So
ohne weiteres würde ja erstmal keiner auf die Idee kommen,
Steven Soderbergh ausgerechnet mit Quentin Tarantino zu vergleichen.
Und auf den ersten Blick haben sie bis aufs rapide schwindende Haupthaar
ja auch wenig gemeinsam. Da hätten wir den eierköpfigen
Intellektuellen aus der Filmhochschule auf der einen Seite und den
geekigen Anti-Intellektuellen aus der Videothek auf der anderen.
Auch die Kinovorbilder fallen anders aus: Soderbergh dreht Remakes
russischer Autorenfilmer ("Solaris"),
und Filme über sperrige europäische Schriftsteller ("Kafka").
Tarantino lässt seiner Lust am Trashkino der 1970er Jahre,
besonders Kungfu- und Blaxploitation-Streifen, ebenso freien Lauf
wie dem Verwursten
von
Film Noir- und Gangsterfilm-Elementen. Aber zwei Dinge mögen
beide: Leute clevere Dialoge sprechen zu lassen und ihren Einflüssen
Tribut zu zollen. Beides bringt uns dann zu Soderberghs neuem Film,
der sich wie Quentin Tarantinos anstehendes "Grindhouse"-Filmsegment
als perfekte Mimikry versteht: Wir imitieren eine bestimmte Art
von Film so genau wie möglich. Und genau wird hier tatsächlich
gearbeitet.
Von der unter Pseudonym wieder selbst bedienten Kamera über
Beleuchtung bis hin zu den passend unglaubwürdigen und amüsant
anzuschauenden Filmchen, die als Rückprojektion hinter der
Auto-Kulisse ablaufen - es ist alles hier wie anno dazumal in den
1940ern, Soderbergh benutzte nur Originalausstattung. Einzig beim
Filmformat musste er Zugeständnisse an die moderne Technik
machen. Das damals übliche Quasi-Vollbild (1:1.37) kann heute
in modernen Kinos nicht mehr abgespielt werden, selbst Soderberghs
Kompromisslösung (1:1.66) erreichte man nur, indem der in Normal-Kinoformat
(1:1.78) als open matte gedrehte Film an den Seiten mit schwarzen
Balken überdeckt wurde. Aber genug des technischen Kauderwelschs
- die einzig wichtige Frage ist ja: Funktioniert's denn?
Und da ist die Antwort dann: schon, mit kleineren Abstrichen. Denn
die ersten Minuten muss man sich schon gewöhnen an das enge
und statische Bild, die strenge und unnatürliche Beleuchtung
und die bekannten Gesichter in ungewohntem Umfeld. Aber wenn sich
die erste, milde Befremdung erstmal gelegt hat, folgt man doch relativ
mühelos und willig der Geschichte, die Drehbuchautor Paul Attanasio
nach einem Roman von Joseph Kanon erzählt:
Berlin, 1945. Der amerikanische Militärjournalist Jacob Geismar
(George Clooney) soll über die bevorstehende Potsdam-Konferenz
berichten, auf der sich die "großen Drei" (Stalin,
Truman und Churchill) treffen, um darüber zu beraten, was mit
Deutschland geschehen soll. Aber kaum angekommen wird er durch seinen
Fahrer Tully (Tobey Maguire) in Probleme verwickelt. Dessen jetzige
Freundin
Lena (Cate Blanchett) arbeitete vor dem Krieg nicht nur für
Jake, beide waren auch ein Liebespaar. Sowohl Tully als auch Lena
haben dunkle Geheimnisse, bald gibt es den ersten Toten zu beklagen
und Geismar wird mehr und mehr in eine Politaffäre gezogen,
die ihn Kopf und Kragen kosten kann.
Um das, worum es in dieser Politaffäre um deutsche Kriegsverbrechen
während des Krieges und das Verhalten der Alliierten nach Kriegsende
geht, wird zwar ein großes Geheimnis gemacht, nötig ist
das aber eigentlich nicht. Denn die Geschichte selbst ist im Grunde
recht simpel, wird aber einigermaßen kompliziert und weitschweifig
erzählt. Dies passt andererseits zum Aufbau als de facto-Detektivgeschichte,
in der Clooneys Figur nach und nach die Zusammenhänge zwischen
dem Mordopfer, seiner in die Sache verwickelten Ex-Freundin und
den deutschen und russischen Besatzern erarbeitet. Dies rückt
"The Good German" auch eher in die Nähe von Carol
Reeds Klassiker "Der dritte Mann" denn in die von "Casablanca",
dessen Einfluss denn doch nicht so groß ist, als dass man
direkt von einem dreisten Plagiat sprechen könnte, wie durch
manche dem Film nicht wohlgesonnene Kritiker geschehen.
Natürlich sind gewisse Elemente da, die zum Vergleich auffordern
- Ausreisepapiere als zentrales Plotvehikel, ein Finale am Flughafen
und die unverhohlene Hommage des Filmplakats - aber der dramatische
Aufbau ist denn doch grundverschieden. Während in "Casablanca"
die Grundsituation relativ schnell klar ist und dann Gewissensentscheidungen
anstehen, die das dramatische Rückgrat des Filmes bilden, bleibt
in "The Good German" die Grundsituation bis kurz vor Ende
unklar und die Gewissensentscheidungen sind hier eher peripher.
