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Verstehen Sie die Béliers?

Verstehen Sie die Béliers?
komödie , frankreich/belgien 2014
original
la famille bélier
regie
Éric lartigau
drehbuch
thomas bidegain, Éric lartigau, stanislas carré de malberg
cast
francois damiens,
karin viard,
eric elmosnino,
louane emera, u.a.
spielzeit
100 Minuten
kinostart
5. März 2015
homepage
http://www.verstehensiediebeliers-film.de
bewertung

4 von 10 Augen
Verstehen Sie die Béliers?

Paula beim MusikunterrichtVerstehen Sie die Béliers? Der Beantwortung dieser Frage widmen wir uns später, können aber schon einmal festhalten, dass man eines nur zu gut versteht: die Intention der Filmemacher. Mit ihrer Komödie rund um eine etwas seltsame Bauernfamilie im französischen Nirgendwo möchten sie ganz offensichtlich in die Fußstapfen von “Willkommen bei den Sch'tis“ treten – und zumindest was den Erfolg an der französischen Kinokasse angeht, ist ihnen das auch gar nicht mal so schlecht gelungen. Qualitativ sieht es aber schon ganz anders aus, denn zu mehr als einer Ansammlung platter Gags, eingerahmt in eine nicht immer stimmige und oft überraschungsarme Geschichte, hat es leider nicht gereicht. Noch ärgerlicher ist aber, dass der platte Humor zum Großteil auf dem Rücken von Gehörlosen ausgetragen wird. Da kann auch das relativ ordentliche letzte Drittel nichts mehr retten - “Verstehen Sie die Beliers“ ist ein Film, bei dem man sich selbst als überzeugter Europäer beim Gedanken an das gute alte Importverbot ertappt.

Wirtschaftlich schlägt sich die Familie Bélier mit ihrem Bauernhof so mit Ach und Krach durchs Leben. Dabei kommt der jungen Paula (Louane Emera) eine ganz besondere Rolle zu, denn sowohl ihr Bruder Quentin (Luca Gelberg) als auch ihre Eltern Rodolphe (François Damiens, “Der Auftragslover“ ) und Gigi (Karin Viard, “Nichts zu verzollen“), sind gehörlos und so auf Paulas Unterstützung angewiesen. Ihre Hilfe wird noch wichtiger, als Rodolphe sich dafür entscheidet bei der kommenden Bürgermeisterwahl anzutreten um den geldgierigen Amtsinhaber abzulösen. Da aber gleichzeitig der örtliche Musiklehrer (Eric Elmosnino) bei Paula ein förderwürdiges Gesangstalent entdeckt hat, sieht diese sich schon bald mit einem Zeitproblem konfrontiert – und der Frage, was ihr denn nun wirklich wichtig im Leben ist.

Etwas andere ElternDie Antwort auf diese Frage ist natürlich genauso publikumstauglich wie vorhersehbar – aber es kommt bei diesen Filmen ja auch mehr auf den Weg als auf das Ziel an. Problematisch wird es aber, wenn der Weg derart uninspiriert und lieblos abgespult wird. So versandet ein kompletter Handlungsstrang, nämlich die Bewerbung von Rodolphe für das Bürgermeisteramt, im Nirwana. Erst im Abspann ist den Autoren wohl eingefallen, dass es da ja noch diese eine andere Geschichte gegeben hat und man schiebt noch schnell eine Auflösung nach. Vielleicht mag dies der größeren Anzahl an Drehbuchautoren geschuldet sein – aber nicht nur hier wirkt es so, als ob einfach niemand Lust hatte, ein Augenmerk auf Struktur oder rote Fäden zu legen.

Statt durchdachter Handlung wird sich lieber auf das Anbringen von Gags konzentriert, doch leider ist lediglich die Gagdichte hoch, nicht aber deren Niveau. Und so kommen wir dann auch schon zum großen Übel des Films, zumindest was die ersten zwei Drittel angeht. Billige Sexwitze und einfach Gags über Menstruation bringen einen hier zum Kopfschütteln, wirken aber erst recht ärgerlich, wenn sie auf Kosten von Behinderten gemacht werden. Denn im Wesentlichen sind die Gehörlosen hier einfach nur Witzfiguren, die als Hinterwäldler-Trottel mit großem Herz porträtiert werden.

