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The Good German

The Good German
neo-noir , usa 2007
original
the good german
regie
steven soderbergh
drehbuch
paul attanasio
cast
george clooney,
cate blanchett,
tony curran,
beau bridges,
tobey maguire, u.a.
spielzeit
100 Minuten
kinostart
1. März 2007
homepage
bewertung

7 von 10 Augen

 

So ohne weiteres würde ja erstmal keiner auf die Idee kommen, Steven Soderbergh ausgerechnet mit Quentin Tarantino zu vergleichen. Und auf den ersten Blick haben sie bis aufs rapide schwindende Haupthaar ja auch wenig gemeinsam. Da hätten wir den eierköpfigen Intellektuellen aus der Filmhochschule auf der einen Seite und den geekigen Anti-Intellektuellen aus der Videothek auf der anderen. Auch die Kinovorbilder fallen anders aus: Soderbergh dreht Remakes russischer Autorenfilmer ("Solaris"), und Filme über sperrige europäische Schriftsteller ("Kafka"). Tarantino lässt seiner Lust am Trashkino der 1970er Jahre, besonders Kungfu- und Blaxploitation-Streifen, ebenso freien Lauf wie dem Verwursten von Film Noir- und Gangsterfilm-Elementen. Aber zwei Dinge mögen beide: Leute clevere Dialoge sprechen zu lassen und ihren Einflüssen Tribut zu zollen. Beides bringt uns dann zu Soderberghs neuem Film, der sich wie Quentin Tarantinos anstehendes "Grindhouse"-Filmsegment als perfekte Mimikry versteht: Wir imitieren eine bestimmte Art von Film so genau wie möglich. Und genau wird hier tatsächlich gearbeitet.

Von der unter Pseudonym wieder selbst bedienten Kamera über Beleuchtung bis hin zu den passend unglaubwürdigen und amüsant anzuschauenden Filmchen, die als Rückprojektion hinter der Auto-Kulisse ablaufen - es ist alles hier wie anno dazumal in den 1940ern, Soderbergh benutzte nur Originalausstattung. Einzig beim Filmformat musste er Zugeständnisse an die moderne Technik machen. Das damals übliche Quasi-Vollbild (1:1.37) kann heute in modernen Kinos nicht mehr abgespielt werden, selbst Soderberghs Kompromisslösung (1:1.66) erreichte man nur, indem der in Normal-Kinoformat (1:1.78) als open matte gedrehte Film an den Seiten mit schwarzen Balken überdeckt wurde. Aber genug des technischen Kauderwelschs - die einzig wichtige Frage ist ja: Funktioniert's denn?
Und da ist die Antwort dann: schon, mit kleineren Abstrichen. Denn die ersten Minuten muss man sich schon gewöhnen an das enge und statische Bild, die strenge und unnatürliche Beleuchtung und die bekannten Gesichter in ungewohntem Umfeld. Aber wenn sich die erste, milde Befremdung erstmal gelegt hat, folgt man doch relativ mühelos und willig der Geschichte, die Drehbuchautor Paul Attanasio nach einem Roman von Joseph Kanon erzählt:
Berlin, 1945. Der amerikanische Militärjournalist Jacob Geismar (George Clooney) soll über die bevorstehende Potsdam-Konferenz berichten, auf der sich die "großen Drei" (Stalin, Truman und Churchill) treffen, um darüber zu beraten, was mit Deutschland geschehen soll. Aber kaum angekommen wird er durch seinen Fahrer Tully (Tobey Maguire) in Probleme verwickelt. Dessen jetzige Freundin Lena (Cate Blanchett) arbeitete vor dem Krieg nicht nur für Jake, beide waren auch ein Liebespaar. Sowohl Tully als auch Lena haben dunkle Geheimnisse, bald gibt es den ersten Toten zu beklagen und Geismar wird mehr und mehr in eine Politaffäre gezogen, die ihn Kopf und Kragen kosten kann.

Um das, worum es in dieser Politaffäre um deutsche Kriegsverbrechen während des Krieges und das Verhalten der Alliierten nach Kriegsende geht, wird zwar ein großes Geheimnis gemacht, nötig ist das aber eigentlich nicht. Denn die Geschichte selbst ist im Grunde recht simpel, wird aber einigermaßen kompliziert und weitschweifig erzählt. Dies passt andererseits zum Aufbau als de facto-Detektivgeschichte, in der Clooneys Figur nach und nach die Zusammenhänge zwischen dem Mordopfer, seiner in die Sache verwickelten Ex-Freundin und den deutschen und russischen Besatzern erarbeitet. Dies rückt "The Good German" auch eher in die Nähe von Carol Reeds Klassiker "Der dritte Mann" denn in die von "Casablanca", dessen Einfluss denn doch nicht so groß ist, als dass man direkt von einem dreisten Plagiat sprechen könnte, wie durch manche dem Film nicht wohlgesonnene Kritiker geschehen.
Natürlich sind gewisse Elemente da, die zum Vergleich auffordern - Ausreisepapiere als zentrales Plotvehikel, ein Finale am Flughafen und die unverhohlene Hommage des Filmplakats - aber der dramatische Aufbau ist denn doch grundverschieden. Während in "Casablanca" die Grundsituation relativ schnell klar ist und dann Gewissensentscheidungen anstehen, die das dramatische Rückgrat des Filmes bilden, bleibt in "The Good German" die Grundsituation bis kurz vor Ende unklar und die Gewissensentscheidungen sind hier eher peripher. Das ist vielleicht auch ein kleiner Kritikpunkt, denn bei den aufgeworfenen Themen um Schuld, Mitschuld und Moral wird am Ende fast ein bisschen zu wenig auf die Implikationen der Geschichte für die Hauptcharaktere eingegangen und das Ende wirkt einigermaßen überstürzt.
Andererseits wird die Atmosphäre des Nachkriegs-Berlins als weitestgehend moralfreie Zone, in der auch die Alliierten sich nicht gerade durch besonders hoch stehende Moralvorstellungen auszeichnen und jeder seinen Profit sucht, von Soderbergh wunderbar eingefangen. Dabei helfen natürlich - und hier ist der Film denn doch Produkt seiner Entstehungszeit - die Freiheiten in Bezug auf Sex, Gewalt und derbe Sprache, die unter dem in den 1940er Jahren herrschenden Hays-Code (eine effektive Zensur im damaligen Hollywood) nicht möglich waren. Die Story wird zudem aus der Sicht von drei verschiedenen Personen erzählt, was sicherlich auf geteilte Echos stoßen wird, dem Rezensenten aber recht gut gefiel.

