kleine Werbepause
Anzeige

Taste the Waste

Taste the Waste
dokumentation , deutschland 2011
original
taste the waste
regie
valentin thurn
drehbuch
valentin thurn
cast
prof. joachim von braun,
friedrich wilhelm graefe zu baringdorf,
sylvain sadoine, u.a.
spielzeit
88 Minuten
kinostart
8. September 2011
homepage
http://www.tastethewaste.de
bewertung

7 von 10 Augen
Taste the Waste

Taste the Waste50 Prozent aller Lebensmittel werden weggeworfen – das meiste davon hat unseren Teller nie erreicht. Frühkartoffeln werden auf dem Feld gelassen, weil sie zu groß sind, um im Supermarkt auch nach knuffigen Frühkartoffeln auszusehen. Unmengen an Brot werden weggeworfen, weil Supermarktketten den Bäckereien an der Kasse vorschreiben, dass um 18:30 Uhr noch alle Regale gefüllt aussehen müssen. Ein französischer Supermarkt wirft Joghurts weg, sobald das Mindesthaltbarkeitsdatum nur noch sechs Tage entfernt ist.
In „Taste the Waste“ zeigt der Dokumentarfilmer Valentin Thurn, wie weltweit Essen im großen Stil vernichtet wird, weil unsere Wegwerfgesellschaft alles will und das immer. Der Konsument kauft nicht den Apfel, der angestoßen aussieht und nimmt keinen Joghurt, der bald abläuft, wenn der daneben länger hält. Gleichzeitig will der Handel (und nicht unbedingt die EU), dass das Obst und Taste the WasteGemüse nicht nur perfekt ausschaut, sondern auch noch perfekt in die Kiste passt und die Tomaten den exakten Rotton treffen, sonst kommen sie gar nicht erst auf den Markt.

In Deutschland, Österreich, Japan, Frankreich, Kamerun, Italien und den USA fand Thurn jedoch nicht nur Verschwendung, sondern immer auch Menschen, die versuchten, gegen diese etwas zu tun, wie die Mülltaucher in Österreich, die in Supermarktmülltonnen ihre Nahrung suchen, oder wie den Bäckerei-Inhaber Roland Schürer, der mit dem übriggebliebenen Brot des Tages seine Backöfen beheizt. Erstaunlich ist hierbei, wie wenig sich bisher auch bei uns in Deutschland mit der unglaublichen Verschwendung befasst wurde. Denn es ist nicht nur moralisch fragwürdig Essen wegzuwerfen, sondern es gibt auch klare ökonomische und klimatische Folgen dieser Verschwendung. Weggeworfenes Essen bringt keinen Nutzen für seinen Produktionsaufwand. Je mehr weggeworfen wird, desto mehr Taste the Wastewird benötigt, desto höher werden die Preise auch für Grundnahrungsmittel, desto weniger Essen können sich die Ultraarmen leisten und müssen hungern. Gleichzeitig produzieren die Bakterien auf den Müllkippen Methan und belasten so das Kima unserer Erde. Die Preise für Nahrungsmittel könnten sinken, wenn weniger weggeworfen werden muss.

Auch wenn "Taste the Waste" filmisch nicht so elegant und ausgearbeitet ist wie „We Feed the World – Essen global“, sondern eher Reportage-artig durch die Länder mäandert, mal dies, mal jenes zeigt und ab und zu mal eine Texttafel einblendet, so ist er immer noch sehenswert. Die Zuschauer werden ihren Kühlschrank und die Gemüseabteilung im Supermarkt mit anderen Augen sehen und begreifen, dass er eben nicht mehr das Vorzimmer zum Abfalleimer sein sollte. Das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz will nun übrigens endlich Zahlen für Deutschland ermitteln und das Land Nordrhein-Westfalen zum Vorzeigeland in Sachen Lebensmittel-Abfallvermeidung werden. Das schützt den Geldbeutel, das Klima und vielleicht auch eine arme Familie auf der anderen Seite der Welt.

Margarete Prowe

Kommentar hinzufügen

Freiwillige Angabe; die E-Mailadresse wird nicht angezeigt.
 
  • Internet- und E-Mail-Adressen werden automatisch umgewandelt.
  • Zeilen und Absätze werden automatisch erzeugt.
6 + 8 =
Diese einfache Rechenaufgabe ist zu lösen und das Ergebnis einzugeben, z.B. muss für 1+3 der Wert 4 eingegeben werden.