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The Place Beyond The Pines

The Place Beyond The Pines
action-drama , usa 2012
original
the place beyond the pines
regie
derek cianfrance
drehbuch
derek cianfrance, ben coccio, darius marder
cast
ryan gosling,
bradley cooper,
eva mendes,
ray liotta,
dane dehaan,
bruce greenwood,
mahershala ali, u.a.
spielzeit
140 Minuten
kinostart
13. Juni 2013
homepage
bewertung

8 von 10 Augen
place beyond the pines

neon rider„The Place Beyond The Pines“, das ist die Stadt Schenectady im Staat New York. Dies ist was der Name der Stadt bedeutet, abgeleitet von dem Namen, den die Mohawk-Indianer der Siedlung der holländischen Einwanderer gaben. Und um uns daran zu erinnern fügt Regisseur Cianfrance immer wieder Einstellungen ein in denen wir sehen, wie Charaktere durch den Wald fahren, oder wie Häuser in der Stadt von Bäumen gesäumt sind. Shau-naugh-ta-da, der Platz hinter den Kiefern, trägt seinen Namen und seine Geschichte immer mit sich. Gleiches gilt auch für die Bewohner der Stadt, denen Cianfrance sich widmet. Namen, und das Gewicht ihrer Geschichte, dies ist Cianfrance wichtig in diesem Film um Väter und Söhne, um die Sünden der Väter und was diese für ihre Familien bedeuten.

Zwei Männer und ihre Familien stehen hier im Mittelpunkt: Luke Glanton (Ryan Gosling) ist Motocrossfahrer, der sich als „Handsome Luke“ in Stuntshows eines wandernden Jahrmarkts mehr schlecht als recht verdingt und gerade in Schenectady Station macht. Als er von Romina (Eva Mendes) erfährt, dass er sein One-Night-Stand zum Vater eines Sohnes gemacht hat, beschließt er zu bleiben, um seinem jungen Sohn nahe zu sein, sehr zum Unwillen von Rominas neuem Freund Kofi (Mahershala Ali). Nachdem Luke anfängt, mit seinem neuen Kumpel Robin (Ben Mendelsohn) Banküberfälle zu begehen, führt ihn dies früher oder später auf einen Kollisionskurs mit dem jungen, ehrgeizigen Cop Avery Cross (Bradley Cooper). Viele Jahre später werden die Söhne der beiden, Lukes Sohn Jason (Dane DeHaan) und Averys Sohn AJ (Emory Cohen) mit den Taten ihrer Väter konfrontiert...

Und mehr möchte man hier vorerst auch gar nicht zu Einzelheiten der Geschichte sagen, denn auch wenn nicht alle Storyentwicklungen in sich komplette Überraschungen sind, so ist es zumindest überraschend, wie diese Stories erzählt bzw. montiert werden. Ohne zuviel zu sagen ist zu erwähnen, dass die 140 Minuten des Films auf ein Triptych verteilt sind, drei ineinander verzahnte Geschichten, die „The Place Beyond The Pines“ einen thematischen und erzählerischen Reichtum geben, den so viele Filme aus Hollywood heute vermissen lassen.

rominaUnd genau das werfen manche Kritiker Derek Cianfrance nun vor, wenn sie bemängeln, dieser Film sei überambitioniert. Das ist er zweifellos, aber wer zieht denn bitte einen fehlerfreien Film ohne Ambitionen einem nicht perfekten, aber ambitionierten Film vor? Ich jedenfalls nicht. Und es ist auch unfair, Cianfrance nach seinem brillanten „Blue Valentine“ jetzt darauf festnageln zu wollen, dass er doch bitte weiter intime Dramen mit begrenzter Schauspieler- und Setanzahl drehe, weil er mit „Blue Valentine“ so brillant zeigte, dass er dies gut kann. Also geht der Autor und Regisseur  hier in die gegensätzliche Richtung, nimmt sich Genrematerials an und erzählt dieses in einem 16 Jahre umfassenden Quasi-Epos mit Dutzenden Figuren, das jedoch die intimen Momente und Beobachtungen, die Cianfrance im Vorgänger so gut einfing, nicht außer Acht lässt. Dass er den Film mit einem fast zweieinhalbminütigen tracking shot beginnt, der Luke von seinem Wohnwagen quer über den Jahrmarkt bis zu seinem Motorrad und an die Metallkugel, in der er seine Stuntshow zeigt, folgt, macht ebenfalls deutlich: Cianfrance will hier nicht kleckern, er will hier klotzen.

