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The Majestic

The Majestic
drama , usa 2001
original
the majestic
regie
frank darabont
drehbuch
michael sloane
cast
jim carrey,
laurie holden,
martin landau,
james whitmore, u.a.
spielzeit
152 Minuten
kinostart
30. Mai 2002
homepage
bewertung

6 von 10 Augen

Jim Carrey möchte ernst genommen werden. Nach dem großen Erfolg seines ersten Versuches in dieser Richtung, der "Truman Show", stellt Carrey also seine Karriere als Komiker hinten an und versucht sich weiter im dramatischen Fach. Auch für seine Darstellung des Andy Kaufman in "Man on the Moon" erhielt er viel Kritikerlob, das Publikum mochte ihm da allerdings schon nur noch bedingt folgen. Und bei seinem neuesten Werk "The Majestic" blieb nun in den USA sogar beides aus - was allerdings zu allerletzt die Schuld von Jim Carrey ist.

Carrey
Jim Carrey am Steuer eines
heißen Flitzers.

Denn der brilliert in der Rolle des vielversprechenden Drehbuchautors Peter Appleton, der im Hollywood der 50er Jahre scheinbar unaufhaltsam auf dem Weg nach oben ist. Bis der völlig unpolitische Appleton plötzlich ins Fadenkreuz der amerikanischen Kommunistenjäger gerät: Obwohl die Verdächtigungen gegen ihn grundlos sind, verliert er Job, Freundin und seine gesamte Zukunftsperspektive. Angetrunken setzt sich Appleton ins Auto, verunglückt und wacht am nächsten Morgen in dem Provinznest Lawson auf - ohne sich daran erinnern zu können, wer er eigentlich ist. Als der alte Harry Trimble in ihm seinen im Krieg verschollenen Sohn Luke wiederzuerkennen glaubt, akzeptiert der überrumpelte Autor seine neue Rolle und lässt sich als zurückgekehrter "verlorener Sohn" feiern.

Carrey, Landau, Holden
Carrey freut sich mit Martin
Landau und Laurie Holden.

Schnell erobert Appleton die Herzen der Kleinstadtbewohner, beginnt eine Beziehung mit Lukes Jugendliebe Adele und bringt sogar seinen vermeintlichen Vater dazu, gemeinsam das heruntergekommene Stadtkino "The Majestic" wieder zu eröffnen. Doch seiner Vergangenheit kann Peter Appleton auf Dauer nicht entfliehen und wird letztendlich gezwungen, Farbe zu bekennen: Wieviel bedeutet ihm die neu gewonnene Familie? Wie stark darf man sich verbiegen lassen, um noch vor sich selbst bestehen zu können?

Majestic
The Majestic - mal was anderes
als das Multiplex um die Ecke.

Regisseur Frank Darabont macht es in seinen Werken selten mal unter einer Laufzeit von drei Stunden und auch "The Majestic" nimmt sich Zeit für seine Figuren. Doch im Gegensatz zu früheren Darabont-Werken wie "The Green Mile" oder noch viel mehr "Die Verurteilten", bleiben die Charaktere in seinem aktuellen Werk recht blass. Zu klischeehaft und zu holzschnittartig sind sie entworfen, die liebenswerten und etwas verschrobenen Einwohner des Phantasieortes Lawson. Alles, was man für ein großes Drama braucht, ist vertreten, vom verbitterten Vater, der noch einmal auflebt, über den feindseligen Rivalen bis zur bezaubernden Traumfrau. Und alle verhalten sich so, wie man es erwartet, entwickeln sich so, wie es der mitfühlende Zuschauer erhofft. Alles vorhersehbar hier im "Majestic", und alles irgendwie schön. Schön, wie die hervorragend eingefangene 50er Jahre-Atmosphäre, und schön, wie die passgenauen Einspielungen von Musik und Filmausschnitten aus dieser Zeit.

Carrey, Holden
Jim Carrey und Laurie Holden
raspeln Süßholz.

Die lange Laufzeit ist da auch gar nicht mal das Problem des Films, denn das Geschehen auf der Leinwand weiß durchaus zu unterhalten. Aber Frank Darabont kann mehr und liefert hier eben nur ein höchst gefälliges Werk ab, das zudem noch durch eine Naivität besticht, bei der man sich fragt, ob diese - der geschilderten Ära entsprechend - vielleicht sogar beabsichtigt ist. Eine Naivität, die allerdings spätestens bei der Schilderung der Verhandlung des Falles Appleton vor dem "Ausschuss für unamerikanische Umtriebe" recht ärgerlich wird. Denn so erfreulich es ist, dass ein Film das doch ziemlich dunkle Kapitel "Kommunistenhatz" aufgreift - und dabei auch eindeutig Stellung bezieht - so enttäuschend ist letztendlich die Umsetzung als vor Kitsch und Pathos triefende Märchenstunde .

Von all dieser Kritik ausgenommen bleibt allerdings erneut Jim Carrey. In diesem ist tatsächlich der frühere Hampelmann aus Fäkalklamotten wie "Dumm und Dümmer" kaum noch wiederzuerkennen - weder äußerlich noch in Bezug auf Ausdruckskraft und Intensität seiner Darstellung. Und so bleibt als Fazit nach zweieinhalb Stunden Gefühlskino im "Majestic" zumindest dieses: Der Mann kann wirklich was!

Volker Robrahn

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