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The Artist

The Artist
tragikomödie , frankreich/belgien 2011
original
the artist
regie
michel hazanavicius
drehbuch
michel hazanavicius
cast
jean dujardin,
bénédice bejo,
james cromwell,
john goodman,
penelope ann miller, u.a.
spielzeit
100 Minuten
kinostart
26. Januar 2012
homepage
http://www.warnerbros.fr/the-artist.html
bewertung

8 von 10 Augen
The Artist - Poster

Wir befinden uns in Hollwyood im Jahr 1927: George Valentin (Jean Dujardin) ist einer der größten Stars des noch stummen Kinos, mit seiner ausdrucksstarken Mimik begeistert er das Publikum in Kostümdramen und Agentenfilmen. Auf dem Set seines neuesten Films begegnet er der jungen Tänzerin und Schaupielerin Peppy Miller (Bénédice Bejo), die eigentlich nur als Komparsin engagiert ist. Sofort sprühen zwischen beiden die Funken. Doch für George verkomplizieren sich sowohl die beruflichen stummals auch die amourösen Persepektiven: Noch steckt er in einer unglücklichen Ehe mit seiner Frau Doris (Penelope Ann Miller) und sein Produzent Al Zimmer (John Goodman) möchte, dass George das neueste Gimmick ausprobiert: Filme mit Ton. Für George eine lächerliche Idee, dieser Tonfilm. Ein kurzlebiger Trend ohne künstlerischen Wert! Als der Tonfilm jedoch zu seinem Siegeszug ansetzt und im Zuge dessen auch Peppy zum Star macht, befindet sich George bald in einer Schaffens- und Sinnkrise. Ob ihm sein treuer Hund (Uggy), sein treuer Chauffeur Clifton (James Cromwell) oder gar Peppy aus der Krise helfen können?

Eines muss man Produzent Thomas Langmann und Regisseur und Drehbuchautor Michel Hazanavicius lassen: Eier haben sie, wie Oliver Kahn sagen würde. Sie könnten ja auch weiterhin gemütlich der Parodie und Klamotte frönen, die ihnen mit den beiden „OSS 117“-Streifen in Frankreich enorme Publikumserfolge einbrachten. Aber so nett es auch war, Jean Dujardin als dämlichen und unglaublich ignoranten französischen James Bond für Arme zu sehen, spätestens mit dem lahmen Sequel „Rio antwortet nicht“ hatte sich die Reihe ähnlich wie das offensichtliche Vorbild Austin Powers totgelaufen. Eine neue Herausforderung wurde also gesucht – und mit „The Artist“ haben sie sie gefunden.

Dass Jean Dujardin ebenfalls zurück ist, war angesichts der nicht gerade offensichtlichen Materie durchaus Überzeugungsarbeit. Aber so sind Hazanavicius und Dujardin zum dritten Mal in Folge vereint. Mit Bénédice Bejo (die mit dem Regisseur liiert ist und mit ihm zwei Kinder hat) in der weiblichen Hauptrolle ist das Trio komplett, bildeten Dujardin und Bejo doch schon in „OSS 117 – Der Spion, der sich liebte“ ein Quasi-Traumpaar. Dass „The Artist“ aber im französischen Heimatland mit fast 13 Millionen Zuschauern ein Riesenpublikumserfolg wurde, ist denn doch überraschend – schließlich handelt es sich bei dem Film um einen waschechten Stummfilm.