Der mit Kameramann Sean Bobbitt gefundene Stil wechselt je nach Protagonist und Situation. Wenn Luke auf seinem Motorrad unterwegs ist, findet der Film denkwürdige Tableaus wie den Moment, in der er in der Dämmerung vor einer grünen Ampel verharrt, das Bankgebäude auf der anderen Straßenseite studierend. Actionreichere Szenen wie Lukes Motorradfahrt durch den Wald oder die Banküberfälle werden per Handkamera eingefangen. Die dann unvermeidlichen Verfolgungsjagden filmt Cianfrance ab wie Reality-TV-Shows à la „Cops“, die gesamte motorisierte Jagd auf Luke sehen wir aus dem Cockpit der Streifenwagen. Diese Mischung aus unterschiedlichen Darstellungen kennzeichnet letztlich das Universum des Films, der sich weder vollkommen dem ausdrucksstarken, metaphorischen Stil eines „Drive“ verschreibt, noch gänzlich dem Realismus, den besonders die Polizeiszenen ausmachen, sondern einen Mittelweg zwischen beiden sucht und findet.

Avery„The Place Beyond The Pines“ hat leider etwas, was wir das „True Romance“-Syndrom nennen wollen: Der erste Teil des Films ist so stark und hat so denkwürdige Charaktere, dass der folgende Teil – obwohl ebenfalls gut – einfach nicht an diesen Auftakt heranreicht. Und Cianfrances dreiteilige Struktur erweist sich insofern als Schwachpunkt, als dass jeder der folgenden Teile etwas schwächer ist als sein Vorgänger – von dem brillanten ersten Teil über den interessanten zweiten bis hin zum leider etwas vorhersehbaren dritten. Bemerkenswert ist auch, dass jeder der drei Teile thematisch und stilistisch anders daherkommt.

Dass der Film also mit zunehmender Laufzeit etwas an Stärke einbüßt, hat dann zum einen mit den Darstellern zu tun, zum anderen mit dem Drehbuch, dass manchmal zu wenig gibt, weil es zu viel will. Ryan Gosling ist hier eindeutig wieder der charismatischste Darsteller und hat auch die charismatischste Rolle, folglich kommt der von ihm beherrschte Anfang am Besten herüber, auch wenn sein wortkarger, saucooler Einzelgänger natürlich ein wenig an seine Rolle in "Drive" erinnert. Aber eben doch nicht so ganz, denn während jener ja wirklich in jeder Situation völlig cool war, ist Luke eben doch ein Stück realistischer, gerät während seiner Banküberfälle auch schon mal in Panik oder muss sich nach all dem Stress erstmal übergeben. Gosling und Mendes haben sich während der Dreharbeiten dieses Films ineinander verliebt (und sind seither zusammen, angeblich geht es demnächst Richtung Standesamt), und Junge, das sieht man den beiden an. Funken sprühen zwischen diesen beiden, so dass man ohne Probleme Romina abnimmt, warum sie ihre stabile Lebenssituation für einen Hallodri wie Luke in Gefahr bringt.

Zudem steht Gosling mit dem Australier Ben Mendelsohn (grandios in "Animal Kingdom", einem Tipp für alle Freunde des Krimidramas) ein ebenfalls unglaublich charismatischer Darsteller an der Seite, der auch in seiner kleinen Rolle als Lukes Komplize Robin nahtlos Charme und Bedrohung zusammenführt. Bradley Cooper, der ja gerade die beste Zeit seiner Karriere hat, bemüht sich redlich, mit Goslings Intensität mitzuhalten, was ihm immerhin fast gelingt, zudem hat seine Rolle als Cop mit Gewissensbissen weniger deutliche Möglichkeiten zu glänzen. Cooper kann aber zumindest mithalten, während Rose Byrne als seine Ehefrau gegenüber Eva Mendes deutlich ins Hintertreffen gerät, was an ihrer quasi nicht-existenten Rolle liegt. Hier sieht man dann auch die angesprochenen Schwächen, paardenn Jennifer ist eh schon ein dünn geschriebener Charakter und einige ihrer Entscheidungen werden vom Script zu hastig und ohne Hintergrund präsentiert.

