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Vatertage - Opa über Nacht

Vatertage - Opa über Nacht
komödie , deutschland 2012
original
regie
ingo rasper
drehbuch
thomas bahmann, ralf hertwig
cast
sebastian bezzel,
christiane paul,
heiner lauterbach,
sarah horváth,
monika gruber, u.a.
spielzeit
93 Minuten
kinostart
13. September 2012
homepage
http://www.vatertage.studiocanal.de
bewertung

4 von 10 Augen
Vatertage - Poster

Es ist ein gern und häufig genutztes Motiv aus dem Standard-Repertoire von Familienkomödien und Dailysoaps: Verantwortungsloser Kerl lebt so in den Tag hinein, bis auf einmal ein junges Mädchen vor seiner Tür steht und erklärt, dass es seine Tochter ist. In der neuen Komödie "Vatertage - Opa über Nacht" gewinnt man dieser abgestandenen Nummer noch eine 'neue' Variante ab, indem man noch ein Baby mit in die Waagschale wirft. Vatertage - Opa über NachtDenn die 17-jährige Dina aus Bitterfeld, die auf einmal bei Rikschafahrer und Frauenheld Basti in München klingelt, hat soeben selbst ein eigenes Kind geboren. Dieses Baby ist allerdings nur bedingt relevant, denn Dina will mit kackfrecher Dreistigkeit von Basti eigentlich nichts weiter als einen dicken Batzen Kohle, quasi den Unterhalt, den er sich in den 17 Jahren seiner ahnungslosen Vaterschaft gespart hat. Dina möchte damit die Reisekasse für sich und ihre beste Freundin aufbessern, die gerade auf dem Weg in den Italienurlaub sind und nur Zwischenstopp in München machen. Weil der chronisch klamme Basti aber keine Kohle parat hat, verlängert sich der Aufenthalt immer mehr, und Vater und Tochter kommen nicht umhin, sich besser kennen zu lernen. Wird Dina nun womöglich Seiten an ihrem Erzeuger entdecken, die sie gegen ihren Willen doch dazu bringen, ihn zu mögen? Wird Basti jetzt unerwarteterweise doch auf einmal Vatergefühle entwickeln?
 

Es ist nicht wirklich überraschend, was sich in "Vatertage" abspielt. Genau genommen ist es sogar so dermaßen voraussehbar, dass sich wohl auch die Macher dieses Films gedacht haben, dass da irgendwie noch mehr Zunder und Abwechslung dran muss. Wie ach so viele deutsche Beziehungs- und Familienkomödien, die eigentlich schon fürs Fernsehen produziert und vorher nochmal fix durchs Kino und die Videotheken gescheucht werden in der Hoffnung auf ein paar extra Erlös-Euros, versucht auch "Vatertage" seine reichlich dünne Story durch allerlei Situationskomik und "verrückte" Nebenfiguren aufzupeppen, so dass sich in jeder zweiten Szene irgendeine Kleinigkeit findet, die das Ganze jenseits vom eigentlichen Inhalt irgendwie lustig und originell machen soll. In den besten Fällen ringt das einem zumindest ein Schmunzeln ab. In den meisten Fällen wirkt es jedoch nur aufgesetzt und sehr bemüht, weil ganz und gar nicht organisch aus der eigentlichen Geschichte resultierend. 

