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Wie erfolgreich dieser Film auch immer sein wird:
"Traumschiff
Surprise - Periode 1" ist bereits vor seinem Start zu
einem
einzigartigen Phänomen der deutschen Kinolandschaft
geworden.
Der ebenso unglaubliche wie unerwartete Mega-Erfolg von "Der
Schuh des Manitu" vor drei Jahren hatte aus dem
kleinen
Schelm Michael Bully Herbig im Handumdrehen den neuen
Superstar
der deutschen Kino- und Comedyszene gemacht, und weil der
Bully
gar nicht dumm ist und auch weiß, bei wem er sich zu
bedanken
hat, ließ er ganz basisdemokratisch gleich das Publikum
selbst
entscheiden, welche Gag-Nummer aus seiner kultigen TV-Show
"Bullyparade"
als nächstes
die Kinoleinwand stürmen sollte. Des Volkes Stimme
entschied
sich für das Tunten-Trek-Trio vom "Traumschiff Surprise",
und weil in der deutschen Filmlandschaft ein
bombensicherer Hit
so schwer zu finden ist wie ein neuer Nationaltrainer,
legte man
sich seitens Budget und PR so richtig ins Zeug: Daher
kommt nun
eine der teuersten nationalen Filmproduktionen aller
Zeiten, die
mit Teasern und Trailern schon seit über einem halben Jahr
Appetit auf das Hauptgericht machte. Und weil die
Filmemacher die
Unmengen von Interview-Anfragen niemals hätten bewältigen
können, veranstaltete man im Frühjahr bereits diverse
"Press Junkets" mit Fototermin und Pressekonferenz, um
besonders viele Medien gleichzeitig abfrühstücken zu
können
- und den Rest der Bevölkerung dann mit dem
Crossmarketing-Menü
bei McDonald's. So etwas passiert sonst eigentlich nur bei
Hollywood-Superhits.
Kurz und gut: Selten (oder eigentlich noch nie) hat das
Land so
sehr einer heimischen Produktion entgegen gefiebert, was
nicht nur
mehrere Millionen Kinozuschauer garantieren dürfte,
sondern
auch einen gewissen Erwartungsdruck mit sich bringt.
Deutlichstes
Zeugnis davon: Obwohl die Dreharbeiten schon vor über
einem
Jahr abgeschlossen wurden, waren Pressevorführungen erst
drei
Tage vor Bundesstart möglich - bis zur letzten Sekunde und
mit jeder Menge Überstunden hatte man an den
Spezialeffekten
gefeilt, um den unumstößlichen (weil für den Filmplot
selbst bedeutsamen) Starttermin am 22. Juli einhalten zu
können.
"Feilen
an den Spezialeffekten?" mag sich hier nun manch einer
wundern,
denn auch das ist eine Sache, die man eigentlich nur von
Hollywood-Streifen
kennt. Und das ist dann auch die erste Erkenntnis, die
sich nach
dem recht beeindruckenden Anfang von "Periode 1"
einstellt:
Was das auf der Leinwand zu sehen ist, dass hat rein
visuell tatsächlich
internationales Niveau. Womit dann auch bewiesen wäre,
dass
wir's hierzulande können, wenn wir nur wollen: Wo die
computeranimierten
Zuschauermassen in "Das Wunder von
Bern" als Referenz für hiesige Digital-Schmieden noch
mehr als peinlich waren, präsentiert "Periode 1"
schon in den ersten Minuten eine "Star Wars"-Parodie,
die sich hinterm Original nicht zu verstecken braucht - da
steht
der Mund dann nicht vor Lachen, sondern erstmal vor
Staunen offen.
Gelacht
wird im Folgenden natürlich auch, und zwar reichlich.
Womit
die größte Angst dann auch aus dem Weg geräumt wäre:
Weder Erwartungsdruck noch aufwendige Trickserei können
den
urlustigen Keim von Bully und Konsorten ersticken, und die
Abenteuer
von Captain Kork, Spuck und Schrotty auf der großen
Leinwand
stehen dem komödiantischen Meisterstreich des
Vorgänger-Films
in (fast) nichts nach. Auch hier geht es grenzenlos albern
zu, und
die Story von "Periode 1" mischt fröhlich parodistische
Anleihen sowohl aus "Star Trek" als auch "Star Wars"
für möglichst breiten Lacherfolg: Im Jahre 2304 wollen
die Bewohner des einstmals von der Erde aus besiedelten
Mars ihren
Mutterplaneten erobern, und die schon beinahe geglückte
Invasion
kann nur noch durch eines aufgehalten werden: Eine
Zeitreise zurück
ins Jahr 2004, um am 22. Juli (wie gesagt, ein
Plot-relevantes Startdatum)
den ersten außerirdischen Kontakt der Menschheit und damit
die Besiedlung des Mars zu verhindern, mit der dieser
ganze Schlamassel
angefangen hatte (das ist natürlich höherer Blödsinn
und macht so gut wie keinen Sinn, aber das ist in diesem
Falle wirklich
vollends egal). Und weil alle verlässlichen Truppen schon
besiegt
sind, bleibt als einzige Rettung nur die Crew vom
(T)Raumschiff
Surprise übrig, die nun also den erhofften Strandurlaub
bei
der Miss Waikiki-Wahl verschieben muss für eine
menschheitsrettende
Zeitreise.
