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The Mission

The Mission
action-thriller , hongkong 1999
original
the mission
regie
johnnie to
drehbuch
yau nai-hoi
cast
anthony wong,
francis ng,
roy cheung,
jackie lui, u.a.
spielzeit
81 Minuten
kinostart
30. November 2000
homepage
bewertung

8 von 10 Augen

„Understatement“ gehört nicht unbedingt zu den Begriffen, die man automatisch mit Gangsterfilmen aus Hongkong in Verbindung bringen würde. Der von den Bloodshed-Klassikern John Woos geprägte Zuschauer denkt vielmehr an große Gefühle und ausladende Schießereien, durch die die Geschichten über Ehre, Loyalität und Freundschaft ihre ganz spezielle Wirkung erzielen konnten. Johnnie Tos Film „The Mission“, der jetzt als Nachfolger seiner gelungenen Genre-Mischung „Running out of time“ auch in die deutschen Kinos kommt, handelt zwar ebenfalls von menschlichen Beziehungen vor dem Hintergrund des Triadenmilieus und all seiner Gesetze, unterscheidet sich hinsichtlich seiner Stimmung und formalen Umsetzung jedoch deutlich vom Großteil dessen, was die (inzwischen ehemalige) Kronkolonie bislang zum Gangster-Genre beizutragen hatte.

Der zunächst betont einfach gehaltene Plot erzählt von fünf Männern mit kriminellem Hintergrund, die als Bodyguards engagiert werden. Ihre Aufgabe besteht darin, den Triadenboss Mr. Lung zu beschützen, dem ein unbekannter Gegner nach dem Leben trachtet, wie zahlreiche Mordanschläge beweisen. Wie sehr „The Mission“ den üblichen Konventionen seiner Filmgattung trotzt, läßt sich allerdings bereits an dem Umstand ablesen, daß die Suche nach dem Drahtzieher dieser Attentate bereits nach ca. einer Stunde der Laufzeit ein vergleichsweise unspektakuläres Ende findet. Als die fünf Leibwächter im Anschluß ein wesentlich komplizierteres Problem in ihren eigenen Reihen zu lösen haben, bestätigt sich endgültig, daß ihr ursprünglicher Auftrag hier nur eine sehr untergeordnete Rolle spielt. Vielmehr verdeutlicht das letzte Drittel des Films die Bedeutung, die dem komplexen Geflecht von Beziehungen zwischen den Hauptfiguren zukommt, das im Laufe der Handlung wie beiläufig entwickelt wurde.

Seine Struktur ist jedoch bei weitem nicht das einzige untypische Merkmal dieses Films, denn wie sehr sich „The Mission“ von der gewohnten Genre-Ware aus Hongkong abhebt, macht schon die Inszenierung der Shoot-Outs überdeutlich. Wo in den bekannten Bloodshed-Krachern die Protagonisten beidhändig feuernd durch die Luft segeln und die Kamera kaum zum Stillstand kommt, sind die Schießereien in „The Mission“ - an erster Stelle wäre hier die brilliante Sequenz in der Shopping-Mall zu nennen - von einer fast schon meditativen Ruhe gekennzeichnet, die man in diesem Zusammenhang eher aus den japanischen Gangsterfilmen eines Takeshi Kitano kennt. Spannung wird hier erzeugt durch statische Einstellungen, in denen sich die zumeist unbeweglich bleibenden Schützen strategisch günstig positionieren, um dann mit todesverachtender Gelassenheit ihr Ziel ins Visier zu nehmen.

Diese Schachspiel-Shoot-Outs lassen sich durchaus als symptomatisch für die Attitüde des gesamten Films ansehen, die auch im Spiel der hochkarätigen Darstellerriege zum Ausdruck kommt, bei der lediglich die Abwesenheit von Johnnie Tos Stamm-Schauspieler Lau Ching-Wan zu bedauern wäre. Wenn man sich vergegenwärtigt, welche bereits häufig unter Beweis gestellten Ausrast-Fähigkeiten gerade in solchen Leuten wie Anthony Wong und Francis Ng stecken, fällt die hier zur Schau getragene Coolness nochmal um so deutlicher auf. Unterstützung erhält die lakonische Stimmung von „The Mission“ weiterhin vom sehr lässigen Soundtrack, bei dem allenfalls die Synthie-Melodie des Titelthemas mit der Zeit ein wenig aufdringlich wirkt.

Dadurch daß dem Zuschauer nur äußerst spärliche Informationen über den Background der Figuren vermittelt werden, wirkt der zudem noch relativ dialogarme Film auch inhaltlich sehr reduziert, seine konzentrierte Strenge wird aber gelegentlich von kurzen Anflügen trockenen Humors aufgelockert, die vom typischen Hongkong-Slapstick allerdings meilenweit entfernt sind. Auch wenn die Schluß-Sequenz hohe Aufmerksamkeit erfordert und ein nicht ganz unproblematisches Verwirrungspotential in sich birgt, darf man Johnnie To bescheinigen, mit „The Mission“ seinem Ruf als stilsicherer Innovator durchaus mal wieder gerecht geworden zu sein. 

Andreas Berger

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