Gerade der Zeitsprung nach etwa anderthalb Stunden erweist sich hier als Knackpunkt. Zwar hat man die wichtigen Momente, aber es fehlt etwas an Zwischentönen. Zumal der Schlussteil dann ein Ungleichgewicht der Darsteller und ihrer Rollen offenbart. Averys Sohn AJ wandelt als Hip-Hop-Gangsta-Klischees johlender Bad Boy ganz nahe am Klischee (und manchmal auch drüber) , was noch dadurch verstärkt wird, dass Emory Cohen seinem erklärten Idol, dem jungen Marlon Brando nacheifert.  Man will Cohen nicht voreilig das Talent absprechen, aber diese Ali G-meets-Brando-Mischung sticht inmitten der naturalistischen Performances um ihn doch ziemlich heraus, was nicht unbedingt ein Vorteil ist. Lukes Sohn Jacob wird dagegen von Dane DeHaan dargestellt, der im letzten Jahr in „Chronicle“ beeindruckend zeigte, was er drauf hat. Mit der dort und hier gezeigten Intensität ist es kein Wunder, dass DeHaan als neuer Harry Osborn für den nächsten Spiderman-Film ausgewählt wurde.

Es gibt auch thematische Gründe für die leichten Schwächen im Schlussdrittel. Jede Aktion hat Konsequenzen. Jede Konsequenz hat Auswirkungen, die nicht sofort abzusehen sind. Determinismus spielt eine große Rolle in „The Place Beyond The Pines“. Kann eine Reihe von Entscheidungen, oder auch nur eine einzige, den Rest eines Lebens bestimmen, oder gar das Leben unserer Kinder? Hastige, nicht durchdachte Entscheidungen von Luke und Avery kommen zusammen, um das Leben ihrer Familien für immer zu ändern, und auch das ihrer Kinder. Diese Unvermeidlichkeit überschattet den letzten Akt dieses Films, was eventuell auch eine Schwäche darstellt. Denn während der Film in den ersten 90 Minuten altbekannte Genrethemen neu und teils unvermutet zusammengesetzt hat, so hängt über der letzten Dreiviertelstunde das Verständnis, dass die Sünden der Väter ihre Kinder einholen werden und ein erneuter Kollisionskurs unvermeidlich ist. Das hat dann zwar durchaus spannende und beklemmende Momente, kann aber nicht ganz mithalten mit dem, was vorher kam.

Den Kreislauf,Luke den seine Geschichte und ihre Protagonisten beschreiben, fängt Cianfrance in Parallelen ein, bei denen wiederum der Wald (der somit dem Filmtitel weiteren Sinn gibt) eine Rolle spielt. Luke trifft Robin dort, was letztendlich den Beginn seiner Bankräuberkarriere besiegelt, Avery ist dort später mit seinem Kollegen (Ray Liotta) und besiegelt den weiteren Verlauf seiner Laufbahn. Wir sehen eine Einstellung, in der Luke auf seinem Motorrad die von Bäumen gesäumte Straße entlangfährt, anderthalb Stunden später fährt sein Sohn auf seinem BMX-Rad genau dieselbe Straße entlang. Die Einstellung ist gespiegelt, das gleiche wunderbare Musikthema spielt: Vater und Sohn über Jahrzehnte getrennt und vereint in Schicksals Bahn.
 

Wie gerne hätte man „The Place Beyond The Pines“ die Großartigkeit zugeschrieben, nach der sich dieser Film so offensichtlich sehnt und die er in flüchtigen Momenten auch mehr als einmal erreicht. Aber letztendlich bleibt dieser Film 'nur' ein ehrgeiziger, erzählerisch mutiger und guter Film mit einigen kleinen dramaturgischen Schwächen. All die genannten Kritikpunkte könnten jetzt dazu verleiten, die obige Bewertung des Films in Frage zu stellen, nach dem Motto „Warum acht Punkte, wenn es soviel zu meckern gibt?“. Ganz einfach: Weil einzelne Teile des Films so gut sind, dass man sich gewünscht hätte, der gesamte Film hätte diese Brillanz durchgehalten. Und dass er das nicht geschafft hat, lenkt nicht davon ab, wie gut dieser Film über den größten Teil seiner Laufzeit ist. Wenn etwa Howard Hawks' „Red River“ ein unbestrittenes Meisterwerk mit einem verkorksten Ende ist, dann ist „The Place Beyond The Pines“ ein gescheitertes Meisterwerk, dessen Schwächen den Film aber nicht weniger sehenswert machen. Von Derek Cianfrance dürfen wir also weiterhin Großes erwarten.

Simon Staake

Kann der Kritik nur

8

Kann der Kritik nur zustimmen, finde ihn sehenswert mit Schwächen , das Schauspiel btreffend ist mal wieder Ryan Gosling hervorzuheben, war nie entäuscht von seiner Arbeit (naja Gangster Squad mal ausgenommen)

Ein besserer Film der letzten eher mauen Monate.

