Die Engländer lieben ihre historischen Literaturgiganten,
und darum findet sich auch alle Jahre wieder das Geld für eine
neue Leinwand-Großproduktion eines Klassikers (vielleicht
auch, weil diese regelmäßig an die schönen Zeiten
erinnern, als England noch eine Weltmacht und nicht das gefügige
Schoßhündchen der USA war). Jüngstes Beispiel: William
Makepeace Thackerays "Vanity Fair", einer der bedeutendsten
britischen Romane des 19. Jahrhunderts, der zur Zeit der Napoleonischen
Kriege und der Kolonialisierung Indiens (die soviel plötzlichen
Reichtum
ins Land spülte, dass sie effektiv die wohlhabende Mittelklasse
Englands - den "Geldadel" - erschuf) die Erlebnisse von
Becky Sharp (Reese Witherspoon) nachzeichnet, ein Mädchen aus
mittellosen Verhältnissen, das sich seinen sozialen Aufstieg
durch den geschickten Einsatz von Charme und Schönheit ermöglichen
will. Und so "arbeitet" sich Becky von einer Stelle als
Kindergouvernante einer verarmten Landadelsfamilie zur Gattin eines
Offiziers und Glücksspielers (James Purefoy) hinauf, um sich
schließlich - den erhofften Wohlstand verpasst - in die Gunst
ihres zwielichtigen reichen Nachbarn, dem Marquis von Steyne (Gabriel
Byrne), zu begeben. Was ihr zwar endlich den Eintritt in die höchsten
Kreise ermöglicht, doch vielleicht zu einem Preis, den sie
nicht zahlen möchte.
An
dieser Stelle eine zufrieden stellende Inhaltsangabe zu versuchen,
verbietet sich schon durch die Komplexität des Materials (der
Originalroman umfasst über 800 Seiten und eine entsprechende
Vielzahl an Subplots und Nebencharakteren) - und hier beginnt auch
schon das Problem des Films. Das Drehbuch-Autorentrio (u.a. Oscar-Preisträger
Julian Fellowes, "Gosford Park")
müht sich redlich, den ausschweifenden Plot von "Vanity
Fair" in zwei handhabbare Kinostunden zu pressen, dabei möglichst
keine halbwegs zentrale Figur außen vor zu lassen, alle wichtigen
Beziehungen anzuschneiden und natürlich auch die sich bietenden
Schauwerte nicht zu vernachlässigen (unter anderem gerät
Becky mit ihrem Soldatengatten in die Wirren um die Schlacht von
Waterloo).
Wozu das führt, lässt sich erahnen: Ohne Rast und Ruh
eilt der Film voran, von einem Schauplatz zum nächsten, ständig
in einen anderen Nebenplot zurück springend, um auch diese
Geschichte nicht zu vergessen, und schafft es dabei leider nicht,
dem Material einen dem Kinoformat angemessenen dramaturgischen Bogen
abzugewinnen. Bestes Beispiel: Beckys Beziehung zum Marquis von
Steyne - eigentlich entscheidender Wendepunkt der ganzen Geschichte
- nimmt erst im Schlussviertel des Films Formen an, zuvor darf Gabriel
Byrne nur alle Nase lang einmal bedeutungsvoll durch den Hintergrund
schleichen. Zu wenig für eine solch bedeutende Figur.
Der Film setzt insgesamt die falschen Akzente: Anstatt beispielsweise
mehr auf Personen wie den unglücklich verliebten William Dobbin
einzugehen (Rhys Ifans, der Mitbewohner aus "Notting
Hill" und eigentlich nur aus Comedy-
Rollen
bekannt, mit einer beeindruckenden Vorstellung), der leise Held
der Geschichte und ihre vielleicht tragischste Figur, setzt Regisseurin
Mira Nair ("Monsoon Wedding")
unverhältnismäßig viel Mühe daran, dem Film
eine mehr oder minder subtile indische Präsenz angedeihen zu
lassen. Gut, der asiatische Subkontinent war als Quell des neuen
Reichtums sehr bedeutend für England in dieser Zeit, aber deswegen
gleich alle Leute ständig von Indien reden zu lassen, exotische
Tiere und Sklaven aus fernen Landen ins Bild zu rücken sowie
als Höhepunkt auch noch Becky vor dem König (!!) einen
- im historischen Zusammenhang betrachtet - skandalösen indischen
Tanz aufführen zu lassen, ist ein bisschen viel des Guten und
lenkt schlichtweg den Fokus von der eigentlichen Geschichte ab.
