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The Fighter

The Fighter
sport-drama , usa 2010
original
the fighter
regie
david o. russell
drehbuch
scott silver, paul tamasy, eric johnson
cast
mark wahlberg,
christian bale,
amy adams,
melissa leo, u.a.
spielzeit
110 Minuten
kinostart
7. April 2011
homepage
http://www.centralfilm.de
bewertung

6 von 10 Augen

"The Fighter" steht in der guten alten Tradition des Sportler-Biopic, wie so oft "inspiriert von Tatsachen" (und wie so oft hat man hier auch ordentlich gerafft und geändert). Der hier in den Blickpunkt rückende Sportler ist "Irish" Micky Ward (Mark Wahlberg), ein Weltergewichtler, der wahnsinnig viel einstecken konnte, und dann zurückschlug, wenn sich der Gegner müde gekämpft hatte. Ein spektakulärer Kämpfer also, dessen filmische Biografie sich aber zum Großteil mit seiner nicht weniger spektakulären Familie beschäftigt: Sein älterer Halbbruder und Trainer Dicky (Christian Bale) gilt als 'der Stolz von Lowell' (einer verarmten ehemaligen Industriestadt in Massachussetts), da er mal einen guten Fight gegen Sugar Ray Leonard gezeigt hat. Diese Glanzzeiten sind lange vorbei. Mittlerweile ist Dicky crackabhängig und ständig im Konflikt mit der Polizei. Mutter Alice (Melissa Leo), gleichzeitig Managerin von Micky, verschließt vor der Wahrheit die Augen. Zusammen bilden beide nicht gerade ein Traumteam, um Mickys Karriere voranzubringen. Als er die resolute Barkeeperin Charlene (Amy Adams) kennenlernt, muss er sich anfangen zu fragen, ob er seine Karriere so weiter und dadurch ins Nichts laufen lassen will, oder ob es nicht Zeit wird, sich von seiner Familie zu emanzipieren.

Dieser Film braucht einen Untertitel. Vielleicht "Mickey und Dicky - Vier Fäuste für 'ne Handvoll Crack". Oder man könnte sich bei bestimmten Komödien mit Ben Stiller und Robert de Niro inspirieren lassen: "The Fighter - Mein Drogen-geschädigter Bruder, meine White Trash-Mama und ich". Gerechter würde man dem Seherlebnis damit allemal werden. Denn dieser Film und seine Hauptrolle gehören nur nominell Mark Wahlberg, übernommen wird er aber in jeder Szene, in der sie beteiligt sind, von seinen Co-Stars Christian Bale und Melissa Leo. Beide haben für ihre Rollen hier Oscars gewonnen, was theoretisch heißt, das wir hier zwei der besten Schauspielleistungen der letzten Jahre sehen, in der Praxis jedoch nur noch einmal unterstreicht, wie sehr die Academy das Schaulaufen der Subtilität vorzieht.
Im Englischen spricht man bei überzogenem Schauspiel gern davon, die Darsteller würden an der Kulisse herumnagen. Wenn Christian Bale und Melissa Leo hier loslegen, wird nicht nur die Kulisse gekaut, die beiden verschlingen auch die Kameras, die Beleuchtung und das eine oder andere Crewmitglied. Christian Bale dankte ja Mark Wahlberg in seiner Dankesrede bei den Golden Globes, dass er nur so eine laute Performance hätte abgeben können, weil Wahlbergs Performance so leise war. Wahrere Worte konnte Bale kaum finden, auch wenn er damit unabsichtlich ein Problem des Films deutlich macht: Wahlberg hat eine so leise Performance, dass man sie fast nicht hört.

