ gilt, der als so ziemlich letztes Land nun endlich auch in Deutschland startet. Und da bei Euch dann hoffentlich mal diesen schrecklichen „50 Shades of Greys“ von der Spitze stößt!

Volker Robrahn

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