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Wer früher stirbt ist länger tot

Wer früher stirbt ist länger tot
tragikomödie , deutschland 2006
original
regie
marcus h. rosemüller
drehbuch
marcus h. rosemüller
cast
markus krojer,
fritz karl,
jule ronstedt,
jürgen tonkel, u.a.
spielzeit
104 Minuten
kinostart
17. August 2006
homepage
bewertung

6 von 10 Augen

Ein Film aus Bayern. Soweit nichts Besonderes. Ein Film auf Bayrisch, der in unsere Kinos kommt, ist dann doch schon ein wenig außergewöhnlich. Es gleicht einem waghalsigen Experiment, dem sich Regisseur Marcus H. Rosemüller da verschrieben hat.
"Wer früher stirbt ist länger tot" ist eine träumerisch leichte Sommergeschichte über den verzweifelten Versuch eines kleinen Jungen, unsterblich zu werden. In einem kleinen bayrischen Dorf wächst der elfjährige Sebastian Schneider (Markus Krojer) mit seinem Vater (Fritz Karl) und seinem älteren Bruder auf. Sebastian erfährt, dass seine Mutter bei seiner Geburt gestorben ist. Von Schuldgefühlen geplagt bekommt der kleine Junge nachts grausame Alpträume, in denen er erfährt, dass für einen wie ihn nur ein Platz im Fegefeuer sicher ist. Aus Angst vor dieser Vision versucht Sebastian unsterblich zu werden. Bei einem Besuch seiner Klasse in einem Radiosender realisiert er, dass ihm das nur gelingen kann, wenn er sich der Musik hingibt und Rockstar wird.

Was in diesem Film verwundert ist die Atmosphäre. Zu Beginn erinnert er nämlich äußerst direkt an die deutschen Heimatfilme der 50er Jahre. Die standen nach dem Schrecken des Zweiten Weltkriegs für eine gewisse Sehnsucht nach Vertrautheit und Zusammengehörigkeit. Tradition siegte gegen den Fortschritt und die Menschen besinnten sich wieder mehr zur Natur. Und so sind auch die ersten Minuten von Rosemüllers Werk mit ihren traumhaften Landschaftsaufnahmen Oberbayerns. Manchmal bekommen die Alptraumsequenzen sogar etwas vom Volkstheater. Das ist die eine, die ästhetische Sichtweise auf den Film.
Die andere widmet sich der Geschichte, die sich in der ersten Hälfte einigen Längen und erzählerischen Schwächen hingibt. In der zweiten jedoch erinnert die etwas bizarre Geschichte beizeiten an "Fanny und Alexander" von Ingmar Bergman. Wenn Sebastian einer todkranken Oma ein letztes Mal das Gefühl der Jugend vermittelt oder versucht, seinen Vater nach dem eigenwilligen Deuten sehr vager göttlicher Zeichen zu verkuppeln, erhält der Film die Leichtigkeit und Frechheit der Eskapaden der "Kinder von Bullerbü" von Astrid Lindgren. Reichlich nordische Inspirationsquellen für einen bayrischen Film.
Es ist nicht leicht, hier der schnellen und oft undeutlichen bayrischen Sprache zu folgen. Da werden die hochdeutschen Ohren ganz schön gefordert, wenn nicht streckenweise sogar überfordert. Manch ein Kollege forderte da schon Untertitel, aber die Stärken des Films lauern ohnehin nicht in den Dialogen: "Wer früher stirbt ist länger tot" zeigt äußerst beachtlich, wie wunderbare Bilder über eine schwache Erzählgrundlage triumphieren können.

