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The 6th day

The 6th day
scifi-action , usa 2000
original
regie
roger spottiswoode
drehbuch
cormac wibberley, marianne wibberley
cast
arnold schwarzenegger,
tony goldwyn,
michael rapaport,
robert duvall,
michael rooker,
sarah wynter, u.a.
spielzeit
126 Minuten
kinostart
14. Dezember 2000
homepage
bewertung

6 von 10 Augen

Es gab eine Zeit, da war ‚Der neue Schwarzenegger‘ ein Ereignis, das bei Freunden des Actionfilms feuchte Handflächen auslösen konnte. Im Gegensatz zu seinem damaligen Erz-Konkurrenten Sylvester Stallone hatte das österreichische Urgestein ein deutlich besseres Händchen bei der Wahl seiner Projekte und konnte unter der Leitung hochklassiger Regisseure, allen voran natürlich James Cameron, einige Klassiker für sich verbuchen, die den ‚Test of Time‘ im allgemeinen wesentlich besser überstanden haben als die meisten Werke des ‚Italian Stallion‘. In den letzten Jahren schien Arnies Stern jedoch zu verblassen: Zu der sich verändernden Filmlandschaft, in der die klassischen ‚Larger-than-Life‘-Actionhelden eher wie Relikte aus längst vergangenen Zeiten wirkten, kamen die nicht immer erfolgreichen Versuche, das eigene Image in Richtung größerer Familienfreundlichkeit zu korrigieren. Auch die gerade bei einem derart physischen Darsteller besonders ungern eingestandenen gesundheitlichen Probleme Schwarzeneggers trugen wohl dazu bei, daß sein Auftritt im letztjährigen Millenniums-Thriller „End of Days“ eigentlich als triumphales Comeback des Action-Gottes verstanden werden sollte. Dummerweise wirkte der Film durch seinen angestrengten Kompromiß zwischen ‚Back-to-the-Roots‘-Attitüde und vermeintlich zeitgemäßer Ganz-doll-düster-Atmosphäre gerade in der Präsentation seiner Hauptfigur völlig unentschlossen und konnte daher nur als Fehlschlag gewertet werden. Man mußte sich fragen: Wie geht’s nun weiter mit Arnold?

Die nahe Zukunft: Die Gentechnik hat enorme Fortschritte gemacht, Organe sind problemlos nachzuzüchten und zu ersetzen, auch ganze Haustiere können geklont werden, falls der geliebte Waldi vor seinem Herrchen das Zeitliche segnen sollte. Theoretisch könnte man auch Menschen auf diese Weise duplizieren, aber da so etwas nur böse Leute tun würden, hat man flugs ein Gesetz verabschiedet, das derart unmoralische Machenschaften verhindern soll: Das Gesetz des sechsten Tages (siehe „Die Bibel“, so ziemlich am Anfang). Dem von Schwarzenegger gespielten Helikopterpiloten Adam (siehe ebd.) Gibson ist diese ganze moderne Technik sowieso schon nicht geheuer, als er jedoch ausgerechnet an seinem Geburtstag nach Hause kommt und feststellen muß, daß nicht er selbst, sondern ein ihm bis aufs Haar gleichender Klon seine Geschenke ausgepackt hat, muß er sich wohl oder übel damit auseinandersetzen, daß die Gesetzestreue mancher Mitbürger doch arg zu wünschen übrig läßt...

Man würde es sich zu leicht machen, „The 6th Day“ einfach nur als eine in jeder Hinsicht verwässerte Variante des Verhoeven-Klassikers „Total Recall“ zu betrachten, in dem Arnie sich seiner Identität ja ebenfalls nie so ganz sicher sein konnte. Zwar ist der Film nicht gut, aber das heißt ja nicht, daß man sich hier nicht amüsieren könnte. So ähnlich muß es Eltern ergehen, deren Kinder ihnen zum ersten mal das Frühstück machen wollten: Die Küche ist zwar total versaut, aber die Kleinen haben es doch so gut gemeint, da kann man ihnen einfach nicht böse sein. Auch „The 6th Day“ möchte man am liebsten mal kräftig drücken, denn er gibt sich wirklich die größte Mühe, uns etwas zu bieten, und zwar „a little something for everyone“ (Zitat Presseheft). Allerdings liegt genau hier auch das Problem, denn der Film nimmt sich zwar viel vor, so richtig überzeugen kann er jedoch in keiner seiner Disziplinen.

