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Turn me on!

Turn me on!
coming-of-age-drama , norwegen 2011
original
fa meg pa, for faen
regie
jannicke systad jacobsen
drehbuch
jannicke systad jacobsen
cast
helene bergsholm,
henriette steenstrup,
matias myren,
malin bjorhovde, u.a.
spielzeit
77 Minuten
kinostart
15. Mai 2014
homepage
http://www.turnmeon.wfilm.de
bewertung

7 von 10 Augen

turn me on 1Sie ist ein 15jähriges Mädchen und sie denkt nur an das Eine – an Sex. Was bei gleichaltrigen jungen Männern aber halbwegs als „normal“ betrachtet wird, stößt in der Umgebung von Alma (Helene Bergsholm) auf großes Unverständnis. Ihre Mutter (Henriette Steenstrup) ist entsetzt als sie erfährt, dass ihre Tochter  sogar bei einer kostenpflichtigen Sex-Hotline angerufen hat und selbst bei ihren Mitschülern eckt sie oft an. Als ihr heimlicher Schwarm Arthur (Matias Myren) dann tatsächlich offensiv wird und sie mit seinem Geschlechtsteil anstupst erzählt Alma dies unvorsichtigerweise sofort ihren Freundinnen und hat fortan gewaltige Probleme. Denn Arthur streitet die Aktion ab und niemand glaubt Alma diese Geschichte. Ihr Status als Außenseiterin mit dem Spitznamen „Schwanz-Alma“ scheint fester zementiert denn je. Doch Lust auf Sex hat Alma immer noch und beschließt schließlich, ihr ungeliebtes Heimatkaff zu verlassen.

turn me on 2Der Titel und das Plakat von „Turn me on“ machen unmissverständlich deutlich, worum es in diesem Film geht, doch diese etwas gewollt wirkende Provokation hat das sehr um Realismus und Natürlichkeit bemühte Debüt der Regisseurin Jannicke Systad Jacobsen eigentlich gar nicht nötig. Und so gab es auch weniger einen Skandal als diverse Auszeichnungen zu verzeichnen in den nun schon gut drei Jahren, die der bereits 2011 gedrehte norwegische Film durch diverse Filmfestivals tourte und dabei unter anderem Preise für den besten Debütfilm (Rom) oder das beste Drehbuch (Tribeca) einheimste.

Wenn „Turn me on“ nun auch in einigen deutschen Kinos startet, liegt dabei natürlich der Vergleich mit dem vor wenigen Monaten einiges Aufsehen erregenden und ebenfalls mehrfach preisgekrönten Werk „Blau ist eine warme Farbe“ nahe. Auch dort ging es um die (ungeschminkte) Darstellung der sexuellen Bedürfnisse junger Frauen, auch dort wurde vor allen den Darstellerinnen viel „Mut“ attestiert. Lesbische Liebe oder eine ständige Geilheit (Alma bezeichnet sich im Film selbst als „spitz“) der weiblichen Hauptfigur sind tatsächlich Themen, denen man im Kino lange so gut wie gar nicht begegnete, obwohl es doch eigentlich naheliegt, dass diese Bedürfnisse bei vielen nicht weniger ausgeprägt sind als auf männlicher Seite.

turn me on 3Wie selbstverständlich dieser Wunsch tatsächlich ist und dass man als Betroffene kaum eine Wahl hat etwas dagegen zu tun, demonstriert Hauptdarstellerin Helene Bergsholm auf beeindruckende Weise. Es handelt sich hier nicht um einen Vamp oder eine Art Lolita, die offensiv ihre Sexualität zur Schau trägt, andere entweder vor den Kopf stößt oder ihnen eben diesen verdreht. Alma ist vielmehr ein recht sprödes, zurückhaltendes Mädchen, dass sich vornehmlich in Tagträume flüchtet, in denen sie ihre heimlichen Wünsche auslebt – und das heißt dann zwangsläufig zu masturbieren. Da muss im Zweifelsfall sogar der gar nicht mal besonders attraktive Chef des Supermarktes in dem sie arbeitet für die Fantasie herhalten oder zur Not auch die Pornohefte im Sortiment.

Für ihre Mutter ist die Erkenntnis, wonach es ihre noch längst nicht erwachsene Tochter giert, ein sogar nachvollziehbarer Schock, doch treibt deren Unverständnis Alma nur noch weiter in die Isolation. Dem Außenseiter- und Mobbing-Aspekt aufgrund der vermeintlich ausgedachten „Schwanz-pieks-Geschichte“ wird dabei sogar fast etwas zu viel Raum eingeräumt, denn obwohl auch dieser Part glaubwürdig erzählt wird, lenkt er letztendlich vom eigentlichen Hauptthema ab und bietet eben auch nichts, was man so nicht schon öfter gesehen hat.

Dies fällt deshalb durchaus ins Gewicht, weil „Turn me on“ mit einer Laufzeit von gerade mal 77 Minuten recht kurz geraten ist und gerade angesichts des ein wenig zu schnell und simpel die größten Probleme erst mal auflösenden Endes hätte man sich da noch ein wenig mehr Tiefgang an der einen oder anderen Stelle gewünscht, zumal es dann auch noch Nebenstränge um Almas Freundinnen gibt. Insgesamt ist „Turn me On“ aber ein hochinteressantes, oft berührendes und mitunter auch durchaus witziges Stück Kino geworden, dem man nur möglichst viele und interessierte Kinobesucher wünschen kann.

Volker Robrahn

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