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The Sentinel - Wem kannst du trauen?

The Sentinel - Wem kannst du trauen?
thriller , usa 2006
original
the sentinel
regie
clark johnson
drehbuch
george nolfi
cast
michael douglas,
kiefer sutherland,
kim basinger,
eva longoria,
david rasche, u.a.
spielzeit
108 Minuten
kinostart
15. Juni 2006
homepage
bewertung

6 von 10 Augen

 

Eine Portion Cleverness, gepaart mit einer Spritze Kreativität und einem richtigen Antagonisten, das hätte aus "The Sentinel" noch einen wirklich unterhaltsamen Politthriller machen können. Doch während das Casting einen mit der Zunge schnalzen lässt, vermag die Story des neuesten Michael Douglas-Streifen nur ein gelangweiltes Schulterzucken hervorzurufen. Eine gute halbe Stunde lang versteht es der Film noch, für kurzweilige Unterhaltung zu sorgen, doch dann sind selbst überzeugende Darsteller machtlos angesichts einer Handlung, die nach der Exposition in Punkto Spannung und Wendungen locker von jeder Episode "24" in den Schatten gestellt wird. Immerhin gelingt deren gefeiertem Hauptdarsteller Kiefer Sutherland nach den Kurzauftritten vergangener Jahre ("Taking Lives", "Nicht auflegen") mit "The Sentinel" ein durchaus überzeugendes Kino-Comeback. Da verzeiht man auch gerne, dass er im Grunde seinen "24"-Charakter Jack Bauer fast eins zu eins auf die große Leinwand kopiert.

Agent Jack Bauer, Verzeihung, Agent David Breckinridge (Kiefer Sutherland) wird damit betraut, den mysteriösen Mord an dem Secret Service-Agenten Charlie Merriweather (Regisseur Johnson himself) aufzuklären. Dieser hatte kurz vor seinem Tod noch auf ein dringendes Gespräch mit seinem Kollegen und Freund Pete Garrison (Michael Douglas) gedrängt, der sich in den Augen von Breckinridge schon bald durch merkwürdiges Verhalten verdächtig macht. Breckinridge ahnt nicht, dass es nicht nur der Mord an seinem Freund ist, der Garrison schwer zu schaffen macht. Der gute Pete sieht sich nämlich auch noch gleichzeitig einem Erpresser ausgesetzt, dem nicht entgangen ist, dass Garrison heimlich eine Liaison mit der First Lady (Kim Basinger) pflegt. All dies scheint dann noch im Zusammenhang mit einer mysteriösen Warnung zu stehen, nach der sich im Secret Service ein Maulwurf befindet, welcher ein Attentat auf den US-Präsidenten (David Rasche) plant. Garrison sieht sich also nicht nur mit einem unbekannten Erpresser und den hartnäckigen Ermittlungen Breckindriges konfrontiert, sondern muss gleichzeitig auch noch die Sicherheit des bedrohten Präsidenten garantieren.

Eigentlich klingt das ja nach genügend Konfliktmaterial für 108 Minuten, doch so verheißungsvoll diese Zutaten auch auf dem Papier aussehen mögen, so enttäuschend spannungsarm ist letztendlich das Resultat. Wirklich packende Politthriller waren leider rar gesät in den letzten Jahren, und auch diese Romanadaption kann nur bedingt seine Existenz rechtfertigen. Das Hauptproblem liegt dabei in einer Story, welche die Möglichkeiten, sein Publikum zu überraschen, ohne eines Blickes zu würdigen einfach links am Wegesrand versauern lässt.
Dabei beginnt eigentlich alles relativ vielversprechend, versteht der Film es doch in der ersten halben Stunde gekonnt, die verschiedenen Konflikte und ein gewisses Grundinteresse an seinen Protagonisten zu etablieren. Dann springen aber Einfallsreichtum und Intelligenz Hand in Hand von Bord und der Film steuert auf Autopilot in Richtung eines allzu routinierten und überraschungsarmen Finales. Auf dem Weg dorthin verabschiedet man sich dann auch relativ schnell von einigen zu Beginn noch durchaus interessanten Nebenplots: So dürfen die arme Kim Basinger und Eva Longoria in der letzten Stunde lediglich als stupide Stichwortgeber für ihre zwei männlichen Kollegen agieren.

