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Vanity Fair - Jahrmarkt der Eitelkeiten

Vanity Fair - Jahrmarkt der Eitelkeiten
historisches drama , großbritannien/usa 2004
original
vanity fair
regie
mira nair
drehbuch
julian fellowes, matthew faulk, mark skeet
cast
reese witherspoon,
gabriel byrne,
james purefoy,
jonathan rhys-meyers,
rhys ifans, u.a.
spielzeit
138 Minuten
kinostart
31. März 2005
homepage
bewertung

6 von 10 Augen

Die Engländer lieben ihre historischen Literaturgiganten, und darum findet sich auch alle Jahre wieder das Geld für eine neue Leinwand-Großproduktion eines Klassikers (vielleicht auch, weil diese regelmäßig an die schönen Zeiten erinnern, als England noch eine Weltmacht und nicht das gefügige Schoßhündchen der USA war). Jüngstes Beispiel: William Makepeace Thackerays "Vanity Fair", einer der bedeutendsten britischen Romane des 19. Jahrhunderts, der zur Zeit der Napoleonischen Kriege und der Kolonialisierung Indiens (die soviel plötzlichen Reichtum ins Land spülte, dass sie effektiv die wohlhabende Mittelklasse Englands - den "Geldadel" - erschuf) die Erlebnisse von Becky Sharp (Reese Witherspoon) nachzeichnet, ein Mädchen aus mittellosen Verhältnissen, das sich seinen sozialen Aufstieg durch den geschickten Einsatz von Charme und Schönheit ermöglichen will. Und so "arbeitet" sich Becky von einer Stelle als Kindergouvernante einer verarmten Landadelsfamilie zur Gattin eines Offiziers und Glücksspielers (James Purefoy) hinauf, um sich schließlich - den erhofften Wohlstand verpasst - in die Gunst ihres zwielichtigen reichen Nachbarn, dem Marquis von Steyne (Gabriel Byrne), zu begeben. Was ihr zwar endlich den Eintritt in die höchsten Kreise ermöglicht, doch vielleicht zu einem Preis, den sie nicht zahlen möchte.

