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Thema Nr. 1

Thema Nr. 1
komödie , deutschland 2001
original
regie
maria bachmann
drehbuch
maria bachmann
cast
nicole marischka,
antje schmidt,
katarina klaffs,
sissy höfferer, u.a.
spielzeit
87 Minuten
kinostart
9. August 2001
homepage
bewertung

7 von 10 Augen

Ein Film über vier Frauen, die über die gesamte Länge nur über Männer reden. Und die ganze Zeit ist nicht ein einziger Mann zu sehen. Nur die Frauen, die reden. Kann Mann sich überhaupt so einen Film angucken? Oder noch viel schlimmer: Kann Mann sich darüber überhaupt ein Urteil erlauben? Mann kann, sowohl das eine, als auch das andere. Denn das gucken macht Spaß, und das Urteil fällt eindeutig positiv aus.
Die vier Frauen, mit denen wir es hier zu tun haben, sind: Paula, eine frivole Lektorin, die sich wieder mit einem ehemaligen One-Night-Stand einlässt; Gabi, eine vollkommen durchschnittliche Reisekauffrau, deren Trennung von ihrem Freund Costas sich bedenklich in die Länge zieht; die selbstbewußte Designerin Jutta, mit ihrem um einiges jüngeren Lover anscheinend mehr als zufrieden; und Franziska, Arzthelferin und gleichzeitig Freundin eines Urologen, der auch Vater ihres Kindes, aber (noch) nicht ihr Ehemann ist. Und diese vier Damen quatschen nonstop über diese vier (und noch ein paar andere) Herren, mit all dem Selbstmitleid, -betrug, -bewußtsein und -zweifel, den das anscheinend mit sich bringt.
Der Rezensent sagt anscheinend, denn sicher sein kann Mann sich da ja nicht so ganz, als Vertreter der Hälfte unserer Spezies, die bei solcherlei Gesprächen per definitionem nicht anwesend sein darf. Gerade deshalb entpuppt sich "Thema Nr. 1" (passender Titel, denn um nichts anderes geht es hier) aber speziell für den männlichen Zuschauer als höchst interessant und amüsant, bekommt Mann doch endlich einmal, wenn auch reichlich überspitzt, all die neurotischen Spinnereien vorgeführt, die Frau in verschiedenen Stadien von Beziehungen (oder deren Ausbleiben) so durchmacht. Daß an dem wahren Kern der Tratschereien auf der Leinwand kein Zweifel aufkommt, dafür sorgen die zielsicher und feinsinnig geschliffenen Dialoge, die Maria Bachmann ihren Darstellerinnen in den Mund gelegt hat. Die sitzen punktgenau und passen sich elegant den verschiedenen Charakteren an. So ist Franziska zwar den ganzen Tag von männlichen Geschlechtsteilen umgeben und hat sich von ihrem Chef schwängern lassen, bleibt aber immer noch so versteift, daß sie grundsätzlich nur von "Verkehr" spricht, und nicht von irgendwelchen unanständigen Dingen. Gabi hält indes, offensichtlich davon überzeugt, daß das Scheitern ihre Beziehung an ihr selbst liegt, Vorträge über Feng Shui und anderen Blödsinn dieser Art, denen natürlich niemand zuhört. Vor allem nicht Paula, die ihre Probleme grundsätzlich für die wichtigsten und interessantesten hält, wenn sie nicht gerade damit beschäftigt ist, das Blaue vom Himmel herunter zu lügen, um ein erfülltes Sexualleben vorzutäuschen, daß sie gar nicht hat. Und die erfolgreiche und selbstsichere Jutta wird es auch nicht lange auf ihrem hohen Roß halten.
Die Typen sitzen. Bachmann achtete bei ihren Darstellerinnen konsequent aufs Talent, besetzte keine verhinderten Models sondern Frauen, die genug Natürlichkeit und auch Durchschnittlichkeit ausstrahlen können, um in den banalen Alltagsproblemen ihrer Figuren überzeugend zu wirken. Die kleinen Details wie Holland-Räder, Strickpullis und Mitgröhlen zu "I will survive" erledigen den Rest. Um dem natürlich schwer dialoglastigen Film ein wenig Tempo zu geben verließ sich Bachmann auf eine emsige Handkamera, die dem Ganzen gleichzeitig einen gewissen authentischen Charme verleiht. Einfache, aber wirksame Mittel. Ein bißchen übertrieben hat's die Dame auf dem Regiestuhl dann aber doch, und das leider handwerklich falsch: Zahlreiche Szenen sind mit Jump-Cuts auf flott getrimmt, wobei diese jedoch nur räumlich, nicht aber zeitlich hüpfen. Resultat: Das Ganze wirkt unnötig gestellt und künstlich und ruiniert ein wenig die Wirkung.

Und was lernt Mann nun aus diesem Film? Frauen sind niederträchtig, intrigant, verlogen, eingebildet, egoistisch, zickig, launisch, unsicher, und nur zu anderen Frauen noch gemeiner als zu sich selbst. Und am Ende sind sie dann doch wieder die besten Freundinnen. Verstehen tut Mann das zwar nicht unbedingt, aber es ist trotzdem nett, es zumindest mal zu sehen. Frau wird an diesem Film ganz bestimmt ihren Spaß haben, denn Wiedererkennungswert und Wortwitz dürften dafür sorgen, daß sie zünftig über sich selbst lachen kann. Und Mann sollte sich diesen Film schon allein wegen einer der letzten Szenen angucken, wenn die vier Damen wieder beieinander sitzen und Paula postuliert, heute abend einmal gar nicht über Männer reden zu wollen. Das daraufhin einsetzende betretene Schweigen nimmt der unverbesserliche Macho in uns dankend auf als Bestätigung, daß Frau nicht nur nicht ohne uns kann, sondern ohne uns auch nix zum tratschen hätte. Was für Frauen wie die in "Thema Nr. 1" mit Sicherheit dem Weltuntergang gleichkäme. ;-))

Frank-Michael Helmke

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