Vatertage - Opa über NachtDen Gipfel dieser aufgepfropften Zwangs-Lustigkeit verkörpert in diesem Falle der prominenteste Name auf dem Filmplakat, nämlich Heiner Lauterbach. Der spielt Bastis Vater, der sich jedoch irgendwann nach der Zeugung von Basti und dessen Schwester überlegt hat, dass er es eigentlich gar nicht so mit Frauen hat. Darum läuft der gute Lambert - Achtung, jetzt wird's lustig! - hier als tuckiger Schwuler herum, zusammen mit seinem griechischen Freund Nektarios (Adam Bousdoukos, "Soul Kitchen"), und dann auch noch permanent im Partner-Look gekleidet. Diese ganze Nummer ist von vorne bis hinten so gewollt "unkonventionell", dass sie ihre Konstruiertheit niemals ablegen kann und die ganze Zeit wie ein schlechter Witz wirkt. Das wird sicherlich auch dadurch nicht besser, dass Lauterbach hier in grässlichem Overacting herumchargiert, während Bousdoukos eigentlich gar nichts spielt, und beide zusammen überhaupt keine Chemie miteinander entwickeln - kein Wunder, wenn diese beiden In-Realität-Super-Machos es hier nicht einmal über sich bringen, sich auch nur einen Kuss zu geben. Die ganze Nummer ist jedenfalls so unkomisch, unnötig und unangebunden, dass man sich fragt, was dieser Subplot überhaupt in diesem Film zu suchen hat.

Er ist jedenfalls nicht da, um ernsthaft die neu entstehenden Familienbande zu erweitern, da der gute Lambert sich für seine Enkelin und den Urenkel eigentlich nicht weiter interessiert (jenseits davon, dass sie ihn schrecklich alt erscheinen lassen). Das passt aber zumindest von daher ins Bild, als dass hier eigentlich jede Figur gerne mal etwas im Plot-Verlauf vergisst, was sie eigentlich tangieren sollte. So wird zum Beispiel die Erpressung, die Dina überhaupt zu Basti gebracht hat, irgendwo entlang der Wegstrecke einfach vergessen und ist alsbald genauso wenig mehr Thema wie Bastis irgendwann eingestellte Versuche, das verlangte Geld zu organisieren. 

Vatertage - Opa über NachtAber überhaupt sollte man hier nicht den Fehler machen, die Motivationen und die Handlungslogik der Figuren genauer zu hinterfragen. Denn dann wird es reichlich abstrus. So weiß Dina zum Beispiel offenbar nicht erst seit gestern, wer ihr Vater ist, hatte aber nie das Bedürfnis, ihn kennenzulernen, bis jetzt, da sie hofft Kohle aus ihm raus pressen zu können (was die "liebenswerte" weibliche Hauptfigur dieses Films auch nicht gerade sympathisch macht). Dinas Mutter hat ihr also von ihrem Vater erzählt, es aber wiederum nicht für nötig gehalten zu erwähnen, dass Basti sehr wohl von ihrer Existenz weiß (weil der Film das für einen wichtigen Wendepunkt so braucht). Wenn Dinas Mutter (gespielt von Christiane Paul) spät im Film dann auch noch in die Handlung stößt und ihre Beweggründe von damals erläutert, wird es dann komplett verworren. Hier opfert "Vatertage" den letzten Rest an Glaubwürdigkeit zugunsten einiger hanebüchener Plot-Twists, die eigentlich auch nur dazu da sind, der ganzen Chose noch ein möglichst "unkonventionelles" Happyend abzugewinnen.

Nachdem all dies gesagt ist, sollte nun noch klar gestellt werden, dass dies hier nicht als ein Verriss gemeint ist. Denn immerhin ist "Vatertage" in all seinen Unzulänglichkeiten nicht so aufdringlich mies, dass man sich die ganze Zeit nur ärgern und aufregen mag. Er ist von seinem Produktions- und Handlungsniveau nur einfach sehr weit von dem entfernt, was man von einem Kinofilm erwarten sollte, für den man immerhin ordentlich Eintritt bezahlt hat. Solch ein Film zum Wochenende auf ARD und ZDF oder an einem Dienstag auf Sat1 und es gibt nicht wirklich Grund, sich über irgendwas zu echauffieren: Harmlose, belanglose und banale Unterhaltung, aber wenigstens mit einem gewissen bajuwarischen Charme. Nett, aber irrelevant. Und halt einfach nix fürs Kino. Bis auf den schmissigen Sound von Bastis Blechbläser-Band. Die ist wirklich cool.

Frank-Michael Helmke

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