Aber der Star der Show ist ja auch nicht unbedingt die Geschichte, ja es sind nicht mal George Clooney oder Cate Blanchett, sondern es ist der Stil. Natürlich ist "The Good German" im Grunde genommen ein Gimmick-Film, aber ein gut umgesetzter. Dass Soderbergh damit keinen wirklich großen Film schaffen würde, ist durch die Angestrengtheit und Zwänge des Projekts irgendwo verständlich, aber er macht das Beste aus seinem Experiment.
Geholfen wird ihm dabei sehr wohl von seinen beiden Stars, denn sowohl Clooney als auch Blanchett machen hier eine gute Figur, was auch an ihrem ikonischen Äußeren liegt. Clooney sieht ja ohnehin aus wie ein klassischer leading man aus Hollywoods goldener Ära, und Cate Blanchetts so attraktive wie eigenwillige Gesichtszüge erinnern problemlos an die großen Darstellerinnen der Epoche. Da kann man dann auch großzügig über einige Löcher in der Charakterisierung hinwegsehen. Einzig Tobey Maguire fällt hier mit seinem Durchschnittsgesicht aus dem Rahmen und auch deutlich ab, seine gegen sein Image laufende Besetzung als harter und böser Bube wirkt nie so recht glaubwürdig. Da hat im Duell der ewigen Milchgesichter Elijah Wood beim Gegenanspielen gegen das "netter Junge"-Image in Filmen wie "Sin City" überzeugendere Arbeit abgeliefert. Dagegen kann das Nebendarsteller-Ensemble mit guter Arbeit von Leuten wie Tony Curran, Leland Orser und Beau Bridges überzeugen.

Eines muss man Soderbergh ja lassen: Risiko scheuen gehört nicht zu seinen Eigenschaften, wenn er sich zwischen kommerzielleren Arbeiten mit seinen eigenwilligen Filmen vergnügt. So wenig Anklang "Solaris" und vor allem "Voll frontal" in den letzten Jahren auch gefunden haben, interessante Aspekte hatten sie allemal, besonders der in "Solaris" erfolgte Versuch, die Zuschauer eine nahe Zukunft spüren zu lassen, anstatt sie abzubilden. In die Reihe dieser nicht hundertprozentig gelungenen, aber faszinierenden inhaltlichen und stilistischen Ausreißer muss man auch "The Good German" stellen. Ein Film von einem geek für geeks, quasi.
Wer also dieser Art von Experiment etwas abgewinnen kann und mit den entsprechenden Erwartungshaltungen herangeht, sollte auch nicht enttäuscht werden. Denn auch wenn es mit dem "guten Deutschen" auch nur zu einem recht guten statt einem tollen Film gelangt hat, so ist Berlin in diesem Falle schon eine Reise wert. Und für alle anderen gibt's in ein paar Monaten dann ja "Ocean's 13".

Simon Staake

5

Schicke Optik und zwei gute Hauptdarsteller können leider nicht über einen stellenweise sehr anstrengenden Film hinwegtäuschen, der einfach zu langweilig ist um den Zuschauer von Anfang bis Ende zu begeistern. Trotzdem ein interessantes - wenn auch nur teilweise gelungenes - Experiment in beeindruckenden Bildern.

1

Sehr langweiliger Film. Bin nach einer Stunde freiwillig aus dem Kino gegangen.

1

Ich war schon nach 25 min raus und hab mein Geld zurück verlangt! ;-P
Das wirkrlich beeindruckende war aber, dass die Kassiererin darüber nicht sehr überrascht war........ scheint also mehreren so zu gehen

Tolle Kritik wieder von S. Staake. Ist noch niemand drauf gekommen ihm/ihr einen Kritikerpreis zu verleihen, wenn es sowas gibt.

4

1

Also Herr Staake,

ich würde mir den Film nochmal ansehen und erklären Sie mir dann bitte wie man diesen Film gut finden kann.....meine persönliche Meinung ist: der Film ist richtig Langweilig.... naja....aber Geschmäcker sind nun mal verschieden

1

Unglaublich nicht mehr als einen Stern verdient. gäääähnn sag ich da nur

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