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Filmszene-Special: Ein Gespräch mit "Flight"- Hauptdarsteller Denzel Washington

denzel 1Er ist schon fast so etwas wie ein guter alter Bekannter, denn zum dritten Mal innerhalb von vier Jahren traf sich Denzel Washington mit Filmszene.de zum Interview. Spannend sind diese Begegnungen trotzdem, da man vorher nie weiß, welche Facette des zweifachen Oscar-Preisträgers man dieses Mal zu Gesicht bekommt. Während er zuletzt beim Gespräch zu "Safehouse" als blendend aufgelegter Entertainer agierte, gibt sich Washington im Allgemeinen doch eher etwas ernster und ruhiger. Auch bei seinem „Wetten, dass…?“ – Auftritt zwei Tage vor unserem Interview vermittelte er genau diesen Eindruck: Höflich, freundlich, aber auch etwas zurückhaltend. 

„Das liegt daran, dass es einfach nicht meine Art ist, mich bei solchen Veranstaltungen in den Vordergrund zu spielen“, räumt Washington auf Nachfrage ein. „Mein Grundsatz lautet ja „Ich bin ein ganz gewöhnlicher Mensch, der halt in einem außergewöhnlichen Beruf tätig ist.“Ich bin auch kein Star, der sein Leben in der Öffentlichkeit ausbreitet, ich mag noch nicht einmal besonders gerne fotografiert werden“ ergänzt er und scheint absolut überzeugt, dass dies die ganz persönliche Entscheidung jedes einzelnen Betroffenen ist und man sich dem bunten Treiben Hollywoods eben auch komplett entziehen kann, zumindest was das Privatleben betrifft. Und wo kürzlich noch ein Tom Hanks  Spaß daran zeigte, im Nachhinein ein wenig über die Königsshow des deutschen Fernsehens zu lästern, kommt einem Denzel dazu kein böses Wort über die Lippen. „Nein, dass ich da tatsächlich volle zwei Stunden auf der Couch sitzen bleiben sollte fand ich nicht schlimm. Und außerdem durfte ich ja auch zwischendurch mal raus und die Leute im Kino nebenan überraschen. Das war vor allem deshalb sehr witzig, weil die erstmal gar nicht geschnallt haben, wer da für sie den „Bretzelmann“ spielte.   Und erst als es langsam dämmerte, haben sie dann doch ihre Kameras gezückt.“

denzel 2Wäre sein Simultanübersetzer nicht immer ein wenig zu spät dran gewesen, hätte er sich auch sicher noch etwas mehr in  die Gespräche während der Show eingeschaltet, ergänzt der Schauspieler, der nach einer Reihe von doch recht ähnlich gelagerten Actionfilmen nun mit „Flight“ wieder in der Art Film zu sehen ist, für die er einst bekannt wurde. Einem charakterorientierten Drama mit einer vielschichtigen Hauptfigur. Mit so etwas gewann er für „Glory“ seinen ersten Oscar, verkörperte historische Figuren wie „Malcolm X“ oder Steve Biko.  Für seine Darstellung des zwar brillanten, aber eben auch alkohol- und drogenabhängigen Piloten  Whip Whitaker folgte soeben eine weitere Nominierung als bester Hauptdarsteller, wobei sich Washington aber prinzipiell nicht im Wettbewerb  zu seinen Kollegen sieht. „Wie die anderen auch, versuche ich als Schauspieler meine bestmögliche Leistung  zu bringen, dies dann untereinander zu vergleichen oder zu bewerten ist aber doch sehr schwer, wenn nicht gar unmöglich. Das Schöne an den Oscar-Nominierungen ist ganz einfach, dass sie dem Film mehr Aufmerksamkeit verschaffen. “ Bei „Flight“ überzeugte ihn – neben der Möglichkeit zum ersten Mal mit Regisseur Robert Zemeckis zusammenzuarbeiten – vor allem das Drehbuch, welches „einfach eine unheimlich interessante Geschichte und Figur bietet. Und natürlich ist es toll, dass der Film so gut ankommt und läuft, denn er wurde nicht unbedingt von vornherein als besonders kommerziell eingeschätzt. Deshalb hatten wir hier auch nur ein recht übersichtliches, begrenztes  Budget, aber Bob lässt es natürlich nach viel mehr aussehen.“  Wobei  er  Wert darauf legt, dass es sich statt um einen Piloten auch “genauso gut um einen Arzt oder Zugführer handeln könnte, praktisch um jeden, der in seinem Job die Verantwortung für viele andere Menschen trägt."

denzel 3Er selbst hat als Vielflieger allerdings auch schon diverse brenzlige Situationen miterlebt, wobei ihm seine stoische Ruhe und die Gewissheit „ich kann hier jetzt eh nichts tun und Schreien nützt ja nichts“ dann weitergeholfen haben. „Es kam sogar schon vor, dass ICH als einfacher Passagier es dann war, der andere Fluggäste und sogar die Stewardess beruhigen musste“, lacht Washington, es gäbe also offensichtlich doch noch andere Dinge die er auch ganz gut könne.   Einen Alkoholiker zu spielen gehöre allerdings nicht dazu, behauptet  er lachend und sorgt damit zunächst für etwas Verwunderung in der Runde, hat er doch genau das vermeintlich in diesem Film getan. „Nein, nein“ erklärt Washington, „niemand kann einen  Alkoholkranken der einen Betrunkenen „spielen“, denn dieser tut doch immer alles um möglichst normal und nüchtern zu wirken.  Auf den Zustand  dagegen mit irgendwelchen Gesten oder Manierismen hinzuweisen ist daher einfach nur schlechtes Schauspiel. Daher kann man sich auch nicht speziell darauf vorbereiten einen Betrunkenen zu spielen. Ich würde dagegen nicht bestreiten,  dass meine Figur Whip ständig „völlig normal und gesund“ spielt, es aber nicht ist. Ich bin also ein Schauspieler, der hier jemanden spielt, der praktisch auch die ganze Zeit schauspielert – was wiederum sehr reizvoll ist. Und wer weiß –vielleicht hätte Whip das Flugzeug gar nicht aus der Situation retten können, wenn er nicht so aufgeputscht und dadurch innerlich ruhig gewesen wäre – was eine interessante moralische Frage aufwirft.“ Mit dieser Frage und mit dem Versprechen, auch  nächstes Jahr wieder nach Deutschland zu kommen und  spätestens 2015 wieder eine eigene Regiearbeit  vorzustellen, lässt uns der auch diesmal wieder sehr freundliche und angenehme Mr. Washington schließlich zurück. 

Volker Robrahn

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