Jawohl, richtig gelesen: Stummfilm. Es gibt genau zwei Szenen mit Ton und beide sind wunderbare Gags, die dementsprechend hier nicht verraten werden. Gerade die erste Sequenz zeigt, wie wichtig Tondesign ist und macht zudem einen grandiosen Kommentar zur Story selbst und besonders zu Georges Angst, sich im Tonfilm zu blamieren. Aber der Rest, also etwa 98 Prozent des Films sind nur mit Musik unterlegt, die raren Dialoge zwischen den Figuren werden per Texttafel dargestellt. Jawohl, „The Artist“ ist nicht etwa nur vom Stummfilm inspiriert, es ist ein Film, der genau so aussieht und klingt wie damals. Das einzige Zugeständnis, dass Hazanavicius gemacht hat, ist auf Farbfilm zu drehen und dann in Schwarz-Weiß umzuwandeln. Ansonsten alles wie ganz früher: Das mittlerweile vollständig obsolete 1,37:1-Bild-Format mit seinen statischen Kameraeinstellungen. Und natürlich der damals modische Schauspielstil mit seiner überzogenen Mimik und Gestik. Wer also mit so etwas partout nichts anfangen kann, der sollte hier fernbleiben, auch wenn dies sicher schade ist, denn „The Artist“ ist wenngleich auch kein wirklich großer Film allemal ein Filmerlebnis, das man in Zeiten der unnützen 3D-Projektion und überzogener CGI-Orgien so schnell wohl nicht wiedersehen wird.

Zu einem wirklich monumentalen Film hätte es vielleicht etwas mehr Ambitionen gebraucht als „nur“ eine nette Pastiche in der Umbruchsperiode zwischen Stumm- und Tonfilm. Klar, die komödiantischen Möglichkeiten sind offensichtlich – siehe das grandiose Musical „Singin' in the Rain“ – aber eben dort auch schon ausreichend benutzt und kommentiert. Sich also nochmals über das überzogene Schauspiel in steifen Kostümfilmen der Stummfilmzeit lustig zu machen ist folglich nicht die größte aller möglichen Ambitionen, zumal die besten und ambitioniertesten Stummfilme deutlich über das hinausgehen, was „The Artist“ uns hier als den Standard dieser Streifen präsentiert.

Das ist aber eigentlich auch schon alles an großen Kritikpunkten, denn das, was sich „The Artist“ vornimmt, macht er ohne Zweifel sehr gut. Die melodramatischeren Momente der Geschichte werden geschickt so gesetzt, dass sie jeweils durch die Komik abgeschwächt werden. Ein Beispiel dafür: Die Frühstücksszene zwischen George und seiner Frau Doris, in der George und sein treuer Hund die unglückliche Dame aufheitern wollen, indem Herrchen und Hund dieselben Gesten machen. Eine eigentlich tieftraurige Szene der Entfremdung zwischen einem Ehepaar wird so kurzerhand zu einem komischen Meisterstück. Die komische Geheimwaffe des Films ist sowieso Uggy, der Hundedarsteller. Würde es Oscars für beste Tierdarsteller geben, hätten wir hier unseren Gewinner.

Angesichts der vielen Golden Globe-Nominierungen für „The Artist“ (sechs, womit der Film klarer Anführer in Nominierungen und mittlerweile auch klarer Favorit auf den Gewinn in der Kategorie „Beste Komödie oder Musical“ ist) kann man etwas zynisch festhalten, dass ein Film Hollywood dann offenbar besonders beeindruckt, wenn er von Hollywood handelt. Und zwar bitte in positivem Licht und am Besten vom glorreichen, ruhmreichen Hollywood der goldenen Ära (und nicht etwa so eine Stinkbombe wie Robert Altmans bitterböse Parodie „The Player“, die logischerweise in Sachen Auszeichnungen völlig ignoriert wurde). Selbstbeweihräucherung steht ja in Hollywood immer hoch im Kurs. Aber wollen wir nicht zynisch sein, denn für die Umarmung in Hollywoods mächtige Arme kann „The Artist“ ja nichts, und sein naives Hollywoodbild ist ja Geschichte, Figuren und Konstruktion geschuldet. Und die Rekonstruktion eines fiktiven Filmstudios der späten 1920er ist ausgesprochen schön gelungen, keine Frage.