Stattdessen konzentriert sich "The Sentinel" lieber auf Garrisons Ermittlungen, welche sich aber nur mit viel Wohlwollen als faszinierend oder gar fesselnd beschreiben lassen. So darf der Zuschauer zum Beispiel zwei Minuten lang Garrison über die Schulter schauen, wie dieser Fingerabdrücke in einem Labor analysiert. Wäre das Ergebnis dieser Analyse zumindest überraschend, könnte man dieser stark an "CSI" erinnernden Sequenz zumindest noch etwas abgewinnen. Doch die meisten Erkenntnisse die Garrison in seinen Ermittlungen gewinnt, sind oft derart vorhersehbar oder, noch schlimmer, belanglos, dass es nur dem wie immer charismatisch aufspielenden Douglas zu verdanken ist, dass man nicht vollkommen das Interesse an dessen Figur verliert.

Glücklicherweise gibt es da aber auch noch Kiefer Sutherland, der in bester Jack Bauer-Manier mit taktischen Anweisungen um sich wirft und mit gezückter Waffe Terroristen auf den Leib rückt. Wie in der Serie versteht es Sutherland auch hier, trotz Anzug und Krawatte eine faszinierende Mischung aus aggressiver Coolness und instinktgetriebener Killermentalität zu schaffen. Das ist dann stellenweise so beeindruckend, dass man sich fast wünscht Sutherland hätte die Hauptrolle übernommen. So überrascht es dann auch nicht, dass die gemeinsamen Szenen von Sutherland und Douglas zu den Highlights des Films gehören.
Leider reicht das aber nicht wirklich aus um die Spannung über die volle Laufzeit aufrechtzuerhalten, da Breckinridge letztendlich auch kein wirklicher Antagonist ist. Genau hier liegt ein weiteres Übel des Films begraben, denn in diesem Punkt hätte "The Sentinel" sich mehr von dem artverwandten "In the Line of Fire" beeinflussen lassen sollen. Einen faszinierenden Bösewicht der Marke John Malkovich sucht man hier vergebens, stattdessen treten die wahren Drahtzieher nur im Finale und dann auch äußerst farblos und austauschbar auf. Dem Film fehlt dann leider auch ein wirklich zufriedenstellendes Ende, denn nicht nur bleibt bei diesem ein wenig die Logik auf der Strecke, es wird auch eine etwas zu stark patriotisch angehauchte Prise Reue und Verantwortung hinzugefügt.

Vielleicht hätte ein wirklich brillanter Regisseur das Ganze trotzdem noch zu einer kurzweiligen Angelegenheit machen können, doch nach temporeichem Beginn bekommt Clark Johnson mit jeder Minute spürbare Schwierigkeiten den Schwung des Films hochzuhalten. Streckenweise wird zwar dann versucht durch ungewöhnliche Kameraeinstellungen zusätzliches Feuer zu entfachen, doch mit der spannungsarmen Inszenierung des Finales kapituliert Johnson dann letztendlich doch noch vor der mageren Storyvorlage.
So liegt es alleine an der guten ersten halbe Stunde und zwei überzeugenden Hauptdarstellern, dass man "The Sentinel" zumindest noch einen halbwegs annehmbaren Thriller nennen darf. Serien-Fans dürfen dazu noch den Auftritt von "Sledge Hammer" als US-Präsident addieren, bei dessen erstem Erscheinen man sich nur schwer ein Grinsen verkneifen kann. Doch all das sind eher kleinere Freuden, die vielleicht noch einen gemütlichen TV-Abend, aber nicht das Geld für ein Kinoticket rechtfertigen. Gute Darsteller in einem etwas zu spannungsarmen Thriller, das reicht leider nicht aus um die Erinnerungen an "In the Line of Fire" verblassen zu lassen.

Matthias Kastl

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