Joel Schumacher musste Wiedergutmachung leisten.
Nach seinen
zwei Bonbon-Batman-Filmen von Fans und Kritikern
kollektiv
abgewatscht, stand es schlecht um seinen Ruf als
Regisseur
mit
Friss
Dreck! Bozz
bekommt schnell zu spüren,
was mangelnder Gehorsam für Konsequenzen hat.
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künstlerischem Anspruch. Der erste Versuch, verlorenes
Territorium
zurückzugewinnen, hieß "8 Millimeter" doch diese
Auseinandersetzung
mit dem Skandalthema Snuff-Movies war nach wie vor
zu glatt,
roch zu sehr nach kalkulierter Kontroverse (wie
schon bei
Schumacher's bisherigem Meisterstück "Falling
Down"). "Makellos"
entpuppte sich als schlecht geschriebenes Vehikel
für Robert
de Niro und Philip Seymour Hoffman, der gute Ruf
immer noch
im Eimer. Solch eine Situation verlangte nach
radikalen Maßnahmen,
und diese tragen den Titel "Tigerland": Joel
Schumacher's
Beitrag zum Vietnam-Thema kommt ohne namhafte Stars
aus, hat
angeblich weniger als eine Million Dollar gekostet
und versteht
sich so vor allem als verzweifelter
Freischwimmversuch vom
Kommerz-Kino. Und zumindest das ist geglückt.
Wie macht man indes einen Vietnam-Film für so wenig
Geld?
Allein die exotischen Drehorte müssten doch Unsummen
verschlingen.
Die Lösung ist einfach: Schumacher konzentrierte
sich auf
die letzte Ausbildungsetappe der zukünftigen
Rekruten, ein
Aspekt des Krieges, der, abgesehen
Die
Jungs lassen
sich nicht so leicht ans Bein
pissen: Colin Farrell (re.) und Matthew Davis
als
Bozz und Paxton.
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vom legendären ersten Drittel in Kubrick's "Full Metal
Jacket",
bisher in der filmischen Behandlung sträflich
vernachlässigt
wurde. Im sumpfigen Hinterland von Louisiana ist das
Drehen
preiswerter, und genau dort liegt auch das
titelgebende "Tigerland",
ein beinhartes Trainingscamp und "das Ähnlichste zum
vietnamesischen
Dschungel, was wir auf amerikanischem Boden haben".
In diesem
Vorhof zur Hölle, der letzten Durchlaufstation vor
der Abfahrt
nach Südostasien, trifft ein ungleicher Haufen
Rekruten aufeinander,
die markantesten von ihnen der romantisch verklärte
Paxton,
der sich von Kriegserlebnissen literarische
Inspirationen
verspricht, wie sie einst Hemingway groß machten,
und der
aufmüpfige Bozz. Der scheint vor allem auf eines
aus: Ärger.
In der strikt auf Gehorsam ausgerichteten Armee
macht er sich
mit seiner konsequenten Befehlsverweigerung
natürlich alles
andere als beliebt, und provoziert auch bei seinen
Kameraden
sehr unterschiedliche Reaktionen. Während Paxton und
andere
seinen Mut bewundern, hat der zum Platoon-Führer
ernannte
Miter seine liebe Not mit dem unbeugsamen Charakter,
und Leute
wie der engstirnige Wilson sind eigentlich nur noch
sauer.
Klar, Bozz will raus aus der Armee, was aber gar
nicht so
einfach ist.
Wochenende:
Bozz
und Paxton auf der Suche
nach netter Gesellschaft.
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Erstens, weil die Armee Leute nicht ohne triftigen
Grund
gehen läßt, und zweitens, weil in Bozz ein
Führungspotential
steckt, daß man nur ungern ungenutzt lassen will.
Hier ungefähr fängt das Problem von "Tigerland" an,
der es
sich, bei all seiner hautnahen Intensität,
streckenweise zu
einfach macht und manche Fragen gar nicht erst
aufwirft, um
sich vor der Antwort zu drücken. So tritt Bozz als
unbestreitbar
kluges Kerlchen auf, der die Bestimmungen und Regeln
der Armee
so gut kennt, daß er genau weiß, wie man am
leichtesten wieder
raus kommt. Ein Wissen, von dem im Verlaufe des
Films mehrere
seiner Kameraden profitieren. Weshalb jedoch Bozz
selber sich
nicht mit einem dieser windigen Tricks aus dem Staub
macht,
um so dem Krieg auf völlig legalem Wege zu entgehen,
bleibt
ein Mysterium. Ähnlich mysteriös wie die Beweggründe
Wilsons,
dessen Wut auf Bozz ohne nachvollziehbare Motive im
Laufe
des Films zu einer fixen Idee hochstilisiert wird.
Das daraus
resultierende Duell, immerhin tragend für das letzte
Viertel
des Films, bleibt damit substanzlos und hinterläßt
den faden
Nachgeschmack eines billigen Tricks zum
Spannungsaufbau.
Was schade ist, denn eigentlich hat "Tigerland" so
etwas gar
nicht nötig: Vom Dänen-Dogma inspiriert, gelingt dem
Film
mit seiner körnigen Handkamera eine
wirklichkeitsnahe Visualisierung,
In
anderen Filmen
haben sich Leute hier erschossen:
Bozz und Miter führen eine problem-orientierte
Diskussion auf dem stillen Örtchen.
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die an tatsächliche Armee-Übungsfilme aus den 60ern
erinnert.
Das mehr gedankliche Duell zwischen dem den Sinn des
Krieges
hinterfragenden Bozz, der damit die kritische
Haltung der
damaligen Gesellschaft personifiziert, und der
Funktionsweise
einer Armee - nicht denken, nur gehorchen - bietet
nicht nur
genug Material für die erste Hälfte des Films,
sondern hätte
bei voller Konsequenz durchaus für mehr gereicht.
Daß "Tigerland"
diese komplexen Trampelpfade jedoch verläßt und
gegen Ende
doch wieder mehr auf erprobte Marschrouten setzt,
mag daran
liegen, daß Meister Schumacher doch nicht so recht
von seinen
Leisten lassen mag. Der Schluß biedert sich zu sehr
der konventionellen
Moral an, um dem subversiven Charakter des Films
wirklich
gerecht zu werden. Schade drum.
So erweist sich als positivster Effekt von
"Tigerland" letztlich
die Tatsache, daß eine Horde äußerst
vielversprechender Jungdarsteller
ihr Gesicht zeigen durfte, wobei speziell Colin
Farrell als
Bozz bleibenden Eindruck hinterläßt. Und Joel
Schumacher darf
jetzt auch mal wieder Popcorn-Kino machen, ohne das
gleich
wieder alle über ihn herfallen. Solang er die Finger
von Batman
läßt.
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