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The man who copied

The man who copied
komödie , brasilien 2003
original
o homen que copiava
regie
jorge furtado
drehbuch
jorge furtado
cast
lazaro ramos,
leandra leal,
luana piovani,
pedro cardoso, u.a.
spielzeit
123 Minuten
kinostart
1. September 2005
homepage
bewertung

7 von 10 Augen

In Brasilien, das wissen wir spätestens seit "City of God", ist es nicht einfach, jung und arm zu sein. Da gibt es eigentlich nur zwei Möglichkeiten: Entweder wird man Fußballstar oder kriminell. Genau diese beiden Varianten bewegt auch André (Lázaro Ramos) in seinem Kopf während seiner Arbeit an den Maschinen eines Copyshops im brasilianischen Porto Alegre. Zum Fußballspieler hat es nicht gereicht, die Schule hat er auch nicht abgeschlossen und mit seinem Niedriglohnjob kann er gerade mal die Miete für sich und seine Mutter bezahlen. Damit kann der 20-jährige weder die fleischgewordene Pubertätsphantasie Marinês (Luana Piovani) beeindrucken, die neben ihm im Laden Zeitschriften verkauft, noch die hübsche Sílvia (Leandra Leal), die gegenüber wohnt und die André durch sein Fernglas aus sicherer Entfernung anhimmelt. Eigentlich will er ja sowieso Zeichner werden, aber bisher wurden seine eingereichten Comics stets abgelehnt. André hat also einen Haufen Probleme, die einer schnellen Lösung bedürfen. Als er dann auch noch beobachtet, wie Sílvia von ihrem Vater belästigt wird, heißt es für André handeln.

Mit seinem zweiten Spielfilm hat Regisseur Jorge Furtado eine witzige Komödie über die erste Liebe und große Träume vorgelegt. "The Man Who Copied" ist ein Brasilienfilm ganz ohne Strand und Favelas und deshalb auch gut dazu geeignet, mit einigen Klischees aufzuräumen. Dass die Handlung dennoch eine überraschende Wendung nimmt und die Liebeskomödie plötzlich mit ziemlich schwarzem Humor weitergeführt wird, tut dem keinen Abbruch. Um seine Sílvia zu überzeugen braucht André nämlich Geld, da kommt die Anschaffung eines modernen Farbkopierers zur Geldproduktion gerade recht. So ganz narrensicher ist diese Variante zur Wohlstandsvermehrung allerdings nicht, der nächste Schritt ist dann der Überfall eines Geldtransporters mit einer mit Falschgeld erworbenen Pistole. Dabei wird André von Marinês' Verehrer Cardoso (Pedro Cardoso) unterstützt, der selbst im Trödelladen arbeitet, sich aber als Antiquitätenhändler ausgibt, um Marinês zu beeindrucken. Nach dem Überfall will plötzlich jeder etwas vom neuen Reichtum abbekommen: Marinês, Cardoso, der Waffenhändler und Sílvias Vater, der den Überfall beobachtet hat - André sitzt ziemlich in der Klemme.

Ohne Mord und Totschlag geht es letztlich dann doch nicht, aber es ist vielleicht typisch brasilianisch, dass in diesem augenzwinkernden "Bonnie und Clyde"-Film die Gewalt eine Art akzeptierter Nebenrolle spielt, die in diesem Fall lediglich dazu dient, die Bösen zu bestrafen. Moralisch in Frage gestellt wird sie jedenfalls nicht und nimmt deshalb auch keine zentrale Position in der Handlung ein.
Stattdessen sind es immer wieder kleine Einfälle, die den Film sehenswert machen: Andrés Kindheitsrückblicke als krude gezeichnete Comics oder die Unsicherheit, mit der sich André und Sílvia begegnen. Die ersten wunderbar schüchternen Gespräche der beiden drehen sich um einen Bademantel, den André als Vorwand benutzt, Sílvia in ihrem Geschäft zu besuchen.
Fast durch den gesamten Film begleitet den Zuschauer Andrés Monolog aus dem Off, der seine Gedanken erklärt. Dabei gelingen Furtado manchmal Szenen, die an die Absurdität und Verzauberung von "Die wunderbare Welt der Amélie" heranreichen. Besonders durch die Abschottung Andrés von der Außenwelt mit dem Fernglas als Sicherheitsabstand, die erst von Sílvia durchbrochen wird, gelingt eine eindrückliche Darstellung von Andrés Charakter, für die Lázaro Ramos auf dem Filmfest Havanna als Bester Hauptdarsteller geehrt wurde.

Leider ziehen sich die hintergründigen Einfälle nicht durch den gesamten Film. Dennoch hat Furtado eine Komödie über den Alltag der Mehrheit der brasilianischen Bevölkerung geschaffen und die Liebesgeschichte der beiden Jugendlichen mit wunderbar fotografierten, gelbstichigen Bildern der Stadt unterlegt. Gute Musik ist natürlich auch dabei und am Ende bleibt die erstaunliche Erkenntnis, dass auch in Brasilien Rio das Ziel aller Träume ist.

Moritz Piehler

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