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Team America: World Police

Team America: World Police
puppen-satire , usa 2004
original
team america: world police
regie
trey parker
drehbuch
trey parker, matt stone, pam brady
cast
stimmen us-version: trey parker,
kristen miller,
matt stone, u.a.
spielzeit
107 Minuten
kinostart
30. Dezember 2004
homepage
http://www.teamamericamovie.com
bewertung

3 von 10 Augen

Die Story

Die Spezialeingreiftruppe Team America, ob ihres unermüdlichen Einsatzes in der ganzen Welt auch "World Police" genannt, steht vor einem großen Problem. Um einen Waffenhandel islamischer Terroristen in Ägypten zu verhindern, brauchen sie einen Undercover-Agenten. Also versucht Team America-Anführer Spottswoode, den Schauspieler Gary Johnston für diesen Auftrag zu gewinnen, denn Spionage ist ja bekanntlich Schauspielerei. Obwohl der Neuzugang nicht von allen Mitgliedern der knallharten Kampftruppe so gern gesehen wird wie von den beiden weiblichen Mitgliedern Sarah und Lisa, wird der erste Einsatz ein voller Erfolg. Aber größeres Unheil naht in Form des größenwahnsinnigen nordkoreanischen Diktators Kim Jong-Il. Der plant, die Welt ins Chaos zu stürzen. Helfen sollen ihm dabei unwissentlich die pazifistischen und regierungskritischen Stars Hollywoods....

Die Wertung, oder:

Das Gute...

Die "South Park"-Erfinder Trey Parker und Matt Stone sind kreativ, daran gibt's nicht zu rütteln, was sich auch immer wieder in einigen wunderbaren Kleinigkeiten zeigt. Der Einfall zu Kim Jong-Ils "Killerpanthern" allein ist beknackt und begnadet zugleich. Und da, wo schon "South Park" - Film und Serie - punkten konnten, macht auch "Team America: World Police" Punkte: Nämlich mit dem absurden, sehr witzigen und teilweise auch treffend satirischen Liedgut. Die 1:1 Kopie eines patriotischen Countryschlagers - genau ins Ziel; das Lied zur Montage von Gary Johnstons Training, das treffsicher über die Gründe für eine filmische Montage herzieht - brillant. Und natürlich der Favorit eines jeden Filmliebhabers: "'Pearl Harbor' sucked and I miss you", eine herrliche Nummer, die auf unnachahmliche Weise lustige Kritik an Michael Bays Schrottfilm und Schnulzensentiment vereint (Kostproben: "I need you as much as Ben Affleck needs acting school"; "Michael Bay, why are you still alllowed to make movies?"). Zudem muss man der Leistung der Puppenspieler schon Tribut zollen, denn dieses Puppenspiel ist aufwändig inszeniert (Anzahl der Sets und Puppen) und technisch ohne Zweifel hervorragend gemacht.

...das Böse...

Ungeachtet von der ideologischen Haltung von "Team America: World Police" funktioniert der Film für sich betrachtet so gut wie gar nicht. Grundproblem: Es ist neben den Abstechern in die Untiefen des schlechten Geschmacks ein "one-joke-movie", sowohl stilistisch, als auch inhaltlich. Zwar beeindrucken z.B. die mit Puppen gefüllten Massenszenen schon und die Grundidee des Puppentheaters ist wirklich mal was anderes, aber nach einer Viertelstunde hat sich der Reiz schon relativ abgenutzt.
Noch mehr gilt dies für die inhaltliche Präsentation. Denn als das Grundkonzept des Films haben sich Parker und Stone die postmoderne Persiflage des Actionfilms à la Jerry Bruckheimer ausgesucht, was so aussieht, dass jede Szene des Films gewollt stereotyp und klischiert ist (inklusive der passenden Musik). Und während es schon fast erschreckend ist, wie viele dieser Szenen sich da finden lassen, so macht eine bloße Aneinanderreihung ohne Auseinandersetzung immer noch keine gute Unterhaltung und gute Satire ist es auch nicht. Denn der Witz soll sich natürlich vor allem daraus ergeben, dass diese Szenen eben von Puppen gespielt werden. Und dies wird, siehe oben, nach zehn Minuten immer lahmer.
So stellt sich schnell Langeweile ein. Die wird nur unterbrochen - im Negativen - von den für Parker und Stone schon üblichen Abstechern in gross-out-Humor und billige Schocktaktiken. Da kotzt eine Puppe sich etwa minutenlang die Seele aus dem Leib, und pimpernde Puppen, nein, wat is dat witzisch. Wenn aber dann eine Figur in einem Musical über Aids singt "You have Aids and I have Aids, we all have Aids" soll das zwar als Tabubruch schon mal ein ungläubiges Lachen hervorrufen, aber neben der Frage des Geschmacks ist dies schlichtweg nicht witzig. Und so wird das Puppen- zum Trauerspiel. No laughing matter, indeed.