Micky Ward ist als Titelfigur und Held der Geschichte blass und passiv, von ihm geht fast kein Impuls aus. Entweder seine Familie gängelt ihn, oder später dann seine Freundin. Und Wahlberg spielt Ward entsprechend als hilflosen, unartikulierten und nicht besonders hellen Kerl, dessen Haupteigenschaft darin besteht, dass er halt wahnsinnig viel einstecken kann. Das kann man so machen und das ist wohl auch realistisch. Kann ja nicht jeder wie die Herren Klitschko mit Doktortitel herumlaufen und der selige Rocky Balboa war ja auch nicht unbedingt der klügste Kopf. Und angesichts der überbordenden Persönlichkeiten in seiner Familie kann man sich gut vorstellen, dass Micky Ward meistens gar nicht zu Wort kam und falls doch, dann auch nicht recht wusste, was er sagen soll. Aber er bleibt so als Figur eben auch so gut wie ohne Persönlichkeit. Das mag dem wirklichen Leben geschuldet sein, aber als Kinoerfahrung macht es den Film flach und uninteressant, wenn Ward wirklich einmal im Mittelpunkt steht.
Tut er aber zumindest zu Anfang eher selten, dort ist es die Christian-Bale-als-Dicky-Ecklund-Show oder die Freakshow der Mutter und ihrer sieben schrecklichen Töchter. Was sehr ansehnlich ist und durchaus Laune macht, dafür aber Punkte an Glaubwürdigkeit verliert. Die Schwestern von Dicky und Micky schießen auf der Glaubwürdigkeitsskala ebenfalls oben die Spitze ab, sie sind hier allesamt grenzdebile Damen, deren Interessen offensichtlich einzig rauchen, dumm-herum-sitzen und Haarspray-in-Großpackungen benutzen sind. Man mag es ja kaum glauben, aber angesichts dessen, was uns hier geboten wird, sind Clint Eastwoods Darstellungen der Familie der boxenden Protagonistin aus "Million Dollar Baby" ja fast schon subtil und tiefgründig. Auch wenn, nach allem was man so hört, Leo und Bale eher noch abgemildert haben. Angesichts dieser Masse an schreienden Stereotypen - so gut sie von der Wirklichkeit auch begründet sein mögen - wirken einzig Wahlbergs Figur sowie die seiner Freundin Charlene authentisch und echt. Und die ist eben authentisch und echt langweilig.

Das gleiche kann man so nicht von "The Fighter" behaupten, aber fast. Routiniert hangelt sich der Film an den erwarteten Momenten entlang. So kann man sich nach dem ersten Filmdrittel sehr gut ausmalen, wie die Geschichte weiter geht und welche dramatischen Konflikte hier noch hinaufbeschworen werden. Das Erfüllen dieser Erwartungen hat dann fast schon etwas Pflichtbewusstes, "The Fighter" endet so, wie inspirierende Sportdramen© nun einmal enden.
Was allerdings die größte Enttäuschung an "The Fighter" in seiner Gesamtheit ist, ist wie normal und unspektakulär all dies inszeniert und abgefilmt ist. David O. Russell ist ja spätestens seit "Three Kings" als visuell und erzählerisch einfallsreicher Regisseur bekannt, davon ist aber hier nun so gut wie nichts zu sehen. "The Fighter" ist wohl der konventionellste Film, den Russell bisher gedreht hat. Kein einziges visuelles Ausrufezeichen, keine sich durch besonderen Einfallsreichtum hervorhebende Sequenz - diesen Film hätte so auch der schon angesprochene Eastwood drehen können. Was heißt: Alles sauber gemacht, gut gespielt, gediegen inszeniert - aber so richtig vom Hocker haut einen das - ähnlich Eastwoods Rugbydrama "Invictus" - dann doch nicht. Die der TV-Ästhetik nachempfundenen Kampfszenen sind da fast schon inszenatorische Highlights, aber eben nur ganz kleine. Ob ihn die Erfahrung mit dem abgefahrenen "I Heart Huckabees" - den trotz seiner Brillanz letztlich keiner sehen wollte - so nachhaltig erschreckt hat, dass er sich jetzt lieber an solideren, aber auch konservativeren Themen und Stilen versucht?

Hin- und wieder gibt es immer wieder kleine Momente, die hervorstechen, schöne kleine Szenen, die eine Geschichte abseits von Mickeys Boxeinlagen und Dickys Drogeneskapaden erzählen. Am schönsten für Filmfreunde sicherlich die Szene, als Micky Charlene zum Date ins Kino einlädt in den Film "Bell Epic", von dem er angeblich viel Gutes gehört hat. Dass es sich dabei um den französischen Programmkinofilm "La Belle Epoque" handelt, und sich Charlene gelangweilt durch Untertitel lesen muss, während Micky dazu selig schnarcht, ist dann eine schöne Pointe, noch getoppt von Mickys zögerlich hervorgebrachtem Grund für die Filmauswahl.
Wie Randy "The Ram" Robinson aus Aronofskys "The Wrestler" ist auch Micky Ward beim Hair Metal hängen geblieben, was später dann sinnig ist, wenn er zu Whitesnakes "Here I Go Again" zum großen Titelkampf einläuft. Denn "Here I go again on my own..." wie David Coverdale so inbrünstig singt, das passt ja durchaus als Motto. Whitesnake-Musik als gewiefter Storykommentar - da sieht man, dass Russell es eben doch kann mit den gewitzten kleinen Momenten, auch wenn es dann letztendlich vielleicht zu wenige sind.
Und auch wenn hier ausführlich gemeckert wurde, dass für die Darstellungen Subtilität ein so großes Fremdwort ist, als würde es aus "Bell Epic" stammen, so muss man am Ende zugeben, dass Christian Bales Verwandlung eben doch beeindruckend ist. Abgemagert, mit kaputten Zähnen und kahlen Stellen im dünnen Haupthaar - so fügt Bale seinen freakigen Figuren à la Trevor Reznik in "The Machinist" noch eine hinzu und nahm auch hier wieder Kilos gleich im Großpack ab. Für diesen Schauwert allein kann man sich dann "The Fighter" schon angucken.

