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Tierisch wild

Tierisch wild
animations-komödie , usa 2006
original
the wild
regie
steve williams
drehbuch
mark gibson
cast
kiefer sutherland,
eddie izzard,
william shatner,
jim belushi, u.a.
spielzeit
81 Minuten
kinostart
1. Juni 2006
homepage
bewertung

4 von 10 Augen

Der Löwe Samson ist unangefochtener Anführer der Tiere des Zoos im New Yorker Central Park. Sein Sohn Ryan bewundert zwar den Vater, leidet jedoch genauso unter dessen starker Persönlichkeit und der Tatsache, nicht auch in der Wildnis aufgewachsen zu sein. Als Ryan eines Tages durch sein unbedachtes Verhalten die anderen Tiere in Gefahr bringt und sich frustriert in einen Container trollt, transportiert ihn dies ungewollt aus dem Zoo in Richtung Hafen. Vater Samson macht sich umgehend auf die Suche, unterstützt von einer Handvoll Vertrauter in Person von Nigel, dem Koala und Zoo-Maskottchen, dem Eichhörnchen Benny, der Giraffe Bridget und Anaconda Larry. Nach einem kurzen Streifzug durchs glitzernde New York entdecken sie schließlich Ryan, können aber nicht mehr verhindern, dass dieser im Container verschifft wird. Die Gruppe geht ebenfalls mit an Bord des Schiffes und wird es erst auf einer wilden afrikanischen Insel wieder verlassen, die von gefährlichen Biestern und einem unheimlichen Kult beherrscht wird.

Ja, ist es denn zu glauben? Das klingt nicht nur so ähnlich, sondern fast einhundertprozentig nach der Geschichte von "Madagascar", und man muss sich schon wundern, wieso es bei all den theoretisch möglichen Storyideen gleich zwei großen Animationsstudios einfällt, einen Film über die Abenteuer einer Gruppe Tiere aus dem New Yorker Zoo zu machen, die es auf eine fremde afrikanische Insel verschlägt. Auch wenn natürlich klar ist, dass dieser Film nicht erst nach dem Erfolg von "Madagascar" auf den Weg gebracht wurde, sondern mehrere Jahre der Vorbereitung in Anspruch nahm und beide Filme fast parallel entwickelt wurden, ist das alles schon sehr merkwürdig und man darf gerne mal spekulieren, ob da nicht doch einer beim anderen irgendwie gewildert hat.
Nun, zuerst draußen war auf jeden Fall die Dreamworks-Produktion, und es wird Disney auch Nichts nützen, mit ihrem "Tierisch Wild" nun noch ein gutes Jahr bis zur Veröffentlichung gewartet zu haben. Der im Presseheft verbreitete Slogan "Das kommt Ihnen bekannt vor - na und?" wirkt dabei weniger dreist als fast schon verzweifelt. Denn dies ist nicht nur der von vornherein benachteiligte Zweitgeborene, sondern einfach auch der deutlich schwächere Film.

Wobei dies nicht unbedingt für die Qualität der Animation gilt. Hier setzt man sich deutlich von "Madagascar" ab, indem man statt eines eher einfach gehaltenen Cartoonstils auf eine betont realistische Animation der Figuren setzt. Das sieht eigentlich auch ganz gut aus und ergibt dann eine bisher ungewohnte Mischung aus moderner Computeranimation und klassischem Zeichentrickhintergrund, die sich zudem auch von den Pixar-Produktionen und dem mittelmäßigen Disney-Computer-Erstling "Himmel und Huhn" unterscheidet.
Nicht zuletzt aufgrund dieses Zeichentrick-Looks fühlt man sich aber gleich bei der Eröffnungsszene erstmal an einen anderen Klassiker aus dem gleichen Hause erinnert: Wenn Vater Löwe Sohn Löwe eine abenteuerliche Geschichte aus der Wildnis erzählt, blitzt nämlich kurz der Verdacht auf, hier in eine weitere der unsäglichen "König der Löwen"-Fortsetzungen geraten zu sein, die es versehentlich auf die Leinwand geschafft hat.
Und erschreckend unoriginell geht es dann auch weiter, mit routiniert abgespielten Slapstickeinlagen und einem tiefen Griff in die Kiste der typischen schrägen Nebenfiguren. Bei denen ist die ungewöhnliche Liebesgeschichte zwischen den nicht ganz kompatiblen Eichhörnchen und Giraffe noch die amüsanteste, aber auch hier gilt: "Die Pinguine waren besser".
Viele Gags und Sprüche verfehlen zudem ihre Wirkung, wirken müde und uninspiriert. Dazu gesellt sich die skurrile und ziemlich anstrengende Geschichte um den bösen Kult der "Wilden Biester" und ihre Opferungen, der fast die gesamte zweite Filmhälfte bestimmt. Größter Schwachpunkt ist aber die Hauptgeschichte, ein abgegriffener Vater und Sohn - Konflikt samt "dunklem Geheimnis", der zu keiner Sekunde überraschen oder gar fesseln kann.

So gibt es dann nur ein paar vereinzelte Höhepunkte, die den erwachsenen Betrachter kurz aus der Lethargie reißen, wie die Autofahrt durchs nächtliche New York zu den Klängen von Coldplays "Clocks" oder das wirklich witzige Schildkröten-Curling. Die Kinder werden wohl ein wenig mehr Spaß an diesem recht flach und banal inszenierten Abenteuer haben, allerdings auch nur wenn sie "Madagascar" noch nicht gesehen oder schon wieder vergessen haben.

Volker Robrahn

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