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Voll auf die Nüsse

Voll auf die Nüsse
komödie , usa 2004
original
dodgeball: a true underdog story
regie
rawson marshall thurber
drehbuch
rawson marshall thurber
cast
ben stiller,
vince vaughn,
christine taylor,
rip torn, u.a.
spielzeit
92 Minuten
kinostart
30. September 2004
homepage
bewertung

4 von 10 Augen

Völkerball. Wer kennt sie nicht diese Sportart (wenn man sie denn überhaupt so nennen will), die meistens nur im Sportunterricht oder in katholischen Ferienfreizeiten gespielt wird und deren Sinn darin besteht, so viele gegnerische Spieler mit einem Ball abzuwerfen, bis diese vollständig dezimiert worden sind. Und nachdem das Kino jede professionelle Sportart auf die Leinwand gebracht hat, ist es jetzt auch für eben dieses Spiel soweit, sein Leinwanddebüt zu geben. Allerdings unter dem amerikanischen Namen: Dodgeball.

Peter LaFleur (Vince Vaughn) ist Besitzer des schlecht gehenden Fitnessstudios "Joe´s Average", in dem sich zahlreiche illustre Gäste tummeln: Von einem Typen, der sich für einen Piraten hält, bis hin zu einem männlichen Möchtegern-Cheerleader. Doch Peters Studio steht vor den finanziellen Ruin und droht von seinem Erzfeind White Goodman (Ben Stiller), einem notorischen Fitnessfreak, und seinem Fitnessgroßunternehmen Globo-Gym übernommen zu werden, wenn Peter nicht bis zum Monatsende 50.000 Dollar auftreibt. Zu diesem Zweck nehmen er und sein Team, das sich aus eben jenen kauzigen Mitgliedern seines Studios zusammensetzt an einem Dodgeball-Turnier in Las Vegas teil, dessen Gewinn genau 50.000 Dollar beträgt.

Das Grundproblem dieses Filmes besteht darin, dass er sich nicht entscheiden kann, ob er Sportfilmsatire oder Sportkomödie sein will. Will man eine Sportkomödie drehen, sollte man den Sport, über den der Film handelt, ernst nehmen und ihn nicht ins Lächerliche ziehen. Denn es ist nicht der Sport, der hier der Ursprung des Witzes seien sollte, sondern die Figurenkonstellation. Zum anderen sind hier die Sportszenen grundlegende Elemente des Films. Dreht man hingegen eine Satire oder eine Parodie über Sportfilme, muss man den dargestellten Sport nicht verschonen, kann getrost das Sportgeschehen kritisch betrachten und die Stereotypen eines jeden Sportfilmes demontieren.

Leider gelingt "Voll auf die Nüsse" keines von beidem: Er zeigt für einen Sportkomödie eindeutig zu wenig Sportszenen und das Dodgeball-Turnier wird auch nur verkürzt dargestellt. Da werden selbst entscheidende Spiele in ihrer Dramatik nur kurz angerissen und man bleibt mit dem Gefühl im Kinosessel zurück, relativ wenig Sportliches auf der Leinwand gesehen zu haben. Darüber hinaus begeht Regisseur Rawson Marshall Thurber den großen Fehler, die Charakterzeichnungen seiner Protagonisten zu vernachlässigen. Denn die Figurenkonstellation bietet hier trotz aller angesprochenen Skurrilitäten wenig Ungewöhnliches. Sie werden im Film lediglich kurz angerissen. Ursprung für einen gelungenen Witz sind sie in den seltensten Fällen. Und so fragt man sich, warum Thurber, der auch für das Drehbuch verantwortlich zeichnet, überhaupt solch skurrile Charaktere geschaffen hat, wenn er sie nicht nutzt.
Das alles wäre kein Problem, wenn der Film sich im Laufe zu einer guten Satire entwickeln würde. Doch das tut er nicht. Indiz für einen satirischen Vorsatz gibt es genug. Zu nennen sei hier z.B. die Figur Ben Stillers, der ein übersteigertes Abbild des Fitnesswahns darstellen soll: Er isst seine Mahlzeiten nicht mehr, er riecht nur noch daran. Und er stützt seine ganze Persönlichkeit auf seine Muskeln und versucht damit seine Komplexe zu überdecken. Ein weiteres Anzeichen ist die Wahl der Sportart selbst. Diese zeigt am deutlichsten, wohin der Film sich wohl hätte entwickeln sollen und können. Denn gerade eine Randsportart wie Völkerball eignet sich perfekt, um dem Profisport und den klassischen Sportfilmen einen Spiegel vorzuhalten. Und das tut Thurber auch anfangs. So stellt er dem Team mit dem Charakter der abgehalfterten Dodgeball-Legende Patches O´Houlihan (Rip Torn) eine perfekte Karikatur des "harten Trainers" aus zahlreichen Sportfilmen zur Seite, der mit seinen sadistischen Trainingsmethoden ("Wenn du einem Schraubenschlüssel ausweichen kannst, kannst Du auch einem Ball ausweichen!") von sich reden macht. Und auch den Sport nimmt Thurber nicht sichtlich ernst, wenn dieser selbst zur Zielscheibe wird.
Doch gleichzeitig begeht Thurber den Fehler, an die Botschaften eines 08/15-Sportfilmes wie "Glaube an Dich selbst!", "Vertraue Deinen Mitspielern!" oder "Erinnere Dich an die Worte des Trainers!" zu glauben und diese ernst zu nehmen. Bestes Beispiel hierfür ist der ein wenig deplazierte Auftritt von Lance Armstrong, der Peter LaFleur bei einem Bier davon überzeugt, an seine Chance im Turnier zu glauben, denn so habe er auch seinen Krebs besiegt.
So vermittelt der Film eben diese Regeln des Genres, das er eigentlich unter komödiantischen Beschuss nehmen wollte, und versucht dem Besucher diese nahe zu bringen. Damit scheitert auch die Satire. Denn für ein mehr als ein paar lahme Gags reicht es zum Schluss auch nicht mehr und die wenigen Guten hat man schon im Trailer gesehen.
Auch die Schauspieler können da nicht mehr viel ausrichten, wobei sich auch bei ihnen die Grundproblematik zeigt: Möchte Vince Vaughn noch den Loser darstellen, der ganz im klassischen Sinne des Genres über sich hinauswächst, überzieht Ben Stiller hingegen sein Spiel satirisch. Doch auch dieses kann nicht zünden, da es an den fehlenden lustigen oder innovativen Ideen scheitert. Denn für eine glaubhafte Satire nach dem Motto "Viel Muskeln, wenig Hirn" bedarf es dann doch mehr, als Ben Stiller in einem Gespräch immer den Satz seines Gegenübers wiederholen zu lassen oder Sprichwörter falsch anzuwenden.

"Voll auf die Nüsse" will auf zwei Hochzeiten tanzen und scheitert folglich. So bleibt der Film letztlich nicht mehr als eine Komödie mit viel zu wenig Lachern. Und auch ein Aufschwung der Sportart Völkerball jenseits des Sportunterrichtes kann nach diesem Film ausgeschlossen werden.

Kai Kollenberg

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