Und die hat schon genug Mühe, überhaupt anständig
erzählt zu werden.
Abgesehen von der etwas überzogenen Indisierung inszeniert
Nair den Film allerdings sehr sicher und elegant. Gerade ihr Bemühen,
die Szenerie möglichst authentisch erscheinen zu lassen und
daher viele Abend- und Nachtszenen tatsächlich nur von Kerzenschein
zu beleuchten, erinnert eindrucksvoll an Stanley Kubricks "Barry
Lyndon", ebenfalls
eine
Thackeray-Verfilmung. Insgesamt gelingt ihr eine zumindest handwerklich
und im historischen Detailreichtum überzeugende Literaturverfilmung.
Und auch das fast ausnahmslos britische Ensemble (u.a. Jim Broadbent
aus "Bridget Jones" und
Jonathan Rhys Meyers, der Fußballtrainer aus "Kick
it like Beckham") kann weitestgehend überzeugen -
fühlt man sich im Stoff ja auch Zuhause.
Als größte Fehlbesetzung erweist sich aber leider ausgerechnet
die einzige "Außenseiterin", Reese Witherspoon in
der Hauptrolle. Warum sie diesen Part bekam erscheint verständlich:
Sie öffnet diesem urbritischen Film den amerikanischen Markt
und hat sicherlich auch ein paar zahlungskräftige US-Investoren
mitgebracht. Doch trotz eines recht überzeugend aufgelegten
britischen Akzents ist sie schlicht zu amerikanisch für diese
Rolle: Es gelingt ihr nicht, den standardisierten Hollywood-Schauspielstil
gegen die eher theatralisch-historische Herangehensweise auszutauschen,
die der Stoff verlangt, und so wirkt sie über weite Strecken
mehr wie ein hübsches Püppchen als wie eine selbstbewusste,
berechnende Frau. Womit die Essenz des Charakters von Becky Sharp
leider auch verfehlt wird, denn ihre zwiespältige und egoistische
Persönlichkeit geht beinahe komplett verloren hinter Witherspoons
angeborener Niedlichkeit - man mag ihr einfach nie so richtig böse
sein, und diese für ihre gewohnten Hollywood-Rollen hervorragende
Eigenschaft ist hier einfach völlig fehl am Platz.
So erweist sich "Vanity Fair" schlussendlich als nett anzusehender, bunter Bilderbogen, schnell und unterhaltsam erzählt, jedoch ohne den nötigen Tiefgang oder überzeugende Dramaturgie. Zu oberflächlich begegnet man der ohnehin kaum zu bewältigenden Romanvorlage und kann ihr dementsprechend auch nicht gerecht werden. Selbst als Lieferant für kulturelles "Ich hab zwar nicht das Buch gelesen, aber den Film gesehen"-Halbwissen ist "Vanity Fair" daher nicht ausreichend.



Obwohl Story (verwaiste Göre versucht sich zur reichen High-Society-Lady aufzuschwingen) und Darsteller (wie z.B. Reese Witherspoon) durchaus einiges hergeben könnten, ist "Vanity Fair" letztendlich nicht mehr als ein spannungsarmer, aufgeblasener Kostümfilm ohne Witz, Ironie, Spannung und Charaktere, den man sich im Grunde wirklich hätte schenken können. Schade drum.
ich habe den film überhaupt nicht so toll gefunden, obwohl ich reese witherspoon eigentlich richtig gut finden.
fazit: den film anzuschauen hat sich nicht wirklich gelont:-(
Der Film, ist der ALLERBESTE Film den ich jeh gesehen habe!!!!!!!!!!
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