Patrick Wellinski

10

Einer der schönsten Filme, die je in Deutschland gemacht wurden. Ich stamme aus Niedersachsen und hatte keinerlei Probleme mit der bayrischen Sprache. Gerade der Humor dieses Films würde auf hochdeutsch überhaupt nich funktionieren. Der Streifen überzeugt einfach gerade wegen seiner schrulligen Charaktere, den augenzwinkernden Seitenhieben auf die bayrisch-katholische Kultur, dem morbiden Humor und vor allem wegen seiner durch die Bank weg ausgezeichneten Schauspieler. Allen voran hier der kleine Markus Krojer als Sebastian, der so manchen erwachsenen Kollegen an die Wand spielt!
Wunderbar, dass eine deutsche Komödie auch mal auf all die kalauernden Plattheiten á la "7 Zwerge" oder "DerWixxer" verzichten kann und dabei lustiger ist als vieles, was sonst so geboten wird. Wer hier nicht lacht ist entweder ein humorloser griesgram oder einfach nur selber schuld!
Gäbe es hier die Möglichkeit auch mal 12 Sterne zu vergeben - dieser Film hätte sie mehr als verdient!

10

Selten habe ich eine Rezension gelesen, die so etwas von überhaupt nichts mit dem zu besprechenden Film zu tun hat. "Heimatfilm der 50er", "Ingmar Bergmann, "Kinder von Bullerbü"...blablabla. Der Autor stellt hiermit deutlich unter Beweis, dass ein paar Versatzstücke aus dem Filmlexikon nicht über eine schwache Gedankenführung triumphieren können. Setzen, sechs!

10

Sollte die Bewertung des Filmes nicht doch mal revidiert werden? Ich denke die vielen positiven Reaktionen im Forum sind doch ein eindeutiger Hinweis, dass der Film deutlich mehr als nur 6 Augen verdient hat...

10

Untertitel? Sorry, aber ich als gebürtiger Berliner habe alles verstanden.

Demnächst werden noch Untertitel für Hamburgisch gefordert?

Ansonsten 10 von 10 Augen!

10

Ich weis nicht, warum die Chefrezensenten der verschiedenen Foren bei diesem Film vor so einem großen Rätsel stehen. Mal meint einer, dass er eine korrekte Abhandlung des Problems zu vermissen sei (hab ich gar nicht vermisst), mal werden Ähnlichkeiten mit anderen Filmen herangezogen um zu demonstrieren, dass man auch etwas anders machen kann. Warum sieht man den Film nicht einfach so, wie er gedacht ist, anstatt eigene Interpretationen zum nicht erreichten Ziel zu erklären. Möglicherweise ist es die Leichtigkeit, mit der die Geschichte lehrbuchmäßig strukturiert ist, wogegen manche Rezensionen schon wie ein Klotz am Bein wirken.

9

Ich finde den Film wunderbar und gut gelungen! Das einzige, was mich gestört hat, ist die übertriebene Verwendung von Fäkalsprache und Flüchen - muss denn das wirklich sein? Das hätte man auch vermeiden können, ohne dass der Film dadurch schlechter geworen wäre.

10

Diser Film steht für das Lebensgefühl und der Lebensart in (sorry!) Oberbayern. Diverse Szenen wurden in meinem Heimatort bzw. in unmittelbarer Nachbarschaft gedreht ---- ´mir ´san halt so!

Das ist ja das Gute an diesem Film - einfach ´grad ´raus und ehrlich!

Wenn alle ´Deutschen` unseren Humor hätten, wär´s a bisserl leichter mit der Welt!

Deshalb liebe ich meine Heimat, Sprache, Kultur, die Traditionen und diesen schwarzen Humor - ohne den kein Tag vergeht!

Wer sich diesen Film nicht anschaut hat nicht kapiert wie es Bayern geschafft hat vom Agrarstaat zum Industriestandort zu werden ohne seine wirklichen Wurzeln zu verlieren.

... Also sollte einmal die Atombombe fallen werde ich versuchen mich zu vergraben und diese aktive und intensive Lebenskultur zu erhalten!!!!

Warum mögen eigentlich so viele Touristen bei uns Urlaub machen?

... `mer sog i `net!

Anschau´n und genießen ;-)

--> Bürgerplicht.

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