paarDass sowohl Jean Dujardin als auch Bérénice Bejo in den Schauspielkategorien nominiert sind ist übrigens ebenfalls kein Zufall, denn damit so ein immer noch ziemlich mutiges Experiment wie „The Artist“ überhaupt funktionieren und den Zuschauer bei Laune halten kann, braucht es Schauspieler, die die Aufmerksamkeit des Zuschauers auch ohne Worte immer bei sich behalten. Und obwohl Dujardin in den letzten Jahren ja diverse Rollen angenommen hat, die seine Vielseitigkeit unterstreichen sollen, so bleibt er am Besten in der Rolle, von der er auch hier eine Variation spielt: des etwas großmäuligen Charmeurs, dem man einfach nicht böse sein kann. Dujardin muss hier die Hauptlast des Films schultern, denn „The Artist“ bleibt fast die gesamte Laufzeit über bei ihm, und der französische Publikumsliebling meistert diese Herausforderung fabulös. So hat er letztes Jahr in Cannes zu Recht den Preis als bester Darsteller entgegengenommen und dürfte auch bei den Golden Globes und Oscars seine Chancen haben. Dazu dann Bejo, die in ihrer Rolle des aufstrebenden Stars einfach bezaubernd ist und genau wie Dujardin ein klassisches Filmstargesicht hat. So etwas fällt einem ja auch erst in diesem Ambiente gezielt auf. Auch ein paar relativ große Namen aus Hollywood sind dabei, wobei besonders James Cromwells stille Sympathie in der Rolle des Clifton hervorzuheben ist, während John Goodman und Penelope Ann Miller recht wenig Platz zum Glänzen bekommen.

Der französische Publikumsrenner „Ziemlich beste Freunde“ ist ja gerade in Deutschland (ebenfalls sehr erfolgreich) gestartet und hier haben wir nun den nächsten französischen Film, der uns mit seinem Charme erfolgreich umgarnt. Charmant und amüsant ist „The Artist“, hat zudem eine Spritzigkeit und einen winzigen (und damit nicht ablenkenden) Hauch von Ironie, so dass das eigentlich veraltete Stummfilmformat so gut für ein modernes Publikum umgesetzt wird, wie es eben möglich ist: leichte Kinounterhaltung in einem schweren Format. Auch eine Leistung, die man erstmal bringen muss. Wer sich also von den Hürden eines Films in Schwarz-Weiß und nur mit Musikuntermalung nicht abhalten lässt, den erwartet hier ein wundervolles, stimmungsvolles Kleinod.

Simon Staake

Achtung: der Film hat einen

Achtung: der Film hat einen bösen Tonfehler. ^^

Wer ein echter Filmfan ist,

8

Wer ein echter Filmfan ist, muss diesen Film einfach lieb haben. Und weil in Hollywood die meisten Filmliebhaber wohnen, wird "The Artist" bei den Oscars ganz sicher triumphieren. Mit unglaublich viel Liebe und Charme gemacht, auch wenn die Geschichte nicht sonderlich originell ist und in der zweiten Hälfte etwas unnötig lang gestreckt wird. Trotzdem: Zauberhaft und sehr sehr schön.

Schreibfehler! Bérénice Bejo

Schreibfehler! Bérénice Bejo heisst die Frau.

Vor allem am Anfang sehr nett

6

Vor allem am Anfang sehr nett und charmant gespielt, kann den Hype allerdings beim besten Willen nicht verstehen. Ich habe bereits wesentlich bessere Stummfilme gesehen, wie beispielsweise Streik, Panzerkreuzer Potemkin (beide Eisenstein) oder Chaplins Werke, wie auch FW Murnaus Filme. Der Unterschied ist, dass diese Werke aus den 1920ern stammen. Wenn man heutzutage etwas völlig abseitiges, besonderes dreht und dafür ein paar Leute begeistern kann, ist einem die Aufmerksamkeit sicher, da der Film allein wegen seiner "Andersartigkeit" beachtet wird. Den Leuten, die sich mit Filmgeschichte nicht auskennen, fehlt dann ein Bewertungsrahmen (andere Stummfilme) für jetzt "The artist" und glauben, sie sehen ein quasi-Meisterwerk. Schade.

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