Was bleibt also von Mark Wahlbergs Traumprojekt, dem er über fünf Jahre hinterher jagte und für das ursprünglich mal Darren Aronofsky als Regisseur vorgesehen war, bevor dieser mit "The Wrestler" statt Erfüllung des amerikanische Traums lieber dessen Antithese erzählte? Ein ansehnlicher, erzählerisch sehr konservativer Sportfilm mit einigen sehr wilden Performances. Und ein Film, den sich dank der breiten Raum einnehmenden Familienstory auch Leute anschauen können, die mit Sportfilmen nichts am Hut haben. Kein cineastischer Knockout also, sondern eher ein knapper, schmeichelhafter Punktsieg nach zwölf Runden.

Simon Staake

5

Sehr langweiliger Film mit einer Superdarbietung von Christian Bale!
Nur anschauen wenn man eine *BALE* Fan ist und sehen möchte wofür er den Oscar bekommen hat.
Alle anderen werden enttäuscht sein!

6

Sehr treffende Kritik. Ich mag Bale eigentlich nicht aber seine Performance in "The Fighter" war over the top (in jeder Hinsicht). Und wer sich die Mühe macht und den Abspann schaut, wird sehen das Bale keinesfalls übertrieben hat.

Das Problem dieses Films ist seine Banalität. Unterm Strich ein unspektakuläres Sportlerfilmchen, wenn da Bale nicht wäre :)

Ich frage mich, warum ein guter Film laut Filmszene automatisch unkonventionell sein muss.
Der wohl konventionellste Film dieses Jahr war "The king´s speech".
Der war ausgezeichnet.

6

Schöne Rezension, besonders der Vergleich der Inszenierung mit Invictus hat mir gefallen.
Viel hinzufügen kann man dem dann leider auch nicht mehr. Wahlberg trägt genau einen Gesichtsausdruck spazieren (in guter alter Holzgesicht-Stallone Manier), während das Kuriositätenkabinett den grellen Rahmen bildet. Muss man alles nicht gesehen haben, auch nicht wegen der Oscarprämierten Darsteller.

8

HAHA 6 Punkte...und Filme wie 'Ze fast and Ze furious 5' (geil Skins, Titten und Karren...) kriegen genau so viele Punkte. Traurig, dass ich ueberhaupt noch auf dieser Seite nach gucke. Kann ja nur von Proleten vom Feinsten geschrieben sein.
Dieser Film ist eine Meisterleistung von Christian Bale und ja der Inhalt ist nicht allzu neu aber trotzdem ist es ein guter Film und glaubwuerdig zudem.

Auch wenn es vllt Stereotypen

Auch wenn es vllt Stereotypen sind.
Es trifft leider den Nagel auf dem Kopf. Bin selbst aus der eher unteren Schicht und die Menschen verhalten sich leider oft so. Das ist ja gerade der Teufelskreis. Eine Spirale aus körperlicher und nicht zuletzt psychischer Gewalt. gemischt mit Monotomie.
Meine oma ist genau so eine rauchende Frau ,die sich nichts einreden lässt(und eigtl den ganzen Tag nichts naderes machts) und ich kenne genug ähnlich gestrickte menschen in diesem Mileu.

na --hör mal ! das ist ein

8

na --hör mal ! das ist ein wiklich gelungener Film. wenn 2 gute Schauspieler zusammentreffen ist es doch gerade die Kunst keinen Wettbewerb daraus zu machen--- wer mehr KAmera bekommt ...das machen Bale und Whalberg fantastisch.

...und dann endlich mal ein tolle FIGHT atmo ....das ist doch die große Schwäche v 90 % aller Boxfilme : die Runden im Ring sind weder Fisch noch Fleisch ...hier passt es super ist nicht ROCKY mäßig umgesetzt und spannend...was will man mehr . 8 Punkte.

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