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Väter

Väter
familien-drama , deutschland 2002
original
regie
dani levy
drehbuch
rona munro
cast
sebastian blomberg,
maria schrader,
christiane paul,
ezra valentin lenz, u.a.
spielzeit
95 Minuten
kinostart
26. September 2002
homepage
bewertung

7 von 10 Augen

Job und Kinder, Liebe und Alltag - wie bekommt man das einigermaßen vernünftig unter einen Hut? Die Beziehung des jungen Ehepaares Marco (Sebastian Blomberg) und Melanie (Maria Schrader) ist jedenfalls an einem äußerst kritischen Punkt angekommen. Während die Karriere von Architekt Marco steil nach oben geht, sieht seine Familie nicht mehr allzu viel von ihm. Um den sechsjährigen Benny kümmert sich in erster Linie Melanie, die selbst als Lehrerin mitten im Berufsleben steht. Die Streitereien werden häufiger und heftiger und als Marco dann vor Anderen einen fatalen Vertrauensbruch begeht (den er selbst mal wieder gar nicht bemerkt), packt Melanie ihre Koffer. Sohn Benny nimmt sie mit und sein Vater muss fortan um sein Besuchsrecht kämpfen. Erst jetzt wird Marco klar, wie viel ihm sein Kind bedeutet, und als die Situation immer weiter eskaliert, greift er zu radikalen Mitteln und wird gezwungen einige grundsätzliche Entscheidungen zu treffen.

Obwohl das neue Werk von Dani Levy ("Meschugge") "Väter" heißt und wir das Geschehen daher auch in erster Linie aus der Sicht von Marco verfolgen, kommen hier doch beide Parteien zu ihrem Recht. Was nichts anderes heißen soll, als dass es in diesem Ehekrieg keinen wirklichen und alleinigen Schuldigen gibt. Eher erleben wir ein Kapitel aus der bitteren Serie "Was sich Menschen antun, die sich doch eigentlich lieben". Immer wenn einer nur einen kleinen Schritt auf den Anderen zugeht, bringt dessen Reaktion beide zwangsläufig wieder weiter auseinander. Dazwischen der kleine Benny, der nicht so recht versteht, warum er sich überhaupt zwischen seinen Eltern entscheiden muss. Die Entwicklung dieser Beziehung ist zwar sicher nicht repräsentativ (dafür eskaliert es hier ein bisschen zu sehr), aber doch in großen Teilen durchaus um Realismus und Glaubwürdigkeit bemüht.
Dass das Ganze dann auch tatsächlich einigermaßen funktioniert, liegt in erster Linie am erstklassigen Darstellerensemble, das Levy hier versammelt hat. Maria Schrader ist eigentlich sowieso immer gut und Sebastian Blomberg zeigt erstmals, dass in ihm etwas mehr steckt als der glatte Schönling aus "Anatomie" und "Was tun, wenn's brennt?". Wie klug diese Zusammenstellung gewählt war, beweist nicht zuletzt auch die private Beziehung, die sich zwischen Schrader und Blomberg nach den Dreharbeiten entwickelte.
Erfreulich auch, dass die sich offensichtlich abzeichnende Affäre mit Marcos Kollegin Illona dann doch nur zart angedeutet, aber nicht vollzogen wird - die meisten Autoren hätten da ohne Zögern etwas "Handfestes" draus gemacht. Der junge Ezra Valentin Lenz hält sich ebenfalls gut in einer sicher nicht einfachen Rolle und ist auch an der wohl schönsten Szene des Films beteiligt: Als Marco seinem Sohn zwei Haufen mit Kieselsteinen präsentiert - von denen einer die Tage darstellt die Benny seit der Trennung mit seinem Vater verbracht hat und der Andere diejenigen mit der Mutter - antwortet dieser auf die Frage was ihm daran auffalle: "Mama hat viel mehr Steine".

Weniger zum Gelingen des Films trägt allerdings der Einfall bei, dem Publikum ständig Aufnahmen mit der wackligen Digitalkamera und eher grobkörnige Bilder zu präsentieren. Als Stilmittel zur Erzeugung von mehr Authentizität überflüssig und für die Nerven des Zuschauers eher strapazierend, inklusive der am Computer bearbeiteten Farben und Kontraste. Als Notlösung aufgrund fehlender finanzieller Mittel ("Väter" wurde ohne Gelder der Filmförderung gedreht) aber gerade noch akzeptabel. Letztendlich steht hier aber die Erzählung im Vordergrund, und die ist dann auch insgesamt gelungen. Zumindest gut genug gelungen, um am Ende mehr Steine im Töpfchen als im Kröpfchen landen zu lassen.

Volker Robrahn

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