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Vaya con dios

Vaya con dios
komödie , deutschland 2002
original
regie
zoltan spirandelli
drehbuch
zoltan spirandelli
cast
daniel brühl,
michael gwisdek,
bettina zimmermann,
matthias brenner, u.a.
spielzeit
106 Minuten
kinostart
28. März 2002
homepage
bewertung

6 von 10 Augen

Es waren einmal, tief im Wald, vier singende Mönche. Abgeschieden von der restlichen, bösen Welt und der Kirche bildeten diese vier einen der beiden letzten Orden der Cantorianer, die Gott mit ihrem Gesang priesen. Fern von Strom und Neuigkeiten war seit Jahrzehnten das einzig weibliche Wesen die störrische Ziege Hildegard.
Nichts störte den Frieden der Sangesbrüder, nicht mal ein 200 Jahre alter Streit mit dem einzigen anderen Kloster des Ordens in Italien. Beide Klöster beanspruchten die Regula Cantorianorum für sich: das handgeschriebene Buch ihres Gründers Urban, nach dessen Regeln sie leben.
Doch eines Tages erkrankt der Abt (Traugott (!) Buhre) und offenbart den Mönchen, dass das Kloster verschuldet ist. Er beauftragt seine Zöglinge auf dem Sterbebett, wenigstens das Buch ins Kloster in Italien zu retten, wenn sie schon die Heimat aufgeben müssen. Und so kommt es wie es kommen muss: die drei Übriggebliebenen ziehen in die unbekannte weite Welt hinaus.

Moooment: das kennen wir doch? Fern der Zivilisation sind schon so viele Helden aufgewachsen: Mowgli aus dem Dschungelbuch; der Typ aus "Eve und der letzte Gentleman" und last but not least Tarzan. Und was passiert da jedem anständigen Außenseiter wohl als nächstes in der richtigen Welt: der junge Held entdeckt die Frauen und verliebt sich! So auch hier: Arbo (Daniel Brühl, "Schule"), der schon seit frühester Kindheit im Kloster lebt, verfällt der ersten Frau, die ihn fast überfährt. Sie heißt Chiara (Chiara Schoras) und findet ihn auch "unheimlich süß". Hier beginnt das Roadmovie der drei Helden, die spontan in Chiaras Cabrio mitfahren. Hier lernen sie als erstes, dass Musik mittlerweile aus Kassetten kommt.
Die erste Station Richtung Italien ist die Heimat von Mönch Tassilo (Matthias Brenner), der sehen will, ob seine Mutter (Christel Peters) noch lebt. Das tut sie in der Tat, und Tassilo bleibt gleich da, um der alten Dame ein wenig zu helfen.
Arbo und Benno (Michael Gwisdek) ziehen schweren Herzens ohne Tassilo und Chiara weiter, die arbeiten muss. Und wieder kommt es, wie es kommen muss: die Mission droht zu scheitern, Benno läuft zum feindlichen Lager über, zu den fiesen Jesuiten. Auch Chiara wendet sich ab, nachdem sie Arbo über die Freuden der Fleischeslust aufgeklärt hat.
So ist es die Aufgabe unseres jungen Helden, den letzten Willen des Abtes ganz alleine und voller Liebeskummer zu erfüllen. Doch es naht schon Hilfe, allerdings nicht von Ziege Hildegard: die hat der Herrgott bereits zu sich geholt.

Trotz aller Momente, in denen man denkt, man sieht eine Neuverfilmung von "Die Dornenvögel" oder Tarzan, ist hier die klassische Geschichte doch ganz nett umgesetzt. Zumindest das Umfeld eines spartanischen, weltfremden Ordens zeugt von Phantasie des Drehbuchautors. Auch die Charakterisierung der Jesuiten ist interessant, ein vergleichbares Feindbild ist mir jedenfalls nicht bekannt. Dabei geht es hier nicht nur um Intrigen, sondern auch um Verfolgungsjagden und fiese Manipulationen.

Allerdings ist fraglich, wer für diesen Film als Zielgruppe in Frage kommt. Die Geschichte des jungen Mönches könnte vielleicht weibliche Teenies ansprechen, die Daniel Brühl "süß" finden. Aber der Rest? Die Musik der Mönche spricht mit Sicherheit kein junges Publikum an, ein älteres kann wahrscheinlich mit Arbo nichts anfangen. Dass da die schönen Landschaftsbilder und die ungewöhnlichen Helden ausreichen bleibt zu hoffen.

Beeindruckend ist vor allem Daniel Brühl, der schon in "Das weiße Rauschen" mehr als nur gut spielt. Seine Wandlungsfähigkeit erinnert schon an ein Chamäleon, hier führt es sogar soweit, dass es schon eine Weile braucht, ihn überhaupt zu erkennen.
Da kann man nur den Himmel anflehen, dass dieses Talent erkannt und mit etwas publikumswirksameren Projekten gesegnet wird.

Amen.

Vera Kampschulte

Der Film ist grade was die Dramaturgie und Struktur angeht meiner Meinung nach nicht so weit von Hollywoodfilmen entfernt, wie oben behauptet, aber trotzdem trotz zauberhaft gespielter Charaktere und vieler einmaliger Szenen mit phantastischer Stimmung/Atmosphäre absolut sehenswert.
Zu einem meiner absoluten Lieblingsfilme hat ihn aber allein die Musik gemacht, die ich wunderschön un sehr berührend finde. ("Wer nur den lieben Gott lässt walten" beim Jesuitengottesdienst!" - schlicht, aber wahnsinnig ergreifend!)Nebenbei bemerkt - um auf die ensprechende Aussage des Rezensenten einzugehen - war ich damals fünzehn Jahre alt und habe mir den Soundtrack direkt gekauft. Subjektiv zwar, aber ich war damals alles andere als die einzige meiner Altersgruppe.

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