Absolute Topdarsteller! Ich

10

Absolute Topdarsteller! Ich finde jede einzelne groessere Rolle hervorragend besetzt (uebrigens auch die des Sohnes von Avery - solche junge "Idioten" gibts grad in Nordamerika genug, und die "wichtigen" Jahre seines Aufwachsens sind ja voellig offen gelassen) und gespielt. Das ist schon selten genug. Dazu ein Einzaehlformat das endlich einfach abweicht von den dem was man gewoehnt ist bzw. wenn, ist es dann eben oft doch nur Quark...
Hier nicht, eine Geschichte die zu Hauf intellegente und feine Nuancen aufweist. Fand auch gut dass es kein Gut und Boese gibt, sondern nur einzelne Entscheidungen die das trennen.
Und dazu macht das Ganze auch noch Spass!!
Und dass es scheinbar vorhersehbar ist... fand ich nicht... das die Teile abfallen... minimal... wichtige Momenten fehlt es an Zwischentoenen...usw...!
Ja: zuviel gemeckert! Am liebsten wuerd ich sagen: besser machen!
8 (Gnaden)-Punkte ist aber immer noch top!

10 Punkte von mir! Unbedingt gucken!

Die Bezeichnung gescheitertes

9

Die Bezeichnung gescheitertes Meisterwerk

....Passt wie die Faust aufs Auge!Ein ganz ganz grosser Film. Unglaublich ambitioniert - so sehr, dass das Projekt nur scheitern konnte. Aber auf höchstem Niveau. Da fehlt nicht viel zum Meisterwerk. Der letzte Drittel hat vor allem das Problem, dass die Szenen nicht mehr von den Profi-Darstellern getragen wurden. Ansonsten: Gosling: Charismatisch genial, Eva Mendez: überraschend tiefgründig, Bradley Cooper: auf dem Zenit. Unbedingt anschauen

Gut erdichtet, wirklich

9

Gut erdichtet, wirklich verkörpert, anmutig gestaltet, liebevoll getimed - ein sehr guter Film ohne Abstriche.

Und die oben stehende Rezension ist wie immer voller Inhaltsfehler, Rechtschreibfehler und Spoiler.

@ Gast: Meine Güte, wenn Dir

9

@ Gast: Meine Güte, wenn Dir diese Seite nicht gefällt, dann bleib halt weg. :-)

Ich bin sehr froh über die Schreiberlinge von Filmszene, die sich hinsetzen und ne ausführliche und fundierte Kritik scheiben - die ich mir dann anschauen kann, ohne einen Cent zu bezahlen. Das sollte man honorieren und nicht ständig meckern. In diesen Kritiken stckt zweifellos einiges an Zeit!
Ich z.B. schaue mir vor Anschauen des Films die Wertung bei Filmszene an und lese die eigentliche Kritik erst NACH dem Kino. Und dann ist es total interessant, wie der jeweilige Rezensent den Film erlebt hat - mal ähnlich und dann auch mal wieder völlig anders.

Im obigen Film übrigens sehr ähnlich, nur dass ich das Schlussdrittel deutlich positiver sehe, so dass es bei mir am Ende 9 Augen sind.

Überaus komplexes und

8

Überaus komplexes und vielschichtiges Drama, das zutiefst bewegt. Leider nicht ganz rund und homogen, wirkt nicht richtig wie aus einem Guss, ist aber stellenweise so brilliant in Szene gesetzt bzw. gespielt, dass einem der Atem stockt. Hätte ein Meisterwerk werden können. Ziel knapp verfehlt ...

Ein Meisterwerk von Film,

10

Ein Meisterwerk von Film, welches sich unter Kennern als Geheimtipp etablieren wird.

Hrmmm.. Gerade wieder an den

9

Hrmmm.. Gerade wieder an den Film gedacht - bis jetzt der stärkste Streifen den ich diese Jahr im Kino gesehen habe

Ich hatte keinerlei Probleme

9

Ich hatte keinerlei Probleme mit dem letzten Drittel. Auch konnte mich das proletenhafte Schauspiel von Emory Cohen überzeugen. Lediglich einen anderen, etwas tragischeren Schluss hätte ich mir gewünscht.

Die grandiose Musik dieses wunderschönen Films hat hier übrigens noch niemand erwähnt. Das möchte ich hiermit tun.

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