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Zoolander

Zoolander
komödie , usa 2001
original
zoolander
regie
ben stiller
drehbuch
ben stiller, drake sather
cast
ben stiller,
owen wilson,
will ferrell,
christine taylor, u.a.
spielzeit
87 Minuten
kinostart
27. Dezember 2001
homepage
bewertung

4 von 10 Augen

Es gibt zwei gute Gründe, warum die Produktion dieses Films keine gute Idee war:

1. Ein Charakter, der für einen fünfminütigen Sketch im Fernsehen witzig ist, kann nicht automatisch einen ganzen Spielfilm füllen. Es kommt nicht von ungefähr, dass die Besetzung von "Saturday Night Live" seit dem Erfolg von "Wayne's World" 1992 keinen guten Kino-Spin off mehr zu Stande gebracht hat. Derek Zoolander, ein von Ben Stiller vor ein paar Jahren anlässlich der VH1 Fashion Awards kreiertes männliches Model mit der Hirnkapazität einer Knallerbse, gehört in die selbe Schublade: für ein paar kurze Gag-Sequenzen durchaus amüsant, aber über neunzig Minuten gestreckt läuft sich auch der beste Witz tot.

2. Eine Parodie der Modewelt ist ein Ding der Unmöglichkeit, da sich die Modewelt selbst parodiert. Oder anders ausgedrückt: Man kann keine guten Witze über etwas machen, das ohnehin niemand ernst nimmt. Daran ist bereits Robert Altman mit "Pret-á-porter", seinem Versuch einer Mode-Farce aus dem Jahre 1994, gescheitert.

Ben Stiller hat sich wirklich kein vielversprechendes Projekt ausgesucht, um seine seit dem Misserfolg von "Cable Guy" brachliegende Regie-Karriere wieder in Schwung zu bringen. Geradezu ernüchternd ist indes die Erkenntnis, dass tatsächlich nicht mehr dabei rumgekommen ist als das Nichts von Handlung und Gags, welches man sich ohnehin schon ausmalen konnte:
Derek Zoolander, dreifacher Sieger der Auszeichnung "männliches Model des Jahres", wird von den hinterhältigen Anführern der Modebranche einer Gehirnwäsche unterzogen, um ein Attentat auf den neuen Ministerpräsidenten von Malaysia zu verüben. Dieser will die Kinderarbeit in seinem Land bekämpfen, und da die Fashion-Industrie genau davon abhängt, ist dies den Modezaren natürlich ein Dorn im Auge. Gemeinsam mit der Reporterin Matilda (Stillers echte Ehefrau Christine Taylor) und seinem Erzfeind Hansel (Owen Wilson) versucht der simpel gestrickte Derek nun, hinter die mysteriösen Vorgänge zu kommen.

Mit diesem G-String von Plot versucht sich "Zoolander" nun über 90 Minuten zu retten, und hat als Waffe gegen die Langeweile nicht viel mehr zu bieten als zahllose Gags über die komplette Hohlheit männlicher Models und die verqueren Eigenheiten der Modewelt. Das Problem ist nur, dass weder das eine noch das andere als länger nutzbare Gagquelle taugt. Männliche Models sind dämlich, und alle in diesem Business reichlich schräg drauf. Das ist entweder wahr oder nur ein Klischee, macht aber keinen Unterschied: "Zoolander" versucht, sich über etwas lustig zu machen, was in der Realität schon absurd genug ist, und ergo verpuffen die meisten Parodie-Ansätze ergebnislos in der Luft. Wenn z.B. gegen Ende eine Modenschau abgehalten wird, auf der die gesamte vorgeführte Garderobe aus Straßenmüll besteht, erscheint es so wahrscheinlich, dass irgendein echter Designer schon mal genau so etwas gemacht hat, dass es im Film längst nicht mehr komisch wirkt.
Ohnehin weniger als Parodie denn als Gag-Show ausgerichtet, muss sich "Zoolander" mit seinem restlichen Material retten, das allerdings ähnlich schlecht funktioniert. Lediglich zwei Sequenzen können für kurze Zeit dem stupiden Einheitsbrei an Möchtegern-Brüllern etwas Würze geben: Die Model-Variante eines Duells ("Walk off" statt "Shoot out"), in der Zoolander und Hansel um die Wette posen, und der Auftritt von David Duchovny als geheimnislüftender Unbekannter, der aufdeckt, warum männliche Models seit zweihundert Jahren hinter allen wichtigen politischen Attentaten stecken: Sie sind top in Form, sie kommen überall rein, und sie tun immer, was man ihnen sagt (Zoolander: "Das ist nicht wahr." Duchovny: "Doch, das ist es." Zoolander: "Okay.").
Der Rest sind ideenlose Fließband-Blödeleien, von denen die besten allesamt im Trailer verbraten wurden (und selbst die sind nicht sonderlich komisch). Also gilt auch hier die Devise: Wer die Vorschau gesehen hat, kann sich den Rest getrost schenken. Und vom gesparten Eintritt shoppen gehen.

Frank-Michael Helmke

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