Dies fängt an bei den wenig aufregenden Action-Sequenzen, die mal wieder deutlich machen, daß ein routinierter Auftragsregisseur wie Roger Spottiswoode einfach keine Alternative zu einem Destruktions-Maestro wie eben z. B. James Cameron darstellt. Auch die Science-Fiction-Elemente des Films wirken nicht gerade sehr originell oder gar spektakulär, bieten aber wenigstens Gelegenheit für einige durchaus amüsante Details am Rande, wie beispielsweise die virtuelle Freundin des von Michael Rapaport gespielten Kumpels der Hauptfigur. Gerade die Momente, in denen „The 6th Day“ dann mal so richtig witzig sein will, wirken allerdings stellenweise auf geradezu rührende Weise peinlich,
denn zu so üblen One-Linern wie hier durfte man schon lange nicht mehr entgeistert den Kopf schütteln. Eher deplaziert wirkt auch der Subplot über den von Robert Duvall gespielten Wissenschaftler und seine todkranke Frau, mit dem offenbar der Eindruck erweckt werden sollte, daß man hier tatsächlich auch was Bedeutendes zum hochbrisanten Thema „Klonen“ mitzuteilen habe. Jaja, natürlich. Wir sind ja schließlich nicht zum Spaß hier, und außerdem hat der Robert Duvall ja auch schon mal’n Oscar bekommen, da soll der mal ruhig ein wenig Seriosität einfließen lassen. Da wird man als Zuschauer schon ein wenig nachdenklich.

Außerdem gibt’s noch den mittlerweile wohl fast obligatorischen Plot-Twist kurz vor Schluß, der hier aber weder sonderlich überraschend noch überhaupt wirklich bedeutsam wirkt, zumal der viel zu lange und überfrachtete Showdown sein Bestes tut, um das Publikum vom Nachdenken über das bisherige recht abstruse Geschehen abzuhalten. Und Arnold? Arnold gibt sich genauso viel Mühe wie der ganze Film, und deshalb macht es eigentlich auch nichts, daß seine doch recht eng gesteckten darstellerischen Grenzen hier manchmal fast ebenso deutlich auffallen wie schon in „End of Days“, wo man ihm den Cop mit Todessehnsucht auch nicht abkaufen wollte. Dabei war man in diesem Fall peinlich darauf bedacht, die Schwarzenegger-Fans nicht nochmal mit derartigen Experimenten zu verunsichern. Arnie sorgt für ‚Aktschn‘, und Arnie macht Witze. Wie in alten Zeiten. Stellenweise wirkt „The 6th Day“ wie ein Sampler aus Arnolds früheren Mittelklasse-Filmen, er macht jedoch deutlich mehr Spaß als der in dieser Hinsicht recht ähnliche „Eraser“, dem es ebenfalls trotz eines hohen Budgets nie so recht gelingen wollte, das auch hier ständig präsente B-Movie-Flair abzuschütteln.

Wirklich nett ist in „The 6th Day“ z. B. die Gruppe von geklonten Killern unter der Führung Michael Rookers, die unser Held gleich mehrmals umlegen darf, weil sie halt immer wieder erneuert werden können, was zu einigen Irritationen auf beiden Seiten führt. Nebenbei bemerkt ist es durchaus interessant festzustellen, mit welchen gar nicht mal so zimperlichen Gewaltdarstellungen und makaberen Scherzen man noch ein „PG-13“-Rating erhalten kann, so lange es sich bei den Opfern um Klone und künstliche Lebewesen handelt. Das wahre Vergnügen, das man mit etwas gutem Willen an diesem Film haben kann, läßt sich jedoch nicht mit den eher spärlichen wirklich gelungenen Elementen erklären: Wenn man sich erstmal damit abgefunden hat, daß Schwarzenegger-Filme schon lange keine neuen Maßstäbe mehr im Action-Genre setzen, läßt sich hier ein auf höchst unterhaltsame Weise gescheitertes Projekt bewundern.

Gerade die Tatsache, daß man hier offenbar um jeden Preis auf Nummer Sicher gehen wollte und sich dermaßen große Mühe gab, es wirklich jedem recht zu machen, läßt die zahlreichen Schwächen umso amüsanter erscheinen. Der Film wäre so gerne ein ultra-fetziges, witziges und auch noch total cleveres Action-Spektakel. So richtig auf der Höhe der Zeit. In etwa so wie „Matrix“. Tatsächlich ist er jedoch einfach nur ein liebenswert altmodisch wirkendes Schwarzenegger-Vehikel, das Arnies Dilemma bezüglich seines Status in der Filmlandschaft des neuen Jahrtausends allerdings kaum lösen wird. Ob man über den Film oder mit dem Film lacht, ist für das Vergnügen letztendlich egal. Eine Frage bleibt jedoch: Quo Vadis, Arnold?

Andreas Berger

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