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Win Win

Win Win
drama , usa 2011
original
win win
regie
tom mccarthy
drehbuch
tom mccarthy
cast
paul giamatti,
amy ryan,
bobby cannavale,
burt young, u.a.
spielzeit
106 Minuten
kinostart
21. Juli 2011
homepage
http://www.winwin-derfilm.de
bewertung

5 von 10 Augen

Nur von außen betrachtet führt Mike Flaherty (Paul Giamatti) ein recht erfolgreiches und zufriedenes Leben. Denn den Familienvater bedrücken finanzielle Sorgen, da seine Anwaltskanzlei nicht mehr gut läuft. Auch seine ehrenamtliche Tätigkeit als Trainer eines Ringer-Teams wird nur selten mit Erfolgserlebnissen in Form von Siegen belohnt und als der frustrierte Mike eines Tages beim Joggen zusammenbricht, ist das ein klares Zeichen dafür zu lange die Probleme verdrängt zu haben. Kurz darauf fallen ihm jedoch zwei Dinge in den Schoß, die das Potential haben alles zum Besseren zu wenden. Er übernimmt offiziell die Pflege eines älteren Klienten seiner Kanzlei und erhält dafür vom Staat eine monatliche Prämie, die ihn erstmal weiterbringt. Und der plötzlich auftauchende Enkel des Pflegebedürftigen, um den sich Mike und Familie ebenfalls kümmern, entpuppt sich als absolute Verstärkung für seine Ringer-Mannschaft. Doch das neue Glück steht auf tönernen Füßen, denn Mike spielt leider nicht ganz ehrlich....

Auf den ersten Blick enthält "Win Win" viele erfolgversprechende Zutaten eines typischen Independentfilms aus der Schublade "Sundance Festival" (wo er dann auch tatsächlich teilgenommen hat). Es handelt sich um den neuen Film des vor einigen Jahren für seinen "Station Agent" gefeierten Regisseurs und Drehbuchautors Tom McCarthy, um das Drama eines "kleinen Mannes" am Scheidepunkt seines Lebens und um einen echten Schauspielerfilm. Dass dieser zudem mit einem Paul Giamatti in der Hauptrolle aufwarten kann, lässt dann erst recht höchste Qualität erwarten, bürgt doch der selbsternannte "klassische Nebendarsteller" schon seit längerem auch in Hauptrollen für eben diese (die Nennung von "Sideways" sollte hier als Beweis genügen).
Es ist auch keinesfalls so, dass Inszenierung und Schauspiel hier nun nicht auf hohem Niveau anzusiedeln wären, doch erweist sich der Versuch McCarthys, auch mal einen etwas leichteren Film zu präsentieren, letztlich als unerwartet fade Angelegenheit. Denn es gibt im Grunde nichts in dieser Geschichte was man nicht so oder ähnlich schon oft gesehen hätte. Das gilt vor allem für den einen Großteil der Handlung einnehmenden Strang um den verstörten Jugendlichen Kyle. Der gibt sich zunächst unnahbar und verschlossen, wofür natürlich ein gewalttätiges und alkoholsüchtiges Elternhaus verantwortlich ist. Wie zu erwarten taut er aber langsam auf und besitzt dann praktischerweise genau die Eigenschaft, die seinem neuen Ersatzvater bei dessen Ringer-Team von praktischem Nutzen ist. Womit wir nach Filmen über Cheeerleader und trommelnde Spielmannszüge ein weiteres Betätigungsfeld begutachten dürfen, in dem man es als amerikanischer Jugendlicher zu Ruhm und Ehre bringen kann. Aber gut, dass dieses Mattengerangel durchaus prestigeträchtig sein kann, wissen wir ja eigentlich spätestens seit dem "Breakfast Club".

Doch leider erweist sich das alles als nicht besonders interessant und bleibt auch durchgehend vorhersehbar, inklusive des unvermeidlichen Auftauchens der Rabenmutter, die dann schließlich doch ganz gerne ihren Sohn zurück hätte. Das reizvollste Element dieser Geschichte stellt daher die Ambivalenz ihrer Hauptfigur dar, die hier nicht ganz selbstlos agiert, wenn auch aus dem nachvollziehbaren Grund der finanziellen Verzweiflung. Denn Mike Flaherty hat zwar offiziell die Pflege des alten Leo übernommen und kassiert dafür die staatliche Förderung, bringt ihn dann aber trotzdem ins Altenheim und hofft, dass der Schwindel nicht auffliegt. Daher hält er aber auch beim Schwingen der moralischen Keule im Hinblick auf Kyle und dessen Mutter ein recht schwaches Blatt in den Händen.
Diese moralische Zerrissenheit eines im Grunde herzensguten Kerls, der sich aber gezwungen sieht zu fragwürdigen Mitteln zu greifen, vermittelt Paul Giamatti dabei gewohnt routiniert. Doch selbst der Charaktermime scheint diesmal ein wenig auf Autopilot zu agieren, was umso auffälliger wird, wenn man seine Darstellung hier mit der des lebenssüchtigen Barney Panofsky aus "Barneys Version" vergleicht, den es fast zeitgleich in unseren Kinos zu sehen gibt.
Auch "Win Win" ist kein schlechter, sondern sicherlich ein gut gemachter und gemeinter Film, er wirkt aber leider oft etwas kraftlos und unoriginell. Und daher auch nicht unbedingt wie eine echte "Win Win"-Situation für sowohl Filmemacher als auch Zuschauer.

Volker Robrahn

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