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The Royal Tenenbaums

The Royal Tenenbaums
familien-komödie , usa 2001
original
the royal tenenbaums
regie
wes anderson
drehbuch
wes anderson, owen wilson
cast
gwyneth paltrow,
ben stiller,
owen wilson,
danny glover,
bill murray,
gene hackman,
angelica houston,
luke wilson, u.a.
spielzeit
103 Minuten
kinostart
14. März 2002
homepage
http://www.royaltenenbaums.com/
bewertung

8 von 10 Augen

Das Familienfoto. Darf man vorstellen: Familie Tenenbaum. Zuallererst, dort in der Mitte, ist Royal Tenenbaum (Gene Hackman), der seine Familie vor zwanzig Jahren verlassen hat und nun versucht, sie wiederzugewinnen, und das mit allen, zumeist halbseidenen, Mitteln. Dann direkt daneben seine Frau Ethel (Angelica Houston), die danach ihre Familie alleine aufzog und aus allen drei Sprösslingen Wunderkinder machte: Chas, das von Angstattacken geplagte Finanzgenie (Ben Stiller) - dort im roten Trainingsanzug - , Margot, die zutiefst verstörte Dramatikerin (Gwyneth Paltrow) - deutlich erkennbar an den verzogenen Mundwinkeln - , und Richie (Luke Wilson), der der Welt entzogene Tennis-Champ, den alle nur ‚Baumer' riefen - dort hinten, der mit dem traurigen Hundeblick. Kein Familienfoto wäre jedoch perfekt ohne den Anhang: Der Mensch mit dem Bart und dem leicht tranigen Blick dort hinten, das ist Raleigh St. Clair (Bill Murray) - der berühmte Verhaltensforscher und Margots zweiter Ehemann - , und dann in der anderen Ecke haben wir Henry Sherman (Danny Glover), ein enger Freund der Familie und Ethels Finanzberater. Was, wer? Ach, der komische Bursche mit dem Cowboyhut da vorne? Na das ist Eli Cash (Owen Wilson), der beste Freund der Tenenbaum-Kinder aus der Nachbarschaft und mittlerweile Autor schrecklichst trivialer Westernschmöker ... Ja, in der Tat. Was für eine Familie.

Dysfunktionale Familien sind ja eigentlich das Standbein eines jeden sich selbst respektierenden Dramas. Die Eltern getrennt, die Kinder mit Neurosen bepackt wie der Weihnachtsmann mit Geschenken. Das riecht ja förmlich nach Sozialkitsch oder nach beklemmendem Schicksal, nach Tragik, Tränen oder zumindest dem RTL-Mittwochsdrama der Woche. Nicht jedoch, wenn wir es mit einem Film von Wes Anderson zu tun haben. Der ist noch in Erinnerung für den Geheimtip "Rushmore" und bleibt auch mit seinem neuesten Film in Schräglage - und in großartigen Unterhaltungsgefilden.
Ja, ein wenig mehr kalkuliert als seine vorherigen Filme fühlt sich "The Royal Tenenbaums" schon an, ist aber immer noch majestätisch genug, um die obligatorisch platte Konkurrenz hinter sich zu lassen. Anderson nimmt einen relativ simplen und konventionellen Plot - die Anstrengungen, mit denen der gewiefte Gauner und Betrüger Royal seine Familie wieder zusammenführen will - und füllt ihn mit grandios neurotischen Figuren, teilweise fantastischer Slapstick und eigentlich überflüssigen Popkulturornamenten - wie den bereits erwähnten grässlichen Trainingsanzügen von Ben Stiller. Dass Anderson solcherlei Spirenzchen gar nicht nötig hat, beweist sein größter Coup in diesem Film. Dieser funktioniert, weil wir nicht nur über die Figuren hier lachen können - sondern auch mit ihnen fühlen. Anderson findet das trauernde Herz in jeder seiner Figuren, und daher kann und will man sie durch die teilweise absurden bis surrealen Momente begleiten, aus deren Aneinanderreihung "The Royal Tenenbaums" besteht.
Was nicht heißen soll, der Film wäre nicht einheitlich. Im Gegenteil, zu einheitlich fühlt sich diese wie in einem mit unserer Realität nur entfernt verwandtem Paralleluniversum entstandene Tragikomödie an, so einheitlich ist sie in ihren versponnenen Ideen, das man sich vollkommen darauf einlassen muss. Wer dies tut, dem bietet dieser Film viele große und kleine, lustige und traurige Momente - Momente, die sich vielleicht erst Stunden später in ein Grinsen oder einen Kloß im Hals verwandeln. Ehrlicher und wahrhaftiger als die oftmals zu berechnenden Dramen ist Andersons Schelmenstück da allemal.

Zusammengehalten wird das Ganze wenig überraschend vom in der Tat großartigen Ensemble. Wie schon in "Ocean's Eleven" sind hier alle gut, aber sie können nicht die gleiche Leinwandzeit bekommen. Am eklatantesten (und ein wenig enttäuschend) wird dies bei den Komödienveteranen Bill Murray und Danny Glover deutlich, die schlichtweg viel zu wenig zu tun bekommen. Auch Ben Stiller als vom Vater malträtierter und daher verbitterter Sohn Chas geht leider in der zweiten Hälfte des Films auf Tauchstation. Andererseits braucht es schon einen besonderen Regisseur um Gwyneth Paltrow eine gute Leistung abzuringen, und Anderson gelingt das Kunststück. So wie hier - und so gut wie hier - hat man Miss Paltrow bisher noch nicht gesehen. Die Show gehört natürlich im Grunde genommen trotzdem nur einem - und Gene Hackman macht in seiner monolithischen Verkörperung des vermutlich charmantesten Arschlochs der Welt die erwartet grandiose Figur. Mit dem richtigen Drehbuch im Rücken kann dieser alte Knochen noch immer richtig rocken - sein Royal Tenenbaum ist liebens- und hassenswert zugleich, so komisch wie skrupellos und so ausgekocht wie rührend. Zu simple Läuterungen erspart sich dieser Film gleichwohl: Royal Tenenbaum ist am Anfang des Films ein charmanter Halunke - und bleibt das auch. Gottlob.

"The Royal Tenenbaums" ist für Freunde der etwas abgedrehten Unterhaltung ein wahrlich königliches Vergnügen. Man mag da jetzt entgegenhalten, dass Andersons Skurrilität teilweise ein wenig gezwungen daher kommt, und hat damit teilweise auch recht - z.B. im doch etwas zu bemüht chaotischen Finale. Oder bemängeln, dass diese Studioproduktion, die für sich vereinnahmt, außerhalb der gängigen Ware zu spielen, nicht weit genug außerhalb ist. Aber das war "American Beauty" im Grunde genommen auch nicht, und trotzdem ein cineastisches Fest. Statt zu lamentieren, sollte man sich daran erfreuen, dass es Filme wie "The Royal Tenenbaums" gibt, die auf ihre nahezu autistisch skurrile Art seltsam berührend sind. Man betrachtet diese merkwürdigen, zutiefst menschlichen Figuren, weiß nicht, ob man lachen oder weinen soll, und freut sich dann, dass man für zwei Stunden an ihren denkwürdigen Schicksalen teilnehmen kann. Beautiful Losers - was wären wir nur ohne sie?

Simon Staake

10

alle wes anderson filme sind irgendwie brilliant! aber dieser hier ist ein echtes geschenk und wird hoffentlich mal ein kultfilm...

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