An dieser Stelle eine zufrieden stellende Inhaltsangabe zu versuchen, verbietet sich schon durch die Komplexität des Materials (der Originalroman umfasst über 800 Seiten und eine entsprechende Vielzahl an Subplots und Nebencharakteren) - und hier beginnt auch schon das Problem des Films. Das Drehbuch-Autorentrio (u.a. Oscar-Preisträger Julian Fellowes, "Gosford Park") müht sich redlich, den ausschweifenden Plot von "Vanity Fair" in zwei handhabbare Kinostunden zu pressen, dabei möglichst keine halbwegs zentrale Figur außen vor zu lassen, alle wichtigen Beziehungen anzuschneiden und natürlich auch die sich bietenden Schauwerte nicht zu vernachlässigen (unter anderem gerät Becky mit ihrem Soldatengatten in die Wirren um die Schlacht von Waterloo).
Wozu das führt, lässt sich erahnen: Ohne Rast und Ruh eilt der Film voran, von einem Schauplatz zum nächsten, ständig in einen anderen Nebenplot zurück springend, um auch diese Geschichte nicht zu vergessen, und schafft es dabei leider nicht, dem Material einen dem Kinoformat angemessenen dramaturgischen Bogen abzugewinnen. Bestes Beispiel: Beckys Beziehung zum Marquis von Steyne - eigentlich entscheidender Wendepunkt der ganzen Geschichte - nimmt erst im Schlussviertel des Films Formen an, zuvor darf Gabriel Byrne nur alle Nase lang einmal bedeutungsvoll durch den Hintergrund schleichen. Zu wenig für eine solch bedeutende Figur.
Der Film setzt insgesamt die falschen Akzente: Anstatt beispielsweise mehr auf Personen wie den unglücklich verliebten William Dobbin einzugehen (Rhys Ifans, der Mitbewohner aus "Notting Hill" und eigentlich nur aus Comedy-Rollen bekannt, mit einer beeindruckenden Vorstellung), der leise Held der Geschichte und ihre vielleicht tragischste Figur, setzt Regisseurin Mira Nair ("Monsoon Wedding") unverhältnismäßig viel Mühe daran, dem Film eine mehr oder minder subtile indische Präsenz angedeihen zu lassen. Gut, der asiatische Subkontinent war als Quell des neuen Reichtums sehr bedeutend für England in dieser Zeit, aber deswegen gleich alle Leute ständig von Indien reden zu lassen, exotische Tiere und Sklaven aus fernen Landen ins Bild zu rücken sowie als Höhepunkt auch noch Becky vor dem König (!!) einen - im historischen Zusammenhang betrachtet - skandalösen indischen Tanz aufführen zu lassen, ist ein bisschen viel des Guten und lenkt schlichtweg den Fokus von der eigentlichen Geschichte ab. Und die hat schon genug Mühe, überhaupt anständig erzählt zu werden.
Abgesehen von der etwas überzogenen Indisierung inszeniert Nair den Film allerdings sehr sicher und elegant. Gerade ihr Bemühen, die Szenerie möglichst authentisch erscheinen zu lassen und daher viele Abend- und Nachtszenen tatsächlich nur von Kerzenschein zu beleuchten, erinnert eindrucksvoll an Stanley Kubricks "Barry Lyndon", ebenfalls eine Thackeray-Verfilmung. Insgesamt gelingt ihr eine zumindest handwerklich und im historischen Detailreichtum überzeugende Literaturverfilmung. Und auch das fast ausnahmslos britische Ensemble (u.a. Jim Broadbent aus "Bridget Jones" und Jonathan Rhys Meyers, der Fußballtrainer aus "Kick it like Beckham") kann weitestgehend überzeugen - fühlt man sich im Stoff ja auch Zuhause.
Als größte Fehlbesetzung erweist sich aber leider ausgerechnet die einzige "Außenseiterin", Reese Witherspoon in der Hauptrolle. Warum sie diesen Part bekam erscheint verständlich: Sie öffnet diesem urbritischen Film den amerikanischen Markt und hat sicherlich auch ein paar zahlungskräftige US-Investoren mitgebracht. Doch trotz eines recht überzeugend aufgelegten britischen Akzents ist sie schlicht zu amerikanisch für diese Rolle: Es gelingt ihr nicht, den standardisierten Hollywood-Schauspielstil gegen die eher theatralisch-historische Herangehensweise auszutauschen, die der Stoff verlangt, und so wirkt sie über weite Strecken mehr wie ein hübsches Püppchen als wie eine selbstbewusste, berechnende Frau. Womit die Essenz des Charakters von Becky Sharp leider auch verfehlt wird, denn ihre zwiespältige und egoistische Persönlichkeit geht beinahe komplett verloren hinter Witherspoons angeborener Niedlichkeit - man mag ihr einfach nie so richtig böse sein, und diese für ihre gewohnten Hollywood-Rollen hervorragende Eigenschaft ist hier einfach völlig fehl am Platz.

So erweist sich "Vanity Fair" schlussendlich als nett anzusehender, bunter Bilderbogen, schnell und unterhaltsam erzählt, jedoch ohne den nötigen Tiefgang oder überzeugende Dramaturgie. Zu oberflächlich begegnet man der ohnehin kaum zu bewältigenden Romanvorlage und kann ihr dementsprechend auch nicht gerecht werden. Selbst als Lieferant für kulturelles "Ich hab zwar nicht das Buch gelesen, aber den Film gesehen"-Halbwissen ist "Vanity Fair" daher nicht ausreichend.

Frank-Michael Helmke

2

Obwohl Story (verwaiste Göre versucht sich zur reichen High-Society-Lady aufzuschwingen) und Darsteller (wie z.B. Reese Witherspoon) durchaus einiges hergeben könnten, ist "Vanity Fair" letztendlich nicht mehr als ein spannungsarmer, aufgeblasener Kostümfilm ohne Witz, Ironie, Spannung und Charaktere, den man sich im Grunde wirklich hätte schenken können. Schade drum.

1

ich habe den film überhaupt nicht so toll gefunden, obwohl ich reese witherspoon eigentlich richtig gut finden.
fazit: den film anzuschauen hat sich nicht wirklich gelont:-(

10

Der Film, ist der ALLERBESTE Film den ich jeh gesehen habe!!!!!!!!!!

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