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The Yards

The Yards
drama , usa 2000
original
the yards
regie
james gray
drehbuch
james gray, matt reeves
cast
mark wahlberg,
joaquin phoenix,
charlize theron,
james caan,
faye dunaway, u.a.
spielzeit
115 Minuten
kinostart
26. April 2001
homepage
bewertung

5 von 10 Augen

Kaum ist Leo Handler (Mark Wahlberg) aus dem Knast raus, da sitzt er schon wieder mitten in der Scheiße: Sein Jugendfreund Willie Gutierrez (Joaquin Phoenix), für den Leo ins Gefängnis ging, ist die rechte Hand von Frank Olchin (James Caan), einer der mächtigsten Männer in den Industriegebieten von Queens, „the Yards“ genannt. Der ehrgeizige Willie erledigt für seinen Chef die Drecksarbeit, denn der Erfolg dessen Firma für die U-Bahnlinien der Gegend hängt zum größten Teil von Bestechung und Sabotage ab. Unvermittelt wird Leo wieder in das Milieu hereingezogen. Und wie es so kommen muss: Beim ersten gemeinsamen Einsatz ermordet Willie einen Mann, Leo schlägt einen Polizisten nieder und flieht. Als gesuchter Mörder wird er für alle Beteiligten zum Sicherheitsrisiko und er erfährt sehr schnell, dass Freundschaft und Ehre in den Grauzonen der Gesellschaft rapide im Kurs fallen können. Unterstützt wird Leo nur noch von Willies Freundin Erica (Charlize Theron) und seiner kranken Mutter Val (Ellen Burstyn). Als aber auch diese bedroht werden, schlägt der Sündenbock Leo zurück...

„Timing ist alles!“ Das diese Weisheit nicht nur für Komiker und Sprengmeister gilt, sondern auch für Regisseure ist irgendwie klar. Womit wir schon beim Hauptproblem von „The Yards“ sinnt: Abgesehen von dem Western „Tombstone“ (mit Kurt Russell und Val Kilmer) gibt es wohl kaum einen Film, bei dem wirklich gute Einzelleistungen durch völlig missratenes Timing derart abgeschwächt werden, wie hier. Regisseur James Gray bekam für sein Debüt „Little Odessa“ einige Kritikerpreise und noch mehr Kritikerlob. Vielleicht wollte er deshalb etwas ganz Großes machen. Einzig: Er verwechselt Atmosphäre mit Stillstand, Spannungsaufbau mit Retardierung. Sein in der Grundkonstellation und vielen Drehbuchwendungen an eine klassische Tragödie angelehnte Geschichte erstarrt ob ihrer eigenen Schwermut, ihres eigenen Pathos. Und verhindert so einen guten Film eines wirklich guten Ensembles.

Darstellerleistungen und Charaktere in „The Yards“ sind in der Tat bemerkenswert. Mark Wahlberg spielt seine Rolle mit für den ins Unglück stolpernden Leo passender Zurückhaltung, Phoenix gibt wie schon in „Gladiator“ den babygesichtigen Killer und sein glattes Gesicht scheint für diese Rolle wie geschaffen. Einzig Charlize Theron enttäuscht von der hoffnungsvollen Jungschauspielergarde, von ihrer im unvorteilhaften Pseudo-Junknutten-Look herumlaufenden Figur bleibt kaum etwas hängen. Ganz stark dagegen Altstar James Caan als väterlicher Gangsterboss. An seiner Rolle werden auch die leider verschenkten Stärken des Drehbuchs deutlich: Wie die umgebenden Hinterhöfe gibt es auch hier kaum Schwarz und Weiss, sondern nur grau. Und so ist Caans Gangsterboss ein eigentlich nur hart arbeitender Familienvater, der das beste für seine Lieben will. Und eben auch ein knallharter skrupelloser Mann, der für seinen Erfolg über Leichen geht. Diese Ambivalenz adelt das Drehbuch, doch es nützt wenig. Die inszenatorischen Schwächen und vor allem das nicht vorhandene Erzähltempo lassen all diese Meriten schnell, genauer gesagt, langsam vergessen in den vielleicht längsten 115 Minuten, die man derzeit im Kino verbringen kann.

„The Yards“ spaltet die Gefühle des Zuschauers beträchtlich. Inmitten des Thrillers, der nicht so recht thrillen will, ist so manche darstellerische Glanzleistung versteckt, will so manche wirklich feine Passage entdeckt werden. Einzig: man braucht Geduld und Sitzfleisch dazu. Denn leider nimmt sich gegen das Betrachten dieses Films das Betrachten von trocknender Wandfarbe beizeiten wie eine aufregende Beschäftigung aus.

Simon Staake

10

Ich verstehe die Filmwelt nicht mehr. Hat der Rezensent etwa einen komplett anderen Film gesehen? Mich hat das düstere Gangsterdrama mit seiner tollen Atmo, der ruhigen Inszenierung und den bärenstarken Darstellerleistungen überzeugt. Da gibt es überhaupt nichts zu kritisieren. Hier wollte wohl jemand wieder bewusst gegen den Strom des Lobes schwimmen und hat verzeifelt Haare in der Suppe gesucht, wie die völlig unverständliche Degradierung von Charlize Theron. Ich bin komplett anderer Meinung. Für mich ist "The Yards" ein kleines Meisterwerk und zeigt nebenbei die beste Leistung von Mark Wahlberg bisher. Und eine Bitte hätte ich noch an alle Kritiker (oder die sich dafür halten): Bitte lasst diese hirnrissigen Vergleiche von langweiligen Tätigkeiten wie dem Betrachten trocknender Wandfarbe mit dem Gucken eines Films. Wir wissen alle, wie wortgewandt und lustig ihr seit, aber diese Unart nervt und kommt meistens dann zum Einsatz, wenn die eigenen Argumente rar gesät sind...

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