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The Score

The Score
krimi-thriller , usa 2001
original
the score
regie
frank oz
drehbuch
scott marshall smith, daniel e. taylor, kario salem, lem dobbs
cast
robert de niro,
edward norton,
marlon brando,
angela bassett, u.a.
spielzeit
124 Minuten
kinostart
9. August 2001
homepage
bewertung

4 von 10 Augen

Es ist der Knackpunkt in der Karriere eines jeden Meisterdiebes, das wissen wir aus unzähligen ähnlichen Filmen: Der letzte, große Coup. Das eine Ding, bevor man in die Rente geht; das Ding, das noch mal richtig dick Kohle bringt. Der glorreiche, krönende Abschluß, um sich dann auf den Bahamas in Ruhe das Fell bräunen zu lassen. Auch Nick Wells (Robert De Niro) steht vor dem Ende seiner Diebeskarriere. Schließlich führt er daheim in Montreal einen gutgehenden Jazzclub, hat in Diane (Angela Bassett) eine gutaussehende und ihn liebende Freundin und wird allmählich zu alt für die Strapazen dieses Geschäfts. Sein alter Geschäftspartner und Freund Max (Marlon Brando) sitzt jedoch finanziell ziemlich in der Tinte und überredet Nick deshalb zum letzten großen Ding, das alle dagewesenen Brüche in den Schatten stellt: Aus dem örtlichen Kunstmuseum gilt es, ein antikes französisches Zepter zu stehlen. Woher die Edelganoven davon wissen? Max' Bekannter Jack Teller (Edward Norton) hat sich als geistig zurückgebliebenes Mitglied des Reinigungsteams dort eingeschlichen. Widerwillig stimmt Nick der Teamarbeit mit dem arroganten Jungdieb zu und die beiden tüfteln einen gewieften Einbruchsplan aus. Natürlich kommt es wie es kommen muß, und der alternde Einbrecher muß mehr als nur einmal improvisieren ...

"What about Bob?" heißt nicht nur der letzte rundherum gelungene Film von Regisseur Frank Oz, sondern darf auch als programmatische Leitfrage bezüglich der Karriere des Robert De Niro gelten. Während sich dieser nämlich in letzter Zeit vermehrt und durchaus erfolgreich als Komiker versuchte ("Reine Nervensache", "Meine Braut, ihr Vater und ich"), waren seine letzten Versuche im dramatischen Fach eigentlich durch die Bank ein Schlag ins Wasser: Schlappe Regieleistungen, miserabel geschriebene Rollen und nicht zuletzt recht hölzerne Leistungen von Herrn De Niro selbst ließen nacheinander "Makellos", "Men of Honor" und "15 Minuten" abbuddeln. Leider ist keine Besserung in Sicht, denn auch hier gibt es nur De Niro-by-numbers, teilnahmslos und vermutlich immer mit Gehaltsscheck im Hinterkopf gespielt.

Richtig ärgerlich wird so was allerdings, wenn der Götzenanbetung anheimgefallene Kritiker solche Leistungen, die im Duell mit Jungdarstellern wie Philip Seymour Hoffman oder Ben Stiller erspielt werden, durch sinnentleerte Phrasen wie "De Niro genügen eben Nuancen, um seinen jungen Gegenüber an die Wand zu spielen" adeln. Aber Dünnpfiff bleibt Dünnpfiff, auch wenn er von jemand unbestritten Genialem wie Robert de Niro kommt, und Nuancen genügen De Niro schon lange nicht mehr. So wird er von Edward Norton in der undankbaren Rolle des jungen Heißsporns zwar nicht gerade an die Wand gespielt, aber dieser macht wenigstens nicht einen ganz so müden Eindruck. Zumal sich die Drehbuchautoren alle Mühe gaben, und mit Nortons Alibi-Identität ein Trumpfass aus dem Ärmel holen. Wie in seinem genialen Durchbruch "Zwielicht" darf Norton zwei grundverschiedene Charaktere spielen, und das macht hier ohne Frage Spaß. Retten tut es dieses mediokre Filmchen nicht.

Was vor allem an den bereits erwähnten Drehbuchautoren liegt: Wie können nur drei Mann zusammen etwas derart Langweiliges zustande bringen wie das Drehbuch zu "The Score"? Nach der kreuzlangweiligen Eingangssequenz schwant einem bereits Böses und man wird dann auch zu ein hundert Prozent bestätigt. Ist schon der "Letzter Coup vor dem Ruhestand"-Plot nicht unbedingt der Gipfel der Innovation (um es mal freundlich auszudrücken), so sieht man dann zu, wie ohne jegliche Verve die gängigen Stationen (Plan, Probleme, Improvisation, etc.) abgespult werden. Das schlimmste jedoch ist, das man geschlagene zwei Stunden auf eine Pointe wartet, die einfach nicht kommen will. So bieder und langweilig wie dieser Film begann, endet er auch. Höhepunkte? Fehlanzeige. Überraschungen? Aber auf gar keinen Fall. Trotzdem sehenswert? Nein.

"The Score" hat alle Anzeichen für das, was man "Routinearbeit" nennt. Professionell heruntergedreht, aber ohne irgendwelche nennenswerten Ambitionen seitens irgendeines Beteiligten. Bei dieser Besetzungsliste schon fast ein Frevel. Das erstaunlichste am ganzen Projekt ist lediglich die Frage, wie man Marlon Brando zur Mitarbeit überreden konnte. Kompromittierende Fotos vielleicht? Schließlich ist Herr Brando ja nicht gerade für ein Butterbrot zu bekommen, und ein privater Gefallen für den Regisseur kann auch ausgeschlossen werden. Seine Gefechte mit Frank Oz, den Brando angeblich nur als "Miss Piggy" (nach dessen Karriere als Sprecher der Schweinediva) ansprach, wurden von der Klatschpresse begeistert begleitet. Jedenfalls ist Marlon Brandos Beitrag genauso wenig erwähnenswert wie der Rest des Films und daher sind die 15 Mark Kinogeld für "The Score" in nem Video und nem Sixpack besser angelegt. And what about Bob? Next time, hopefully.

Simon Staake

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