Die
führt - dank dem etwas unzuverlässigen Reisegefährt
(man sollte auch kein Sofa als Zeitmaschine benutzen …) -
allerdings
erstmal nicht ans gewünschte Ziel, und so entfaltet sich
über
mehrere Zeitsprünge und Epochen für den Rest des Films
eine rasante und bestens unterhaltende Gag-Revue, die nur
ganz am
Rande so etwas wie einen stringenten Plot besitzt und sich
genau
genommen auch nicht viel darum schert.
Warum auch: Die Stärken von Bully und seinen kreativen
Komik-Kollegen
bestehen in aberwitzigen Charakteren und dazu passender,
absurder
Situationskomik - höherer Blödsinn in Reinkultur, den
man eigentlich für strunzdämlich halten würde, wenn
er nicht so schlichtweg genial wäre. Und so erweist sich
auch
"Periode 1" wie sein Vorgänger als das stellenweise
brillante Werk eines absoluten Ausnahmetalents der Comedy,
denn
Michael Bully Herbig ist nicht nur ein begnadeter Komiker,
sondern
einer der besten Regisseure, die in diesem Lande
rumlaufen. Schon
bei seinem Regiedebüt, dem ersten Film von "Erkan
& Stefan", war Bullys Inszenierung das beste am
ganzen
Streifen, und hier beweist er erneut sein präzises Gespür
für eine Bildsprache, die gerade durch das Anlehnen an den
konventionellen Hollywood-Stil genau diesen treffsicher zu
parodieren
weiß. Da werden Schnitte, Kameraeinstellungen und
Soundtrack-Einsätze
haargenau nach berühmten Vorbildern orchestriert
(offensichtlichstes
Beispiel: Die von George Lucas in den "Star Wars"-Filmen
massenhaft eingesetzten Sweep-Effekte beim Szenenwechsel)
und dabei
gleichzeitig durch die gespielte Ernsthaftigkeit ironisch
gebrochen
und so der Lächerlichkeit preisgegeben: Bully parodiert
Hollywood
besser, als Hollywood es selber könnte.
Hinzu
kommt ein nach wie vor beeindruckender Einfallsreichtum
für
kleine Gags am Rande, die schon beim "Schuh des Manitu"
das Salz in der Suppe waren und zum Mehrfach-Sehen
einluden (um
auch erst dann die wahre Brillanz des Ganzen ersichtlich
zu machen).
Wenn im Bildvordergrund gerade Til Schweiger als
obercooler Space-Taxifahrer
Rock vorfährt, und im Bildhintergrund ein harmlos Gassi
gehender
Pudel das Wort "Help!" an die Wand pinkelt, dann kann
man Bully für seine "Ein Gag geht noch rein"-Philosophie
nur dankbar sein - wie bei Comedy-Legenden vom Formate Tex
Averys
oder der Marx Brothers wird man auch bei Bully dermaßen
mit
Gags bombardiert, dass man sich alsbald geschlagen geben
muss. Da
erweist sich eine wirklich gute Komödie dann nicht mehr
als
ein Film, bei dem immerhin jeder zweite Gag sitzt, sondern
als ein
Film, bei dem man im Witz-Gewitter nur noch jeden zweiten
Gag überhaupt
mitbekommt.
Trotzdem ist auch "Periode 1" nicht frei von Makeln und
auch nicht durchgehend so brüllend komisch wie erhofft.
Die
Story kommt über ein zusammen geschraubtes Episodenstück
nicht hinaus und wirkt dementsprechend manchmal wie eine
Sketchparade
mit Spielfilmlänge und Millionenbudget. Auch nicht
sonderlich
gelungen ist der leider für nötig befundene
Romantik-Subplot:
Da die drei Hauptcharaktere die Vorzeige-Tucken der
Galaxis sind,
wird dieser abgeschoben auf Til Schweigers Taxifahrer und
die zu
rettende Prinzessin Metapha. So wirkt das Liebesgesäusel
zum
einen mächtig aufgezwungen und leidet zum anderen
darunter,
dass Til Schweiger immer noch kein guter Schauspieler ist
und auch
Anja Kling als Metapha im direkten Vergleich mit Marie
Bäumers
Uschi im "Schuh des Manitu" vom komödiantischen Talent
her nur zweite Siegerin bleibt.
Das soll's mit den Negativpunkten aber auch schon gewesen
sein,
denn schließlich hat man bei "Periode 1" vor lauter
Lachen sowieso keine Zeit, um darüber nachzudenken.
Stattdessen
stellen wir lieber hocherfreut fest, dass Bully seine
Feuerprobe
bestanden hat, denn der Nachfolger zum großen Durchbruch
ist
bekanntermaßen immer das schwierigste Werk. "Periode
1" wird den in ihn investierten Erwartungen gerecht, und
eine
Publikumsresonanz, die auch den einmaligen
Produktionsaufwand ausgleicht,
ist hoffentlich garantiert. Seine historische
Sonderstellung hat
er - wie gesagt - ohnehin schon sicher: Deutschlands
erster kalkulierter
Multimillionen-Blockbuster. Da kann sich wirklich einer
als Stolz
der nationalen Filmwirtschaft bezeichnen.
P.S.: Im Abspann gibt's natürlich die allseits
beliebten Outtakes,
wer wirklich alles sehen will, sollte allerdings auch dann
noch
sitzen bleiben, wenn alle anderen bereits den Kinosaal
verlassen
haben.
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