Das extreme Spiel von François Damiens und insbesondere Karin Viard, das vor allem bei Viard an Jim Carrey in seinen Anfangszeiten erinnert, hinterlässt einen üblen Nachgeschmack, da hier Gehörlose als durchgeknallte Freaks dargestellt werden. Vielleicht ist es bezeichnend, dass lediglich der Bruder von Paula relativ normal daherkommt – schließlich wird er von dem einzig wirklich gehörlosen Schauspieler porträtiert. Wenigstens hat die Hauptfigur Paula, gespielt von der durch eine französische Casting-Show bekannte Nachwuchssängerin Louane Emera, genug Charme um den Zuschauer trotzdem noch ein bisschen bei der Stange zu halten. Aber auch sie kämpft gegen ein liebloses Drehbuch an, das ihr unter anderem eine völlig unnötige Romanze mit einem komplett charismafreien Mitschüler andichtet.
 

Die ganze FamilieErst im letzten Drittel fährt der Film dann zumindest den Anteil der primitiven Gags zurück und begibt sich zielsicher auf die Gefühlsschiene. Da gibt es dann auch tatsächlich ein paar schöne Ansätze, insbesondere hinsichtlich der Schwierigkeit für die Eltern, das Gesangstalent der Tochter zu genießen. Wie Gehörlose ein Konzert verfolgen ist hier von der sonst eher uninspirierten Regie durchaus gut gelöst und ein privates Konzert von Paula für ihren Vater wird wirklich sehr feinfühlig dargestellt.

Aber es ist schwer davon wirklich berührt zu werden, nach dem der Karren davor im Wesentlichen ja schon an die Wand gefahren wurde. Wer seine Figuren als billige Witzlieferanten benutzt, darf sich eben nicht wundern, wenn später ernstere Momente einfach nicht zünden wollen. Und so richtig mitreißend wird es auch musikalisch nicht, da auch die Wahl der Lieder oft nicht ehrlich erscheint, sondern entweder für ein paar Witze herhalten muss oder, wie am Ende, allzu offensichtlich lediglich für ihr Tränendrüsenpotential ausgewählt wurde.
 

Verstehen wir also die Béliers? Nicht so wirklich, da man nie das Gefühl hat hier echten Menschen aus Fleisch und Blut zu zusehen. Ein uninspirierter Film, dessen letztes Drittel ihn zwar noch vor dem Schlimmsten bewahrt, aber dessen Lieblosigkeit und Umgang mit seinen gehörlosen Protagonisten doch eindeutig mehr Frust als Freude verursacht. Liebe französische Nachbarn, das könnt ihr eindeutig besser.

Matthias Kastl

Lieber Matthias Kastl, Dieser

10

Lieber Matthias Kastl,

Dieser Film ist von A-Z ganz einfach nur grossartig!
Einer der besten und schönsten Filme, es gibt einfach gar nichts zu kritisieren!

Anita Sax

Beide Bewertungen sind nicht

Beide Bewertungen sind nicht stimmig. Weder eine 4 noch eine 10.
Eine 7-8 wäre ok, wenn man etwas Erfahrung mit Gehörlosen hat und weiß, wie schwer es ist, Emotionen ohne Worte zu vermitteln.
Der Vergleich mit Jim Carrey ist....schlecht.

Also ich weiss ja beim besten

8

Also ich weiss ja beim besten Willen nicht was der Autor gegen den Film hat. Ich fand ihn super und am Ende hat er mich zu Tränen gerührt. Allerdings ... Komödie? Gelacht habe ich eher selten. Ein absolut empfehlenswerter Film. Schauen sie ihn sich nochmal an Herr Kastl.

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