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Thunderbirds

Thunderbirds
scifi-komödie , usa 2004
original
thunderbirds
regie
jonathan frakes
drehbuch
william osborne
cast
bill paxton,
ben kingsley,
sophia myles,
brady corbet, u.a.
spielzeit
90 Minuten
kinostart
30. September 2004
homepage
bewertung

4 von 10 Augen

 

Alan Tracy hat es nicht leicht: Als jüngster Spross seines Clans muss er noch zur Schule gehen, während seine Brüder ständig Heldentaten vollbringen. Denn Alans Familie ist eine ganz besondere, die unter der Führung des Milliardärs und Ex-Astronauten Jeff Tracy von ihrem Stützpunkt "Tracy Island" aus zu allen Krisen- und Katastrophenbrennpunkten der Welt ausrückt. Mit Hilfe ihrer fantastischen Einsatzfahrzeuge, den "Thunderbirds", ist ihnen bisher noch jede Rettungsmission gelungen. Bis eines Tages der ultrafiese Meisterverbrecher "The Hood" einen teuflischen Plan ersinnt, die Tracys in die Falle lockt und die Kontrolle über deren Ausrüstung übernimmt. Die letzte Hoffnung der Familie (und natürlich des Restes der hilflosen Menschheit) liegt dann plötzlich bei ihrem einzigen noch frei herumlaufenden Mitglied - dem viel zu jungen und unerfahrenen Alan.

Und bei seinen beiden besten Kumpeln. Und bei der sexy Agentin Lady Penelope samt schlagkräftigem Chauffeur, die flugs zur Rettung eilen. Und wer bis hierher noch nicht gemerkt hat, dass es sich bei den "Thunderbirds" nicht um einen ernsthaft glaubwürdigen Thriller handelt, hält wahrscheinlich "Streetstyle" auch für ein aufwühlendes Jugend- und Sozialdrama. Denn die Mär von den tapferen Weltrettern und ihren Donnervögeln stammt eigentlich aus den seligen sechziger Jahren, und entsprechend naiv hört sich dieses Konzept dann heute auch an. Hoffnungslos antiquiert ist daher auch die Vorstellung einer superreichen Familie von fehler- und eigenschaftslosen Gutmenschen, die so cool sind, dass alle Knaben der Welt davon träumen einmal dazu zu gehören.
Da aber jeder halbwegs bekannte Markenname einer einigermaßen erfolgreichen Fernsehserie heutzutage wieder ausgegraben wird, ignorierten die Macher der Neuauflage also die berechtigte Frage nach dem "Warum?" und stritten sich nur über das "Wie?", das aber kräftig. Denn dieses Projekt stand von Anfang unter einem schlechten Stern, wovon die mehrmalige Änderung des Grundkonzepts, schwierige Dreharbeiten und die zahlreichen Unmutsäußerungen der Fans im Vorwege zeugen. "Fans, welche Fans?" mag der Unbedarfte da ausrufen, denn hierzulande sind die "Thunderbirds" ja nicht gerade ein Kernelement der Popkultur. Ganz anders jedoch bei den manchmal etwas verschrobenen Briten, denn die lieben die alten Puppenserien ihres Gerry Anderson geradezu abgöttisch. Denn um nichts anderes handelte es sich bei der Vorlage, eine absolut ernsthafte Geschichte, präsentiert mittels Puppen und Spielzeugautos. Wobei der Grund für diese seltsame Mischung noch nicht einmal eine besondere Liebe und Kreativität war, sondern lediglich der Mangel an Geld für eine reale Darstellung. Erst in den Siebzigern produzierte Anderson dann "richtige" Serien wie "UFO" und "Mondbasis Alpha 1" - wobei böse Zungen behaupten, dass die menschlichen Schauspieler darin oft noch hölzerner agierten als ihre animierten Vorgänger.

Diese Fans also liefen Sturm gegen eine Realverfilmung und nach langem hin und her liegt das Ergebnis nun vor und ist ein wirklich abenteuerlicher Mix geworden. Da haben wir die Fokussierung auf den pubertierenden jugendlichen Helden um dieser Zielgruppe eine Möglichkeit zur Identifikation zu geben. Da präsentiert man uns staunende Kindergesichter (die nächste Zielgruppe), die bei jedem Auftauchen eines der supercoolen Fahrzeuge vor Begeisterung ausrasten. Und damit auch die Altfans ein bisschen Spaß haben, spielt all das vor einer poppig bunten Plastikkulisse und der Luxusbungalow der Tracys sieht tatsächlich immer noch so künstlich aus wie anno dunnemals.

Das kann also eigentlich nicht funktionieren und aus kommerzieller Hinsicht hat es das auch nicht. Das junge amerikanische Publikum konnte mit diesem komischen altmodischen Spektakel so rein gar nichts anfangen und ignorierte es daher komplett. Für den verdienten ersten Offizier der Enterprise unter Captain Picard könnte diese verdaddelte Chance daher auch ein schnelles Ende vom Traum einer erfolgreichen Karriere als Regisseur außerhalb des "Star Trek"-Universums bedeuten, denn so schnell wird man Jonathan Frakes wohl kein üppiges Budget mehr zur Verfügung stellen. Und trotzdem: Ein "bisschen Spaß" (siehe oben) macht das Ganze schon, denn gerade die Kulissen haben wirklich Charme, Langeweile kommt nur selten auf und zudem gibt uns Ben Kingsley dann noch einen herrlich überzogenen Bösewicht. Was letztendlich dazu führt, dass die Erwachsenen mit dem Kinderfilm "Thunderbirds" vielleicht sogar etwas mehr Vergnügen haben als die Jüngsten. Es ist aber auch ein Kreuz mit diesen unberechenbaren Zielgruppen.

Volker Robrahn

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