Das ist vielleicht auch ein kleiner Kritikpunkt, denn bei den aufgeworfenen
Themen um Schuld, Mitschuld und Moral wird am Ende fast ein bisschen
zu wenig auf die Implikationen der Geschichte für die Hauptcharaktere
eingegangen und das Ende wirkt einigermaßen überstürzt.
Andererseits
wird die Atmosphäre des Nachkriegs-Berlins als weitestgehend
moralfreie Zone, in der auch die Alliierten sich nicht gerade durch
besonders hoch stehende Moralvorstellungen auszeichnen und jeder
seinen Profit sucht, von Soderbergh wunderbar eingefangen. Dabei
helfen natürlich - und hier ist der Film denn doch Produkt
seiner Entstehungszeit - die Freiheiten in Bezug auf Sex, Gewalt
und derbe Sprache, die unter dem in den 1940er Jahren herrschenden
Hays-Code (eine effektive Zensur im damaligen Hollywood) nicht möglich
waren. Die Story wird zudem aus der Sicht von drei verschiedenen
Personen erzählt, was sicherlich auf geteilte Echos stoßen
wird, dem Rezensenten aber recht gut gefiel.
Aber der Star der Show ist ja auch nicht unbedingt die Geschichte,
ja es sind nicht mal George Clooney oder Cate Blanchett, sondern
es ist der Stil. Natürlich ist "The Good German"
im Grunde genommen ein Gimmick-Film, aber ein gut umgesetzter. Dass
Soderbergh damit keinen wirklich großen Film schaffen würde,
ist durch die Angestrengtheit und Zwänge des Projekts irgendwo
verständlich, aber er macht das Beste aus seinem Experiment.
Geholfen wird ihm dabei sehr wohl von seinen beiden Stars, denn
sowohl Clooney als auch Blanchett machen hier eine gute Figur, was
auch an ihrem ikonischen Äußeren liegt. Clooney sieht
ja ohnehin aus wie ein klassischer leading man aus Hollywoods goldener
Ära, und Cate Blanchetts so attraktive wie eigenwillige Gesichtszüge
erinnern problemlos an die großen Darstellerinnen der Epoche.
Da kann man dann auch großzügig über einige Löcher
in der Charakterisierung hinwegsehen. Einzig Tobey Maguire
fällt
hier mit seinem Durchschnittsgesicht aus dem Rahmen und auch deutlich
ab, seine gegen sein Image laufende Besetzung als harter und böser
Bube wirkt nie so recht glaubwürdig. Da hat im Duell der ewigen
Milchgesichter Elijah Wood beim Gegenanspielen gegen das "netter
Junge"-Image in Filmen wie "Sin City" überzeugendere
Arbeit abgeliefert. Dagegen kann das Nebendarsteller-Ensemble mit
guter Arbeit von Leuten wie Tony Curran, Leland Orser und Beau Bridges
überzeugen.
Eines muss man Soderbergh ja lassen: Risiko scheuen gehört
nicht zu seinen Eigenschaften, wenn er sich zwischen kommerzielleren
Arbeiten mit seinen eigenwilligen Filmen vergnügt. So wenig
Anklang "Solaris" und vor allem "Voll
frontal" in den letzten Jahren auch gefunden haben, interessante
Aspekte hatten sie allemal, besonders der in "Solaris"
erfolgte Versuch, die Zuschauer eine nahe Zukunft spüren zu
lassen, anstatt sie abzubilden. In die Reihe dieser nicht hundertprozentig
gelungenen, aber faszinierenden inhaltlichen und stilistischen Ausreißer
muss man auch "The Good German" stellen. Ein Film von
einem geek für geeks, quasi.
Wer also dieser Art von Experiment etwas abgewinnen kann und mit
den entsprechenden Erwartungshaltungen herangeht, sollte auch nicht
enttäuscht werden. Denn auch wenn es mit dem "guten Deutschen"
auch nur zu einem recht guten statt einem tollen Film gelangt hat,
so ist Berlin in diesem Falle schon eine Reise wert. Und für
alle anderen gibt's in ein paar Monaten dann ja "Ocean's 13".


Schicke Optik und zwei gute Hauptdarsteller können leider nicht über einen stellenweise sehr anstrengenden Film hinwegtäuschen, der einfach zu langweilig ist um den Zuschauer von Anfang bis Ende zu begeistern. Trotzdem ein interessantes - wenn auch nur teilweise gelungenes - Experiment in beeindruckenden Bildern.
Sehr langweiliger Film. Bin nach einer Stunde freiwillig aus dem Kino gegangen.
Ich war schon nach 25 min raus und hab mein Geld zurück verlangt! ;-P
Das wirkrlich beeindruckende war aber, dass die Kassiererin darüber nicht sehr überrascht war........ scheint also mehreren so zu gehen
Tolle Kritik wieder von S. Staake. Ist noch niemand drauf gekommen ihm/ihr einen Kritikerpreis zu verleihen, wenn es sowas gibt.
Also Herr Staake,
ich würde mir den Film nochmal ansehen und erklären Sie mir dann bitte wie man diesen Film gut finden kann.....meine persönliche Meinung ist: der Film ist richtig Langweilig.... naja....aber Geschmäcker sind nun mal verschieden
Unglaublich nicht mehr als einen Stern verdient. gäääähnn sag ich da nur
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