...und das Hässliche

Es ist die Wahl zwischen Pest und Cholera, die Einschätzung, was man von "Team America: World Police" zu halten hat. Nimmt man die Herren Parker und Stone beim Wort, wie sie mit dem Scharfsinn eines 14-jährigen Kiffers verkünden "Wir wollten keinen Film mit großer Botschaft machen oder uns auf eine Seite stellen. Wir machen uns einfach über alle lustig", so ist das schon äußerst bedenklich. Denn die Botschaft von den beiden "South Park"-Schöpfern, vermutlich nur durch die in US-News-Sendungen gezeigte Videospielästhetik des ‚sauberen Kriegs' im Irak geschärft, scheint zu sein: Ist alles nicht so schlimm, alles nur ein Spiel, alles ganz lustig. Aktiv mitdenken muss man nicht und sich eine Meinung bilden schon gar nicht. So sagt Parker tatsächlich: "Wer keine Ahnung hat, muss sich fürs Nichtwählen nicht schämen" und spricht damit wohl in erster Linie für sich selbst. Wenn man schon Apathie, Desinteresse und Sinnlosigkeit als Motto wählt, sollte man zu bestimmten Themen besser die Schnauze halten.

Natürlich sind die böse attackierten Gutmenschen und (Möchtegern-)Weltverbesserer Hollywoods wie Sean Penn, Michael Moore oder Tim Robbins ein dankbares Ziel - mutig ist das, was Parker und Stone hier vollführen, daher nicht. Und wie sie grundsätzlich Filmstars jegliche Fähigkeit absprechen, sich eine politisch dezidierte Meinung zu bilden, das riecht nach Eingeschränktheit und Ignoranz: Wir haben zum Thema nichts zu sagen, und schon gar nichts intelligentes, also kann es Rest-Hollywood auch nicht. Eine elitäre, hoheitshörige und damit unakzeptable Einstellung, die durch die homophoben Beschimpfungen der Aktivisten unter den Hollywoodschauspielern als "fags" und "pussies" nur noch einen weiteren äußerst unschönen Anstrich bekommt. Wer friedliche Lösungen sucht, ist nicht männlich genug und mindestens schwul. Damit spricht man der religiös-erzkonservativen Einstellung der US-Administration und Bushs "Texas Strongman"-Attitüde förmlich aus dem Herzen.
Womit wir auch beim Punkt "Wir stehen auf keiner Seite" angelangt sind, denn trotz (Seiten-)Hieben in alle Richtungen kann "Team America: World Police" seinen zutiefst konformistischen und konservativen Kern nicht verhehlen. Gerade die unappetitliche "Es gibt drei Arten von Menschen: Schwänze, Muschis und Arschlöcher"-Rede am Schluss spricht da laut und deutlich: Mag nicht alles das Gelbe vom Ei sein, was eine Weltpolizei so macht, aber letztendlich müssen es die "Schwänze" doch richten, und wenn sie dabei die halbe Welt in die Luft jagen. Das wird der Oberschwanz aus Texas gerne vernehmen.

Ich nicht. Man möge mich eine Spaßbremse nennen, meinetwegen auch einen Gutmenschen, einen Idealisten oder eine Nervensäge. Man mache aus mir eine Marionette und jage sie unter allgemeinem Gejohle in die Luft. Trotzdem glaube ich, dass es wichtiger ist, sich um eine Sache zu scheren, als sich um gar nichts zu scheren, auch wenn es einfacher ist, sich über etwas lustig zu machen, als etwas ernst zu nehmen. Und ich glaube, dass ein Film wie dieser deshalb gerade in diesen Zeiten unverantwortlich, dumm und hässlich ist. Und von daher schließe ich mich Sean Penns Worten in seinem Brief an Parker und Stone an: Verpisst Euch. Und nehmt euer blödes Team America gleich mit.

Simon Staake

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